Der Stein des Anstoßes…?

Ob er das wohl ist, von dem man so geheimnisvoll hinter vorgehaltener Hand redet und um den sich Mythen, große Skandale und kleine Eklats ranken? Ein Stein des Anstoßes mitten auf der Vegesacker Promenade!

Er liegt seit ewiger Zeit an der Signalstation auf der Weserpromenade und keiner weiß, warum eigentlich. Niemand hat auch nur den geringsten Ahnimus, wo er herkommt, ob er mal zu den rollenden Steinen gehörte, er eventuell sogar Kunst ist, oder ob er einfach auch weg könnte.

Ist er womöglich ein Relikt aus der Eiszeit, als sich Schlamm- und Gerölllawinen durch die Lande wälzten? Vielleicht ist er aber auch von großer kultureller Bedeutung, so wie das berühmte Stonehenge auf Lisbeth von Englands Insel?

Da liegt er nun auf unserer Promenade und keiner weiß warum! In keinem Geschichtsbuch ist er mit auch nur einem Sterbenswörtchen erwähnt. Selbst die ehrenwertesten Heimatkundler kratzen sich bei der Frage nach seiner Herkunft am Kopf, legen bedenklich die Stirn in Falten, um dann unwissend mit den Schultern zu zucken.

Aber irgendwer muss doch was über ihn wissen! Der kann doch nicht einfach nur rumliegen, im Dunkeln ein Stolperstein sein und ansonsten Pinkel-Anlaufstelle für jeden Vegesacker Köter, der beim Gassi- und im Vorbeigehen an ihn uriniert. Ist es nicht kurios, dass jeder Spaziergänger mit und ohne angeleinten Vierbeiner, Radfahrer, Jogger, Rollstuhlfahrer, Mitglied des Stadtgartenverschönerungs-Vereins ihn kennt und wahrnimmt, aber niemand Näheres von ihm weiß?

Also hätte er sich in Bremen-City – zum Beispiel an der Schlachte oder bei den Stadtmusikanten – ein Plätzchen gesucht, mach ich jede Wette, dass er zu Rang und Namen gekommen wäre. Ein Hinweisschild würde verklickern, wer er ist, woher er kommt, welche Mineralien in ihm stecken und dass er dank einer großzügigen Spende aus der Geldadel-Szene genau an dieser Stelle sein Dasein fristen darf.

Aber nicht so in Vegesack! Da dümpelt er in der Bedeutungslosigkeit herum! Vermutlich ist er ein Fremder, aber trotzdem gut integriert, mittlerweile einer, der dazugehört. Wie der türkische Gemüsehändler, der italienische Pizzabäcker oder der „Rübergemachte“ aus der ehemaligen DDR. Der eine kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Antalya, der andere aus Sizilien und dem Mafia-Milieu und der Ossi lebte einst in Thüringen.

Aber von dieser Klamotte weiß man nix – absolut gar nix!
Und das hier in Vegesack, wo doch eigentlich jeder jeden kennt!