Auch in Vegesack zu Hause: Die Schaffermahlzeit

Stets im Februar eines jeden Jahres stellen sich die Schaffer im Seefahrtshof in Grohn vor. Die Veranstaltung ist jedesmal ein großes Medienereignis.


Spätestens dann, wenn die jährliche Schaffermahlzeit bevorsteht und wir gestandene Unternehmer via Medien an Kochtöpfen stehen sehen, geht uns eine der ältesten Bremer Einrichtungen durch den Kopf: Haus Seefahrt. Gegründet am Donnerstag nach dem vierten Fastensonntag 1545! Das wohl weltweit älteste Sozialwerk für Seeleute ist jedoch auch ein gutes Stück Vegesack! Nicht nur, weil der Seefahrtshof mit seinen acht Wohnhäusern mietfreie Unterkünfte für bedürftige Kapitäne, Kapitänswitwen und (Nautik-)Studenten in Grohn zur Verfügung stellt.

Haus Seefahrt war Anfang des 17. Jahrhunderts auch die treibende Kraft und der Finanzier beim Bau des Vegesacker Hafens – immerhin des ersten künstlich angelegten Hafens in Deutschland (Link).

Haus Seefahrt bietet allen, die an der maritimen Geschichte Bremens und Vegesack interessiert sind, eine Internetseite, die einem Geschichtsbuch gleicht und ein Füllhorn spannender Informationen ist – unter anderem auch zur Schaffermahlzeit. Es ist kein pompöser „Multimediaauftritt“, sondern ein online gestelltes Büchlein zum Thema Schaffermahlzeit mit allem Drum und Dran. Dazu gehören auch die Geschichten rund um die Aktivitäten von Haus Seefahrt seit der Gründung. Nicht weniger spannend ist der Auftritt von Haus Seefahrt bei Wikipedia (link).

Auch manche Skepsis in Richtung Norden, aus der Stadt heraus, ist in der tollen Chronik zu lesen:

„Ertappte Piraten von den Bremern gefangen genommen und – nach kurzem Prozess auf dem Markt vor dem Rathaus, wohin sie „alle mit verstrickten Händen“ geführt waren – auf dem Jodenberge enthauptet. Die Köpfe der Seeräuber aber steckten die Bremer draussen vor dem Tore bei Walle an ein Balkengerüst. Und dort grinsten sie noch bis zum Jahre 1547. Die Bremer brauchten also im Jahre 1545 nur vor das Waller Tor zu treten, um sich der permanenten Gefahr durch die Seeräuberei bewusst zu werden.“

Rund um den Vegesacker Hafen gab es durchaus Spannungen zwischen Haus Seefahrt und dem Senat. Die Vertreter von Kaufleuten und Reedern fürchteten offenbar, dass die Vegesacker nicht in der Lage seien, ihre Belange – also die Verwaltung des Hafens – allein ordentlich zu regeln. Ende des 17. Jahrhunderts verfiel der Hafen zusehends und Haus Seefahrt entschied sich, und zwar gegen die Pläne des Senats, den Hafen durch zwei Strohmänner pachten zu lassen, um zu retten, was zu retten sei.

Zitat: „Der Hafen verfiel, und schließlich wollte das Haus Seefahrt retten, was zu retten war.“ Es ließ den Hafen durch zwei vorgeschobene Personen pachten, doch lag offensichtlich „wenig Segen“ auf dem Trick, wie Sophie Hollanders in ihrem Buch “ Vegesack“ aus alten Unterlagen zitiert: „Am Ende, nach vielen Klagen über Mängel und Verfall, übernahm Bremen selbst die Verwaltung des Hafens.“

Dabei machen die Autoren der Chronik des Haus Seefahrt auch keinen Hehl aus ihrer Einschätzung in Sachen Vegesack (Zitat): „Von allen Deutungen des Namens Vegesack ist jene die einleuchtende, die sich im Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuch findet und heute auch von Heimatforschern kaum in Frage gestellt wird. In dem Wörterbuch heißt es „Fegesack“ – ohne Zweifel ist dem selben dieser Name gegeben eben der Ursache wegen, warum man ein Wirtshaus Fegebuel, vom Beutel fegen, zu nennen pflegt, weil nämlich daselbst den Matrosen und dem Schiffsvolk der Beutel geleert wird, indem sie sich, ehe sie abfahren, daselbst zu guter letzt lustig zu machen pflegen.“ Das mittelniederdeutsche Handwörterbuch sagt dazu: „vege-budel, -sak, was den Beutel leert (Wirtshausname)“.

Den schlichtesten und zugleich überzeugendsten Beweis für die Richtigkeit dieser Namenstheorie liefert der Bremer Ratsherr Heinrich Salomon in seinem Calendarium, geführt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Darin steht geschrieben: „Am 2. May 1571 sind 5 Personen zu Elsfleth vor den Pfeilern, nachdem sie zum Vegesack sich vollgetrunken, im Schlaf umgekommen und ersoffen.“