„Bin ich jetzt im Fernsehen?“

Was ist denn bloß am Schulschiff los? Fünf Frauen hüpfen ausgelassen durch die Gegend, springen aufgeregt und fröhlich lachend vor der stolzen neunzigjährigen Dame im Dreieck und sind ausgesprochen albern. Ein bisschen später spazieren sie am Museumshaven herum und tauchen bald danach am Spielplatz auf. Sie klettern aufs Spielschiff, kapern die Rutsche, toben barfuß im Sand und führen sich auf wie Kids bei den ersten Sonnenstrahlen nach tagelangem Regenwetter.

Dann fährt ein pinkfarbener Kleinbus vor. Auf dem steht in großen Lettern Shopping-Queen.

Mensch Leute, das Fernsehen ist in Bremen! In Bremen-Nord, und zwar in Vegesack! VOX ist da mit einem Team von Guido Maria Kretschmer und „Shopping-Queen“! Diese Sendung hat Kultstatus – und nun sind sie an der maritimen Meile, am Schulschiff Deutschland und im Museumshaven.

An den kommenden fünf Tagen für jeweils eine Stunde gibt’s Werbung im Fernsehen für Bremen allgemein und Vegesack im Besonderen. Ob wohl alle modisch angehauchten Shopping-Ladies ihre jeweils 500,- Euro hier auf den Kopp kloppen? Modischer Chic zum Thema „Wasserstandsmeldung“ – also Hosen in sieben-Achtel-Länge – wo gibt’s die hier? In einer Boutique, im Second-Hand-Shop, im Mode-Kaufhaus? Und Kosmetik und Hair-Styling muss auch sein – vielleicht beim Coiffeur auf der Lesumer Hauptstraße?

Schnuppe, Hauptsache ist, dass Vegesack im Fernsehen ist!

Im regelmäßigen Programm der Privaten setzen viele Formate darauf, dass eigentlich „Heimatkunde“ auf unterschiedlichste Art in Szene gesetzt wird. Das pusht Einschaltquoten in die Höhe, denn immerhin kann’s ja sein, dass die neue Shopping-Queen die Nachbarin, die freundliche Kassiererin aus dem Supermarkt an der Ecke, oder die Frisörin aus dem Trend-Salon oder die flotte ältere Dame von gegenüber ist.

Vielleicht kennen Sie die Wochengewinnerin der Guido-Show aber auch aus der Pizzeria in der Straße am Ende vom Stadtpark, weil sie dort den italienischen Klassiker zubereitet. Ach nee, da habe ich mich wohl verfranzt! Da meine ich die Restaurant-Sendung „Mein Lokal – Dein Lokal“! Die senden auch täglich von Montag bis Freitag und dabei handelt es sich um einen Wettstreit zwischen fünf Gastronominnen.

Ob es diesen Vorabend-Unterhaltungs-Klassiker schon mal aus Bremen-Nord gab? Keine Ahnung, aber falls wenn, dann kann ich mir eine solche „Lokal-Reportage“ richtig unterhaltsam vorstellen. Restaurants gibt’s schließlich jede Menge und auf einer Wertungs-Skala von eins bis zehn ist vermutlich alles drin.

Eigene Erfahrungswerte haben mir allerdings gezeigt, dass ich mit keinem Restaurant eine Liaison eingehen würde – also zumindest nicht, wenn es um ein klassisches „Bratkartoffel-Verhältnis“ geht.

Das Essen am eigenen Tisch vom heimischen Herd ist sowieso oft die beste Lösung. So zeigt es uns „Das perfekte Dinner“ jedenfalls an fünf Tagen der Arbeitswoche. Da treten fünf Hobbyköche zum Wettkochen an und auch dabei ist die Regionalität der Teilnehmer dominant. Fünf aus einer Stadt, einer Region messen sich mit ganz persönlicher Kochkunst, der Zubereitung von Vor-, Haupt- und Nachspeise und an der perfekten Bewirtung der anderen vier Mitstreiter.

Auch bei diesem Format kann man gespannt sein, ob man seinen Briefträger, seinen Chef, die Kindergärtnerin von Enkel Max und Moritz oder Oma Elses Altenpflegerin mit Küchenschürze beim Kochen über die Schulter schaut.

Tja meine Damen und Herren Leser: Sie sehen, auch für Sie gibt’s jede Menge Möglichkeiten, mal ins Fernsehen zu kommen. Und wenn’s Ihnen bei den Privaten nicht gefällt, dann durchforsten Sie doch mal Ihre vier Wände nebst Keller und Dachboden und schicken Horst Lichter eine E-Mail mit Fotos von altem Klimbim. Wenn Sie Glück haben, dann gibt’s „Bares für Rares“ von dem Sender, wo man mit dem Zweiten besser sieht!

(Diese Geschichte steht auch bei www.dagmar-kiesel.de)

Foto: Standbild VOX Mediathek – Shopping-Queen