Erlebnisschifffahrt auf der Weser und der Hunte – vorbei an Vegesack

Die drei Brücken über die Hunte zwischen Elsfleth und Oldenburg können für Fahrgastschiffe zu einem echten Problem werden. Vor allem die Eisenbahnbrücken „locken“ mit langen Schließzeiten. Und falls sich „mal“ ein Zug verspätet, bleiben Fahrpläne sehr schnell auf der Strecke. 

Ein Ausflug mit dem Schiff: An Deck sitzen, Wind und Sonne genießen, mit Freunden und Bekannten unterwegs sein, viel schnacken, gut essen und trinken, rechts und links vom Fluss viel sehen und das von einem „Hey Lücht“ unterhaltsam und informativ vorgestellt bekommen. Das sind erlebnisreiche Tage an die wir uns gerne und  lange erinnern. Das funktioniert auch – meistens.

Deshalb ist es grundlegend eine tolle Idee von ADLER, mit 26 Schiffen einem der ganz Großen unter den Fahrgast-Reedereien, mehrfach im Jahr, insgesamt an beinahe 30 Tagen, solche Ausflüge im Dreieck Bremen – Oldenburg – Bremerhaven anzubieten. Wir haben uns für eine Fahrt von Bremen nach Oldenburg entschieden. Die erste Erkenntnis: Der Anleger am Pier 2, gleich neben der Waterfront, ist wirklich ideal. Reisebusse können direkt bis an die Brücke fahren, es gibt reichlich Parkplätze und der Zugang zum Schiff ist auch bei Niedrigwasser problemlos und behindertengerecht möglich. Die PRINCESS ist ebenfalls behindertenfreundlich und die beiden „Kaffeedecks“ mit einem Fahrstuhl verbunden.

Die Stimmung auf dem Schiff  gleicht der einer Ü-70-Party und wer jünger erscheint, wird sofort als Reiseleiter eingestuft. Bis man sich so richtig an Bord orientiert und die Fahrt begonnen hat, sind Stahlhütte und Industriehäfen längst vorbei. Aber gleich kommt Vegesack! Vier MEGA-Yachten haben die Werften uns zum Staunen „vor die Tür gelegt“. Dann der Blick auf SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND, dem Utkiek mit Walkiefer, ebenso die Hafeneinfahrt mit der ungewöhnlichen Brücke. Dann erschließt sich dem Zuschauer die Maritime Meile in voller Pracht mit Promenade und dem blühenden Stadtgarten und ist ein Hingucker für die Gäste, die überwiegend aus Niedersachsen angereist sind.  Dieses Panorama soll eines der Highlights dieser Reise sein. Doch weit gefehlt! Jetzt steht auf dem Dienstplan des Adler-Service-Personals: Büffet. Der warme Teil des Ganzen steigt Orpheus-gleich aus dem Boden des Restaurants und fesselt alle, die eigentlich grad rausgucken „sollen“. Wer macht solche Ablaufpläne, fragen wir uns. Event geht anders. Ganz anders.

Doch von dem, was auf der PRINCESS kulinarisch geboten wird, sind alle begeistert. Denn das kalte und warme Büffet lässt während dieser „Lunchfahrt“ nichts aus. Das einhellige Urteil rundum: „Erste Klasse“, was sich mit unserer Beurteilung absolut deckt. Allein das Essen wäre diesen Schiffsausflug wert.

Kaum ist der erste kulinarische Ansturm vorbei, wird es draußen ruhiger. Das Kraftwerk Farge und der Bunker Valentin erscheinen als einzige optische Abwechslung. Jetzt muss das mit dem Schnacken funktionieren, sonst wird es langweilig. Anders nach dem großen Knick hinein in die Hunte und vorbei an Elsfleth. Der Segellogger BV2 VEGESACK liegt dort gerade zum Bunkern an der Pier, knapp dahinter der Dreimaster GROSSHERZOGIN ELISABETH, dessen weißer Rumpf augenscheinlich gerade viel von seiner Farbe verloren hat.

Was dann folgt begeistert bei schlechtem Wetter nur noch die ganz besonders ausgewiesenen Fans der norddeutschen Tiefebene: Es sind die Reetdächer, die gleich hinter dem Deich auf der Höhe des Wasserstandes der Hunte beginnen und die nur wenige Tage alten Lämmer rechts und links, ihre ersten Blicke in unsere Richtung lenken sowie ringsherum auf das satte und gesunde Grün.

Wünsche und Kritik? Ja, natürlich. Die vielen aus Decken und Wänden heraushängenden Kabel an Bord der PRINCESS vermitteln den Fahrgästen teilweise den Eindruck, dass da Etliches noch nicht so funktioniert, wie es sein sollte und müsste. Zum Beispiel die Moderation, die auch bei besten Inhalten nur durch ein stationäres Mikrofon auf der Brücke eher störend als erhellend rüberkommt und das jeder Beitrag von einem „Gong“ eingeleitet wird, der auch für den Feueralarm einsetzbar wäre. Schließlich wünscht der Fahrgast dem Schiff zwei gut funktionierende Maschinen und der Besatzung ein gutes und fruchtbares Betriebsklima. Und schließlich die Rahmenbedingungen: Bis Elsfleth findet stets, wenn alles funktioniert, eine zügige Fahrt statt. Kaum ist die GROSSHERZOGIN ELISABETH aus dem Blickfeld, kommt die erste von drei Brücken in Sicht: Die Eisenbahndrehbrücke. Kurze Zeit später die neue Klappbrücke in Huntebrück im Zuge der Bundesstraße und nur wenige Hundert Meter vor dem Ziel der Reise am Stau in Oldenburg, der seinem Namen wieder mal alle Ehre macht, die nächste Bahnbrücke! Diese dritte und letzte Brücke, über die gefühlt sämtliche Bahnen in Nordwestdeutschland fahren müssen, bleibt dicht. Da sind 90 Minuten Verspätung schon mal drin und sorgen dafür, dass Oldenburg sich als Destination für Fahrgastschiffe selbst disqualifiziert. Vor allem, wenn Gastronomie und Service an Bord nach dem Fahr- und Dienstplan abläuft und nicht nach den tatsächlichen Fahrzeiten. An Bord der PRINCESS jedenfalls sind wir froh, dass der JadeWeserPort noch nicht so erfolgreich ist, wie vorhergesagt. Dann würden noch mehr Güterzüge unsere Weiterfahrt auf der Hunte behindern.

Ein Fazit? Gerne. Wenn alles fertig ist und funktioniert kann die Adler PRINCESS ein gutes Eventschiff werden. Die Fahrten auf der Unterweser sind trotz manch landschaftlicher Eintönigkeit voller neuer und ungewohnter Blickwinkel und der Aufenthalt auf dem Schiff könnte abwechslungsreich und unterhaltsam sein. Auf der Unterweser findet Erlebnisschifffahrt statt – vorbei an Vegesack – oder aus Vegesacker Sicht – leider an Vegesack vorbei.

Die sechs Stunden von Bremen nach Oldenburg auf dem Wasser waren nicht uninteressant, doch dieser Ausflug hätte gerne in Elsfleth zu Ende gehen dürfen. Die Rückfahrt mit den Zug zum Bremer Hauptbahnhof klappte bestens in 30 Minuten – jedoch ganz ohne Büffet.

 

Zur Informationen:

Die Angebote zu den Reisen ab Bremen, Oldenburg und Bremerhaven auf der Adler PRINCESS können über die Seiten von verschiedenen Busreiseveranstaltern oder über www.adler-schiffe.de gefunden und gebucht werden. Bei Adler kosten die Tagesfahrten 47 Euro, bei den Busreiseunternehmen je nach Entfernung der Anreise bis zu 98 Euro.