400 Jahre – der Vegesacker Hafen hat Geburtstag

Am 14. Juli 1618, also vor genau 400 Jahren, erfolgte der offizielle Startschuss zu den Bauarbeiten für den Vegesacker Hafen. An diesem Tag beauftragte der Bremer Senat in Abstimmung mit dem Haus Seefahrt, das die Finanzierung der Kosten in Höhe von 11.600 Speziesthalern übernommen hatte, die beiden holländischen Wasserbau-Sachverständigen Wilken Unkes van Vermessen und Dirik Jansen van Leerdamm sowie den Bremer Wallmeister Jacob Claußen mit dem Bau des Hafens an der Auemündung.

„Die Teilnahme, welche das Haus Seefahrt an der Anlage und Unterhaltung unseres ersten künstlichen Hafens an der Weser, während des ganz Laufs des 17. Jahrhunderts gehabt und die Beihülfe, welche sie bei diesem für die Weserschiffahrt für einige Zeit so wichtigem Werke geleistet hat, stellt die Bedeutung dieses Hauses, als eines Institutes für die Überwachung aller Interessen der Schiffer in ein besonders helles Licht.“ Johann Georg Kohl, Autor dieser Zeilen und Chronist des Hauses Seefahrt, machte schon 1862 deutlich, dass es vor allem die Schiffer waren, die großes Interesse an dem Bauwerk hatten.

Deer Grundriss des Vegesacker Hafens von 1766

„Bis zum Anfange des 17. Jahrhunderts scheinen die Seeschiffer von Bremen zur Bergung ihrer Schiffe keinerlei sicheren und kunstmäßig angelegten Hafen irgendwo an der Weser besessen zu haben“, schreibt Kohl lesbar erstaunt. Bis zur Schlachte verwehrte schon damals die Versandung der Weser den reibungslosen Transport auf Seeschiffen und dem zollgierigen Graf Anton Günther von Oldenburg wollten die Bremer ihr Geld ganz sicher nicht in den Rachen schmeißen. Bis Vegesack aber kamen die Schiffe weseraufwärts, 3 bis 4 Meter Tiefgang, dass funktionierte so um 1615. Die Bremer Schiffer wollten vor allem ein sicheres Winterlager für ihre Schiffe. Seit deutlich mehr als 10 Jahren bemühten sie sich um die ausgebauten Liegeplätze an der Mündung des Aumunder Tief.  Und da die Mittel des Bremer Senats für den Bau nicht ausreichten, finanzierte das Haus Seefahrt mit 5.000 Speziesthalern den größeren Teil der Kosten. Als Gegenleistung engagierte sich das Sozialwerk für Jahrzehnte auch gleich bei der Verwaltung des Hafens und kassierten damit nicht nur Zinsen.

Es muss doch einen Grund geben, warum in Bremen die „Pfeffersäcke“, so nannte man die oft im Gewürzhandel vermögend gewordenen Reeder und Kaufleute, wirtschaftlich deutlich besser dastanden (und stehen) als der Bremer Senat …

So richtig verdient am Vegesacker Hafen haben damals wohl die holländischen Wasserbauer, die – zum ersten Mal in Deutschland – quasi einen Hafen neu anlegen sollten. Deshalb wird der Vegesacker Hafen auch als der älteste künstliche Seehafen Deutschlands bezeichnet. Zuvor hatte man wohl stets nur Anlegestellen an Flüssen und an der Küste zum Be- und Entladen von Schiffen befestigt. Man benötigte den Hafen in Vegesack nicht nur für den Umschlag, sondern auch für Instandsetzungsarbeiten und die Überwinterung der Schiffe.

Aber im Frühjahr 1619 sollte es endlich soweit sein und dies, obwohl seit mehreren Monaten in Deutschland Krieg geführt wurde. In die Geschichtsbücher ging er als der Dreißigjährige ein. Doch Wirtschaft und Außenhandel prosperierten. Es ist schon beinahe ein Treppenwitz der Geschichte, dass die erfahrenen Wasserbauer aus Holland sehr schnell feststellten, dass der Ausbau des Hafens in der Auemündung sich als unmöglich erwies. Die Aue führte viel zu viel Sand mit und sorgte somit für eine schnelle Versandung des Hafens, die nur schwer und kostenintensiv zu beseitigen sei. Deshalb begann 1618 eigentlich nicht der Bau des Hafens, sondern vielmehr die Verlegung der Aue, die danach am Hafen vorbei direkt in die Lesum mündete. (Das Problem belastet den Vegesacker Museumshaven derzeit enorm, leider aber fehlen zur Beseitigung aber die klugen holländischen Wasserbauer …)

Dennoch wurde etwa drei Jahre später der Hafen, allerdings ohne größeres Aufsehen, eröffnet. Erste Liegeplätze wurden wohl 1620 schon genutzt, weitere kamen 1622/23 hinzu. 150 Meter lang und 75 Meter breit war das erste Becken, das man später noch deutlich landeinwärts verlängerte.

Der erste Hafenmeister hieß Hinrich Lürßen und sein Chef war der Droste von Blumenthal. Und es dauerte nicht lange, bis Cord Cöper als „Schiffbauer in Vegesack“ genannt wurde. Sein Betrieb lag wohl dort, wo heute das Lürssen-Bürogebäude steht, also zwischen dem Vegesacker Hafen und der Aue-Mündung. Hafen und Wirtschaft entwickelten sich und auch die Schiffe wurden den schwierigen Wasser- und damit auch de Tiefgangs Verhältnissen auf der Weser angepasst.

Der Vegesacker Hafen mit dem Havenhaus – 1670. Ausschnitt aus einem Gemälde, gefunden bei Wikipedia (Vegesacker Hafen)

Es waren auch Holländer, die bereits im frühen 17. Jahrhundert seegehende Segelschiffe entwickelten, die nach heutiger Rechnung rund 200 Tonnen tragen konnten. Sie nannten sie „Vliete“ oder „Fleute“ die beispielsweise allerlei Kolonialwaren aus Amsterdam nach Bremen brachten und später dann wegen des fehlenden Wasserstandes auf der Weser geleichtert oder in Vegesack ausgeladen werden mussten. Nach dem Hafenbau ließen sich die „Fleuten“ vergrößern, wurden Drei-Mast-Segler und durch eine grundlegende Veränderung des Längen-Breiten-Verhältnisses konnten sie ein Mehrfaches als Ladung übernehmen.

Wahrscheinlich waren es die deutlich gestiegenen Unterhaltskosten des Hafens, die den Senat gegen Ende des Jahrhunderts veranlassten, den Hafen nicht mehr in eigener Regie zu verwalten, sondern ihn zu verpachten. Heinrich Pundt war 1671 der erste Pächter des Hafens. Weil er von den Liegegeldern offenbar nicht leben und seine Familie ernähren konnte, räumte ihm der Senat zugleich mit der Hafenpacht eine Schankgenehmigung ein. Außerdem durfte Pundt im Hafen fischen sowie rundum das Gras mähen. Doch auch dieses Modell funktionierte nicht. Haus Seefahrt – die noch immer auf die Rückzahlung ihres Geldes hofften – und der Bremer Senat bemühten sich immer wieder, durch neue Vertragsformen, durch Subventionen oder Pächterwechsel, durch öffentliche Ausschreibungen und anderes, den Vegesacker Hafen kostendeckend instand zu halten. So richtig funktioniert hat dies allerdings niemals.

Die unterschiedlichen Nutzung des Vegesacker Hafens über die Jahrhunderte hinweg sind im Online-Lexikon Wikipedia bestens beschrieben.

Die Vegesacker waren fest davon überzeugt, dass „ihr“ Schwimmdock, in dem die Fischerei-Gesellschaft die Logger dockte, das kleinste Schwimmdock der Welt sei. Wie auch immer. Es war zumindest eine Attraktion. Foto: Hafenamt Bremen, bearbeitet von Gerd Pillnick
Von den Häusern der Fünfziger und Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist nur noch der Thielespeicher (im Foto links oben) vorhanden – heute Heimat für den Kutter- und Museumshaven-Verein sowie einem Fecht-Club.