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Eigentlich war noch mehr Flottenwachstum vorgesehen. Doch das offene große Rettungsboot eines Passagierschiffes, das der MTV gerne bis zur Wasserlinie in die Sandkiste des Spielplatzes an der Promenade versenkt hätte, fand leider nicht ausreichend Zustimmung in den Gremien Vegesacks.Die ausgewachsene Kurbelwelle aus dem haushohen Antrieb eines Frachtschiffes blieb den Stadtgarten-Verschönerern auch erspart: Sie verschwand auf niemals geklärte Weise im Rahmen der Pleite des Bremer Vulkan und bereicherte ganz sicher die Schrotteinnahmen ihres neuen „Besitzers“.

Deutlich erfolgreicher war der Verein bei der Signalstation. Sie gehörte der Wasserstraßenverwaltung des Bundes, die das zweistöckige Gebäude in den Achtzigern nicht mehr wollte. Gegen erheblichen Vegesacker Widerstand wurde der Bremer Finanzsenator davon überzeugt, das Haus ins Fiskalvermögen der Stadtgemeinde zu übernehmen, die es dann nach einer gründlichen Sanierung an den MTV-Nautilus vermietete. „Einer der schönsten Plätze zum Rausgucken“, finden viele Besucher, die immer dann willkommen sind, wenn der Vereinsstander am Flaggenmast aufgezogen ist.

Noch vor der Gründung des MTV 1987 sorgten die maritimen Freunde Vegesacks für die Erneuerung eines Wahrzeichens. 1963 hatte der norwegische Walfang-Reeder Anders Jahre Vegesack den Kiefer eines 24 Meter langen Wal geschenkt, der am Utkiek vor dem historischen Havenhaus aufgestellt wurde. Eine staatlich verordnete Sanierung des Kiefers ging leider „in die Hose“, so dass 1986 das Ende des Wahrzeichens wegen fehlender Standfestigkeit drohte. Eine wunderbare Kooperation der maritimen Freunde mit der BLV-Wochenzeitung unter Frank Pörtner schuf die Lösung: Die Vegesacker Bildhauerin Christa Baumgärtel schuf einen Abdruck vom Original und eine Oldenburger Gießerei goss daraus ein „neues Original“. Horst Benkenstein mit seinem Vegesacker Kutter KORMORAN übernahm den Transport zwischen Vegesack und der Hunte-Stadt.

Zwischen dem Walkiefer am Utkiek und dem Nautilushaus neben dem historischen Speicher liegt das Hauptaktionsgebiet der maritimen Freunde Vegesacks. Schlepperliegeplätze und Baustoffumschlag auf der einen Seite und militärisches Sperrgebiet auf der anderen Seite verhinderten noch in den Achtzigern die Nutzung dieses ältesten künstlichen Hafens – zumindest in Norddeutschland.

Die ersten Kuttereigner mussten sich streckenweise vorm Amtsrichter in Blumenthal mit dem Hafensenator um die extrem hohen Liegegebühren streiten und die Rückgabe des sogenannten „Leinenpfad“ war in der Beamtensphäre „ausgeschlossen“. Bis zur Herausnahme des Vegesacker Hafens aus der Hafenordnung war ein jahrelanger Kampf vonnöten und für das Einsetzen der schwimmenden Anlage erwies sich die Arbeit der Bremischen Gesellschaft mit ihrem Chefplaner Wendelin Seebacher als größtmöglicher Segen. Wären die Politiker und ihre Beamten auch den Plänen Seebachers für eine „Hansestadt“ aus touristisch zu nutzenden Häusern der Bremer Partner-(Hanse-)städte gefolgt, wäre den Vegesackern das Haven Höövt und anderes mehr erspart geblieben.

Eigentlich gibt es nur ein maritimes Projekt in Vegesack, das ohne die MTV-Aktiven seinen endgültigen Liegeplatz gefunden hat: Das letzte deutsche Vollschiff, die SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND. Dieses Unikat und das „maritime Sammelsurium“ zu erhalten und gleichzeitig für wirtschaftliche Aktivitäten in Vegesack zu sorgen, steht im Mittelpunkt sehr vieler Aktivitäten entlang der maritimen Meile.

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