Der Bronzehelm vom Grund der Lesum

Er ist einer von nur noch 10 überhaupt existierenden, ist 800 Gramm schwer, ist aus Bronze und sein Träger hatte möglicherweise eher einen Eierkopf. Das Material ist Bronzeblech, verstärkt von einem Draht und die beiden Teile sind mit mehreren Nieten verbunden. Die Rede ist von dem Kammhelm, der vor knapp 80 Jahren bei Baggerarbeiten aus dem Grund der Lesum geholt wurde. So vielfältig wie die Daten des Helms sind auch die Beschreibungen von Professorin Dr. Uta Halle, die nicht nur den Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte an der Uni Bremen innehat. Sie lehrt auch an der Jacobs-Uni in Grohn, ist die Bremer Landesarchäologin und zudem noch Vizepräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Archäologie. Ihr Vortragsthema in der Messe von SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND am Mittwochabend war eben jener Helm, der – wenn jemand seine Geschichte überhaupt kennt – bei den allermeisten Nordbremern als „Römerhelm“ durchgeht. „Ist er aber nicht“, korrigiert Prof. Halle. Er stammt aus der Bronzezeit. Und die war von etwa 2000 bis 700 vor Chr.

Prof. Dr. Uta Halle und Schulschifff-Deutschland-Vereinsvorsitzender Claus Jäger freuten sich über rund 40 Zuhörer beim Vortrag zu archäologischen Funden in der Lesum.

Gefunden wurde der Helm in der Lesum – „in der Nähe der Badeanstalt“, wie historische Quellen berichten. Genauer ist wohl die Ihle-Mündung, kurz oberhalb vom Lesumer Hafen ist der Fundort. Dort war früher auch die Lesumer Badeanstalt. Ganz klar ist allerdings, dass von den insgesamt zehn in Europa gefundenen sogenannten Kammhelmen der Lesumer Fund mit großem Abstand der nördlichste ist. Gefertigt wurde er wohl so um 800 vor Chr. möglicherweise im Ostalpenland. Ob es sich dabei wirklich um den Helm eines Kriegers, um eine Opfergabe oder gar einen Zeremonie-Schmuck handelt, lässt sich nicht feststellen. Selbst die Lesum als Ursprungsort steht für die Archäologin nicht so recht fest. Denn während der Bronzezeit könnte es durchaus auch ein Treibgut aus der Weser gewesen sein, die seinerzeit ein weitläufiges Flussbett mit vielen Verzweigungen füllte und vielleicht auch an Lesum vorbeiführte. Klar ist nur, dass es eben kein Römerhelm ist. Archäologische Funde im Bremer Norden sind durchaus keine Seltenheit. Gleich mehrere Funde aus der Frühzeit schmücken die „Erfolgskarte“ der Bremer Archäologen. Der Chauken-Hügel beispielsweise hat zwar überhaupt nichts mit den Chauken zu tun, wie Professorin Halle betonte, sei aber eines der Nordbremer Glanzstücke. Die Öffnung des Grabes allerdings überlasse man späteren Generationen. Als einen nächsten Vortrag kündige Prof. Halle an, über die Töpferei Vielstich in Lesum zu berichten. Termin ist im Oktober in der Jacobs-Uni.

Der Vortrag über die lokalen Erfolge der Archäologie ist nicht der letzte in der Messe des Großseglers. In der Reihe der Vorträge an Bord von SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND steht bereits am 9. September Prof. Ahmed Karim im Terminkalender. Der Neurobiologe von der Universität Tübingen wird über die „harmonisierende Einwirkung von Wasser auf Gesundheit und Psyche“ und über das „Achtsamkeitstraining am Wasser“ sogar mit praktischen Übungen berichten.

Zum Foto mit den Funden:

Insgesamt wurden zwei Bronzeschwerter, eine Lanzenspitze, ein sogenannter Östlandeimer sowie der Kammhelm 1938 aus der Lesum gebunden. Wahrscheinlich beim Ausbaggern der Ihlemündung in die Lesum, oberhalb des Lesumer Hafens.

Wir haben die Illustration auf der sehr informativen Seite www.bremen-grambke.de/lesum gefunden.