Die Geburt des zivilen Spezialschiffbaus in Vegesack, Bardenfleth und umzu

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auch eine neue Basis für den Seenotrettungseinsatz benötigt. Seefahrt war mit dem Kriegsende nicht vorbei: Alles was an Kuttern und kleineren Schiffen noch vorhanden war, setzten die dafür zuständigen Briten bei der Munitionsfischerei in der Deutschen Bucht ein, Liberty-Frachter, die via Bremerhaven die Alliierten (und viele Deutsche) versorgten. Kapitän John Schumacher und seine Assistentin Ursel Söhnchen bemühten sich zuerst von Cuxhaven aus und später wieder in Bremen, den Seenotrettungsdienst zu reformieren. Die noch vorhandenen Rettungsboote kamen nach und nach zum Einsatz und parallel suchte der umtriebige Tüftler Schumacher nach dem idealen Schiff für den Einsatz bei Seenotfällen. Die Lürssen Werft in Vegesack war sein erster Partner mit dem Bau des jetzt auch im Museumshaven liegenden Versuchskreuzers BREMEN, den Schumacher 1950 noch auf den vorhandenen Rumpf des Motorrettungsbootes BREMEN gebaut hatte. Die Werft übernahm auch den Bau des zweiten „Versuchs“ beim Bau des Seenotkreuzers HERMANN APELT, der im Sommer 1955 in Dienst gestellt wurde.

HERMANN APELT, der zweite Versuchskreuzer, den John Schumacher für die DGzRS konstruierte und 1955 bei Lürssen in Vegesack bauen ließ.

vegesack-maritim.de berichtet in mehreren Folgen von diesen und vielen nachfolgenden Seenotkreuzern, die allesamt in Vegesack und Bardenfleth gebaut wurden.

 Folge 1: Das Typschiff für die „International Lifeboat Conference“

Zum Stapellauf kam der damalige Bundespräsident Prof. Theodor Heuss nach Bardenfleth und vom gegenüberliegenden Blumenthal konnte „man“ (autobiografisch) beobachten, wie der 23-Meter lange Seenotkreuzer Zentimeter für Zentimeter von der Slipanlage der Schweerswerft ins Wasser gerollt wurde. Das war vor 60 Jahren. Das Typschiff der Theodor-Heuss-Klasse der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger – DGzRS – produzierte weltweit Schlagzeilen. Das komplett aus Aluminium in Netzspantenbauweise konstruierte Schiff war das Ergebnis mehrjähriger Versuche und Entwicklungen. Der Rumpf wurde in drei Schiffbauversuchskanälen geschleppt und der Antrieb entsprach dem Zenit von Kraft und Geschwindigkeit einerseits und Wirtschaftlichkeit andererseits.  Gebaut wurden für die DGzRS vier dieser Kreuzer, später noch einmal zwei für die italienische Küstenwache.

Gefeiert werden kann jetzt auch ein zweiter Geburtstag. Denn vor 30 Jahren wurde für die Theodor-Heuss-Klasse ein Seenotkreuzer ins Deutsche Museum nach München transportiert. Weitgehend auf dem Wasserweg. Also: Nach drei Jahrzehnten im erfolgreichen Einsatz folgten bis jetzt drei Jahrzehnte im erfolgreichen Binnen-Einsatz – wenige Meter vom Ufer der Isar entfernt auf dem Außengelände des Museums. Zum Geburtstag ist in München jedoch niemandem zum Feiern zumute. Denn der Seenotkreuzer auf dem Außengelände des weitläufigen Museums steht – trotz umfangreicher Bauarbeiten – inmitten von Bauschutt und sieht derzeit wenig erfreulich aus. Bei genauer Betrachtung fällt aber auch auf, dass der Seenotkreuzer mit dem Namensschild THEODOR HEUSS am Aufbau vor allem den Freunden der Seenotretter aus Bremerhaven bekannt sein müsste. Denn bevor sich der 23-Meter-Kreuzer auf eigenem Kiel über den Rhein bis zum letzten Liegeplatz an der Isar auf den Weg machte, wurde der dritte Kreuzer dieser Klasse, der Bremerhavener Seenotkreuzer H.H. Meier, noch schnell in THEODOR HEUSS umgetauft. Und so steht nun das Typschiff dieser Spezialschiffbau-Revolution hoch und trocken zur Besichtigung im Museum.

Foto Straßentransport: Deutsches Museum/Helmut Kapitza

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