Vegesack – eine Stadt mit Geschichte

Vegesack ist maritim, wer sonst, wenn nicht Vegesack. Und wenn die Vegesacker von Vegesack reden, dann meinen Sie auch immer die anderen. Die Blumenthaler und die Lesumer, die Lemwerderaner und die in Motzen – das heißt wirklich so …

Vegesack, das ist eine wunderbare Promenade an der Weser mit der maritimen Meile. Und gleich nebenan ist das große Werftgelände, auf dem heute weitgehend Spezialschiffbau stattfindet. Dort war einmal die Bremer Vulkan AG, eine Großwerft mit vielen Tausend Beschäftigten. Das ist seit 1997 vorbei. Pleite. Aber Vegesack ist auch erfolgreich! Wirtschaftlich vor allem in mittelständischen und Familienbetrieben.

Der Graue Esel, wie ihn Alfred Hermsdörfer Sen. vor Jahrzehnten sah.

In Vegesack findet alljährlich ein tolles Musikfestival mit maritimer Musik statt mit zuletzt an die 100.000 Besucher und Vegesack. Und Vegesack ist ein Mittelzentrum mit sehr vielen Einkaufsmöglichkeiten und – wenn man alles zusammenrechnet – mit einer Fußgängerzone von mehreren Kilometern Länge. Und über Vegesack lässt sich nicht nur viel berichten. Man kann sich auch sehr vieles ansehen, allein oder geführt. Weil Vegesack eigentlich schon immer ein wenig ungewöhnlich ist.

Das hat vielleicht bisschen auch mit der Geschichte zu tun. Denn die Vegesacker fahren als Teil der Stadt Bremen nicht etwa in die „Innenstadt“, sie fahren nach „Bremen“! Und wenn man sie fragt, warum, dann berichten sie von Gebietsreformen und dem Königreich Hannover und Preußen und anderem.

Vielleicht ist ein Blick auf den Beginn des 19. Jahrhunderts in Vegesack einer der Belege für das „seperatistische Gedankengut, das einen Teil der mehr als 30.000 Vegesacker für sich erhalten mögen: 1801 sorgte der Vertrag von Luneville für den Frieden zwischen Deutschland und Frankreich. Wie wir heute wissen, nicht dem letzten. Die anschließende Neuordnung des Deutschen Reiches verfügte, dass der Flecken Vegesack von „Kur-Hannover“ an die Freie Reichsstadt Bremen abzugeben war. Die Vegesacker waren begeistert: Schon einmal,  1741 nach dem Stader Vergleich, waren sie bremisch und erinnerten sich an die angenehme Regierung durch den Bremer Senat und an die geringen Steuern!

Da jedoch nicht einfach „Vegesack“, sondern vielmehr „Vegesack mit Zubehör“ verschoben worden war, entspann sich ein längerer Streit darüber, ob nur der Hafen und das Havenhaus oder vielmehr ganz Alt-Vegesack bremisch würde. Endlich, im August 1804, war es soweit: Senator Georg Gröning erreichte in Verhandlungen in London, dass Vegesack komplett, also von der Blumenthaler Grenze bis nach Grohn bremisch wurde.

Am 21. September 1805 sollten die Vegesacker zu Bremer Bürgern ernannt werden. Doch zuvor hatten alle Hausväter für ihre Familien, Hausangestellten und Mitarbeiter in den Unternehmen, sogar für die Seeleute an Bord ihrer Schiffe, den Bürgereid zu leisten. Der Senat war extra komplett und an Bord seiner Yacht nach Vegesack gesegelt, legte am Utkiek an und nahm die Huldigungen der Vegesacker entgegen.

Hier der Text des Bürgereids:

Ich gelobe und schwöre einen Eid zu Gott und auf sein heiliges Wort,
dass ich der Kaiserlichen freien Reichsstadt Bremen und derselben Hochedlen, Hochweisen Rathe
wolle treu, hold und gehorsam sein;
ihr Bestes und ihren Nutzen nach äußerstem Vermögen befördern; ihren Schaden und Nachtheil, so viel an mir ist,
kehren, wenden und warnen; auch in Rath und Tath nicht sein, darin wider wohlgemeldete, deren Hochweisen Rath und Bürgerschaft gehandelt, gerathen oder gethan werden wolle, sollte oder könnte:
sondern in allen Stücken mich dergestallt betragen und halten,
wie es frommen und getreuen Unterthanen eignet und gebühret.
So wahr helfe mir Gott und sein heiliges Wort.

Am 24. Dezember 1810 – nur fünf Jahre später – wurde Vegesack französisch, lag im Canton Vegesack und dem Arrondissement Bremerlehe. 1813 kam der russische General Tettenborn, befreite Bremen und Vegesack wurde wieder bremisch.

… und so weiter. Verstehen Sie, warum die Vegesack nicht in die Innenstadt sondern nach Bremen fahren?