Wal, Walfang und Waldenkmäler in Vegesack

von Christof Steuer

Am 8. Mai 1669 strandete ein ca. 9 m langer „Wallfisch“ auf dem Schönebecker Sand, er wurde nach Bremen gebracht , gemalt, entspeckt und sein Skelett wurde „zierlich zusammengefüget“ : das Bild wurde als Trophäe mitsamt dem Skelett im Rathaus aufgehängt. Es war ein Affront gegen die damals um Bremen herum herrschenden Schweden, die den Wal eigentlich für sich beansprucht hatten ! Das Bild soll mit seinen 9,55 m Länge das größte Walbild aller Zeiten sein , und das Skelett eines der ersten Präparate zur Anschauung für Rat und Bürger. Es Bild hängt nach einigen Umwegen wieder im Rathaus und ist Teil der Unesco-Welterbestätte , das Skelett ist m.W. im Überseemuseum gelandet.

Der Text unter dem Bild: ANNO 1669 am 8.Maji ist ein Walfisch uffm Sande im Leßmer Strom nahendt dem Leßmer Bruche erschoszen , so zu Schiffe gebracht und am 9. Maji nach Bremen geführet auch folgends daselbst das Fleisch abgeschnitten. Und ist die Länge dieses Fisches befunden vom Maul biß ans Auge 5 fuesz. Vom Maul biß zum Schwantze 29 fuesz. Die Floszfedern 3 fuesz der Schwanz in der Breite 9 fuesz, die Dicke in der Circumferenz 12 fuesz inmasz dier Wallfisch. Nach natuerlicher Größe abgebildet und deszten zusammengehefftete gebein alhie zur gedächtnüsz aufgehangen worden 28.Junii Anno 1669.

Am 2. April 1670 strandete ein kleiner Wal auf der Vegesack gegenüberliegenden Seite ,etwa bei Lemwerder. Er wurde gemalt mit einer Ansicht von Vegesack im Hintergrund . Diese obere rechte Ecke des Bildes wurde dann von Lüder Halenbeck als Vorlage für seine Zeichnung in „Geschichte der Stadt Vegesack“ verwendet Das Ölgemälde befindet sich im Heimatmuseum im Schloß Schönebeck, es ist die älteste Ansicht von Vegesacker Hafen, Havenhaus und Steilküste ( heute Stadtgarten ).

 

Walfang

Seit 1653 wurde bei Grönland bremische Walfang betrieben; den Speck brauchte man für Seife und Tranöl für Lampen. 1674 wurde in Bremen die „Grönländische Kompagnie“ gegründet; das Unternehmen war aber anfangs wegen der Konkurrenz anderer Seeanlieger nicht sehr erfolgreich. ( s. Schwarzwälder : Geschichte der Freien Hansestadt…Bd. I )

1786 / 87 nahm die Raschen-Werft an der Lesum die Walfangtradition wieder auf; es wurden sog. Grönlandfahrer durch Umrüstung einer Bark gebaut: Verstärkung des Bugs und Plankenschutz für die Fahrt ins nördliche Eismeer und die Küsten Grönlands. Das Schiff wurde im Vegesacker Hafen ausgerüstet, fuhr mit 35 Mann ( ! ) am 10 April 1787 los und kehrte am 6. August zurück . Man hatte zwei Wale erlegt, das waren 174 Tonnen Tran und 2300 Pfund Barten. Im Winter lagen die Walfänger im Vegesacker Hafen. Damals kam ein Großteil der Besatzung aus St.Magnus, und die Kapitäne auch.

Der Wal wurde auf kleinen Booten, mit Handharpunen gejagt. Der Kampf wurde dann mit langen Handlanzen fortgesetzt bis das Tier ermüdet aufgab. Der Wal wurde längsseits des Schiffes genommen und der Speck wurde dann sofort abgeschält und gekocht ( Lit.: Spengemann:aus der Segelschiffahrtszeit ,1948 ). Eine gute Vorstellung vom Walfang bekommt man im Film Moby Dick.

Der Walfang war eine äußerst gefährliche Angelegenheit, wie man aus dem Buch „Moby Dick“ weiß!

1844 übernahm die „Grönlandfischereigesellschaft“ ( Mitbegründer der Werftbesitzer Johann Lange, Vegesack ) den Walfang, der noch bis 1858 fortgeführt wurde. Durch die Erfindung von Petroleum hat dann der Walfang in Europa seine Bedeutung verloren.

 Wal – „Denkmäler“ in Vegesack:

Das bedeutendste ist der Walkiefer am Utkiek :

dieser Kiefer eines riesigen Blauwales wurde 1962 am Utkiek aufgestellt; er war ein Geschenk des norwegischen Reeders Anders Jahre, der das 24 Zentner schwere Exemplar an den „alten Hafen Vegesack“ in Erinnerung an dessen Zeit als Walfanghochburg übergab. Das Original (Knochen )wurde später in Bronze nachgegossen . Das Monument ist ca 5m breit und 7 m hoch.

In der Fußgängerzone steht ein Wal, den die Kinder gerne beklettern. Man kann auch darauf rutschen, was bei Regen die Eltern sehr freut!( die Bronze ist von Uwe Hässler, Worpswede; gestiftet wurde dieser Wal von der Sparkasse – 1980 )

Am Übergang von Fährzubringer und Stadtgarten ist eine große Wal-Fluke ( Schwanz ) zu sehen. Sie weist darauf hin, dass es um die Ecke in den Stadtgarten geht, wenn man vom Fähranleger kommt. (ebenfalls eine Bronze von Uwe Hässler, Worpswede). Diese Walfluke hat inzwischen die Vegesacker Postkarten erobert .

Anlage:

Chronologie des Walfangs an der Weser, zu finden im Schönebecker Schloß ( Heimatmuseum )