De Watersnood – 65 Jahre Holland-Sturmflut vom Februar 1953

Um Stürme, Fluten, deren Wahrnehmung und den Beitrag des Klimageschehens dazu, darum ging es bei der Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 15. Februar im Nautilushaus.

Noch nie beim KLönabend gewesen? Paul Suhr aus Lesum hat ein Video des vorletzten Abend bei YouTube ins Netz gestellt. Wir haben es hier gerne verlinkt.

Klimawandel, das galt, in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts, noch als eine erdgeschichtliche Konstante, der man kein Phänomen des aktuellen Wettergeschehens umstandslos zuordnen wollte. Die Meteorologie steckte, was ihre Prognosesicherheit anging, noch in ihren Anfängen; die Winde wehten, wie und wohin sie wollten. In den Städten nahm kaum einer davon Notiz; auf dem Land und an den Küsten schauten die Menschen, ihrer langjährigen Erfahrungen eingedenk, nicht in die Zeitungen, sondern kundig in den Himmel hinauf.

Insofern hätten die ersten Februartage des Jahres 1953 eine alles in allem ereignisarme Zeit werden können, hätte sich nicht, vor einem ausgedehnten Tiefdruckgebiet über Skandinavien, in der Nacht zum 30. Januar südlich von Island ein kleineres, zunächst unbeachtetes Randtief gebildet. Es zog in den folgenden Tagen auf einem schwer berechenbaren Kurs über Schottland zur Nordsee, wo, am 31. Januar, gerade Flut herrschte, und entwickelte sich zu einem Orkan. Mit Windstärken zwischen 9 und 11, aus Nordwest kommend, sorgte dieser für ein Ausbleiben des Ebbstroms vor allem vor den niederländischen Küsten.

Das Resultat sollte, als Watersnood, De Ramp (Die Katastrophe) oder Great North Sea flood in die europäische Wettergeschichte eingehen. Bis zu 5,25 m über Normal Null von Amsterdam stiegen in den Niederlanden die Pegel, 1 835 Niederländer, 307 Menschen im südöstlichen Großbritannien und 14 in Belgien starben,  252 Personen ließen ihr Leben auf See.  Die zwischen der Oosterschelde und der Meeresbucht Grevelingen gelegene Insel Schouwen-Duiveland und große Teile der Provinz Zeeland wurden nahezu vollständig zerstört. Noch Monate später wurden bei Aufräumungsarbeiten die Leichen von Vermissten gefunden; die Schließung des letzten Deichs bei Ouwekerk gelang erst im November 1953. Die niederländische Schriftstellerin Margriet de Moor beschreibt das Geschehen dieser Februartage in ihrem erst 2005 erschienenen Roman De verdronkene (Sturmflut, Deutsche Ausgabe 2006).

De Watersnood, die seinerzeit die deutschen Küsten weitgehend verschonte, hatte in den Niederlanden und den Anrainerstaaten ungeahnte Anstrengungen zur Folge. Seitens der niederländischen Regierung wurde der Delta-Plan ausgerufen, der den Neubau hunderter Kilometer von     Deichen, Landgewinnung in großem Umfang und die Abriegelung von Maas und Schelde durch Sperrwerke vorsah. Belgien verfolgte ähnliche Ziele; in Großbritannien entstand der Gedanke der Thames Barrier, einer Flutsperre, die heute die Themse blockiert. Das 1961 eröffnete Geestesperrwerk bewahrte 1962 Bremerhaven vor einer nahezu vollständigen Überflutung.

Foto: wikipedia (gemeinfrei)