Es war einmal – Geschichten und Geschichte aus Vegesack

Christof Steuer, Vorsitzender des Fördervereins Knoops Park und ehemaliger Bauamtsleiter schwelgte in den Erinnerungen an die Entwicklung der Weserpromenade, den Stadtgartens und der Architektur der Häuser an der Weserstraße. Seine Zuhörer erorberten sämtliche vorhandenen Stühle im Buchladen von Otto und Sohn an der Breite Straße.


„Eigentlich waren sie die Stierkämpfer Vegesacks, wenn sie ihren Job machten. Allerdings waren ihre Werkzeuge die Harpunen und damit jagten sie keine Stiere sondern Wale. Diese mutigen Männer verdienten damals mit dem Walfang ihr Geld. Hier an der Weser war früher jede Menge los“, erzählt Ulf Fiedler, der Rönnebecker Heimatkundler, der stramm auf die Neunzig zugeht. Er kennt Bremen-Nord wie seine Westentasche. Er weiß jede Menge Interessantes unterhaltsam und kurzweilig zu berichten. Und weil es ganz viel von Vegesack und Bremen-Nord zu erzählen gibt, was mit dem Leben und Arbeiten an Weser und Lesum zu tun hat, hat er das unter anderem in einem Buch mit genau diesem Titel festgehalten. Den vielen aufmerksam lauschenden Buchhandlungsgästen schildert er anschaulich, was früher im Hafen, auf den Werften und bei den Walfängern zum Alltag gehörte.

Doch nun erst einmal von vorne: Die Buchhandlung Otto und Sohn hat zur Matinee geladen und jede Menge Interessierte kamen, um den drei Referenten zuzuhören. Und das am Tag der Deutschen Einheit, denn an solch einem Tag ist Heimatkunde genau das Richtige. Also runter von der Couch, auf in die Breite Straße und rein in die Buchhandlung Otto und Sohn!

Das Thema der drei Vortragenden rankt sich um Vegesack, seine Bürger, das Wohnen in der Weserstraße und das Wohl und Weh der Werften am Weserufer.

Wer es schafft, die strenge Einlasskontrolle zu meistern und dann noch einen freien Stuhl zu ergattern, musste nur noch die Ohren spitzen, denn bereits kurz nach 11 Uhr und der freundlichen Begrüßung durch den Hausherrn ging es auch schon los.

Ulf Fiedler beendet seine Betrachtungen aus längst vergangenen Zeiten viel zu schnell, machte aber gleichzeitig neugierig auf die Bücher, die er zu ganz unterschiedlichen Themen über den Bremer Norden geschrieben hat.

Nach einer knappen halben Stunde reicht Ulf Fiedler den Staffelstab an Christof Steuer weiter, der ebenfalls ein Profi in Sachen örtlicher Heimatkunde ist. Eigentlich soll sein Thema (nur) die Architektur und das Wohnen in der Weserstraße sein – so heißt es jedenfalls in der Ankündigung. Doch wer Christof Steuer kennt, weiß, dass er ganz viel weiß und somit vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Zur besseren Anschaulichkeit hat er auch ein paar Fotos mitgebracht, die von Hausherr Martin Mader sowohl umgeblättert als auch durch eine individuelle Taschenlampen-Beleuchtungs-Technik ins rechte Licht gesetzt werden. Nach über einer halben Stunde landet der Steuer-Mann am Rednerpult dann in der Weserstraße und entführt seine Zuhörer in eine längst vergangene Welt der Garten- und Wohnkultur der Reichen und Schönen des einstigen Vegesacks.

Der dritte im Bunde der Berichterstatter ist Wolfgang Kiesel. Sein Spezialgebiet sind die Werften und von deren Aufstieg und Untergang erzählt er, sowie Neues und Bekanntes, Unbekanntes und Wissenswertes, manches mit einem lachenden aber meistens mit einem weinenden Auge. Er stellt mit Hermann Friedrich Ullrichs, Hans-Martin Huchzermeier und Hermann Schaedla drei Männern vor, alle keine Vegesacker, die jedoch in ihrer Zeit die Schiffbau-Erfolge der Werften in der Region bestimmten.

Für den einen oder anderen im Publikum ein sehr emotionales Thema, weil dort der Opa, der Vater, der Bruder oder vielleicht er selbst jahrelang geschuftet hat.

Auch dieses Thema lässt am Ende nur ein Fazit zu: es war einmal – Geschichten und Geschichte aus Vegesack!

… übernommen von der Kurzgeschichtenseite von dagmar-kiesel.de