Es wird Zeit: Sonst schwimmt er noch an Vegesack vorbei ……

Er macht Frühlingsgefühle, denn wenn er kommt, ist der Lenz nicht mehr weit! Eiskalt mag er nicht und warm schon gar nicht. So um die acht Grad Celsius sind genau sein Ding. Dann geht der kleinen Schlanke, der sowohl im salzigen Meer als auch in nördlichen Flüssen wie Elbe, Weser und deren Zuflüsse zuhause ist, ins Netz und seine Fans verdrehen vor Verzückung die Augen! Die richtigen Adressen, ihn genießen zu können, werden nicht nur in Vegesack heiß diskutiert.

Klein aber oho ist er, echt zum Reinbeißen, wenn er knusprig, knackig und heiß auf dem Teller liegt und zum Verspeisen an den Geschmacksnerven kitzelt! Er ist kulinarisches Pflichtprogramm und Gaumenschmaus für Liebhaber und ein saisonaler Backfisch ganz besonderer Art!

Die Rede ist vom Stint. Über den steht bei wikipedia dieses: „Der in der Regel 15 bis 18, höchstens 30 Zentimeter lange Körper ist schlank und seitlich wenig abgeflacht. Stinte haben einen leicht durchscheinenden Körper. Rücken und Seiten sind graugrün bis rosa, die Flanken silbrig glänzend. Die Schwanzflosse hat einen dunklen Rand. Der Stint wird bis zu sechs Jahre alt. Eigentümlich ist der intensive, an frische Gurken erinnernde Geruch.“

Vor nicht allzu langer Zeit galt er beispielsweise in Bremen als „Arme-Leute-Fisch“ und am Marktstand wurde die Hausfrau ziemlich scheel beäugt, wenn sie ihn kaufte. Bei den reichen Pfeffersäcken war er nicht Bestandteil der Speisekarte. Die rümpften eher die Nase und wandten sich edleren Flossenviechern aus Neptuns Reich zu. Massenhaft wurde damals der Stint in den Monaten Februar und März gefangen, er war preiswert, gesund und gebraten schmeckte er prima.

In den Zeiten der deutschen Teilung war er rar. Da soll ihm die Wasserqualität der Elbe nicht gefallen haben – sagen die Hamburger. Nach nunmehr über einem Vierteljahrhundert ist aber alles wieder im Lot, stellen Wasserexperten fest. Doch richtig zufrieden waren in den vergangenen Jahren die Stint-Fischer und die Fischrestaurant-Betreiber nicht. Spärliche Ausbeute und schwankende Ankunftszeiten waren der Grund. Nach dem Stint sollte man keinesfalls die Uhr stellen. Er richtet sich einzig und allein nach der Wassertemperatur und deshalb ist ihm die Datumsanzeige am Kalender ziemlich schnuppe.

Der Stint ist eine Delikatesse mit eingeschworener Fangemeinde, die ihn jedes Jahr aufs Neue herbeisehnt und sowohl in urigen Fischbratküchen als auch in noblen Restaurants genussvoll verspeist.

Preiswert gibt’s ihn nicht mehr und in Hülle und Fülle schon gar nicht. Mittlerweile ist er zur Rarität geworden und selbst die besten Restaurants verfügen meist nur über ein begrenztes tägliches Kontingent, heißt es. Der Andrang der Gäste in einschlägigen Gasthäusern ist groß, ohne rechtzeitige Reservierung genüssliches Essen kaum machbar.

Die Zubereitung ist unterschiedlich, meistens kommen die leckeren Kurzen frittiert, gebraten, geräuchert und sauer eingelegt auf den Tisch. Entlang der Nord- und Ostseeküsten und an den Ufern der Flüsse gen Binnenland werden Stinte individuell, traditionell und modern zubereitet. Oft steht Oma Elses, Tante Trudes oder das vom Fischer seiner Frau im Mittelpunkt und diese Rezepte sind meist überliefert und ausgesprochen lecker. Ob man zum Stint Bratkartoffeln und Gurkensalat bestellt, Kartoffelsalat oder eine Scheibe Brot bleibt jedem selbst überlassen. Die echten Stint-Fans essen ihn ohne alles, mit Haut und Haaren und nicht selten bleibt nur die Zitronenscheibe am Tellerrand übrig.

Sogar in Lüneburg – also mitten in der unverkennbaren Heidelandschaft – ist der Stint ein alter Bekannter und hoch geschätzter Besucher. Bereits im Mittelalter fischte man ihn dort aus der Ilmenau und noch heute erinnert der „Stintmarkt“ am Lüneburger Hafen an ihn.

07.01.2018