Lürssen – ein Name für den Weltmarkt

Die Lürssen  verfügen mit ihren Werften über eine ebenso breite Produkt- wie Standortpalette. Sie sind in Wolgast und Rendsburg aktiv, in Hamburg gleich an zwei Werftenstandorten, außerdem seit den 1930er Jahren in Lemwerder. Und „gegenüber“ in Vegesack. Hier sind sie zuhause. Seit 1875, was bedeutet, dass in wenigen Jahren der 150. Geburtstag des Familienunternehmens gefeiert werden kann. Ihre Produkte folgen einer ganz besonderen Tradition. Schnelle Motoryachten gehörten bereits vor mehr als 100 Jahren zu den Spezialitäten, dazu Elektroboote und Marine- und Küstenwachtfahrzeuge.

Bereits 1906 lieferte Friedrich Lürssen schnelle Küstenwachtboote an die Marinen in Deutschland, Belgien und der Türkei und noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden in Vegesack die ersten Elektroboote für den Königssee – eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Siemenskonzern.  Ebenso in den Auftragsbüchern: Motorrettungsboote für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Während der Zeit zwischen den Weltkriegen spezialisiert sich Lürssen auf den Bau schneller Motoryachten. 1927 durchbricht ein Lürssen-Boot auf Weltrekordniveau die „Schallmauer“ von 100 Stundenkilometern.

Seit 1930 war Lürssen in der Schnellboot-Entwicklung für die Marine tätig, fuhr mit einer Eigenentwicklung einen weiteren Weltrekord und lieferte im Zweiten Weltkrieg alle sechs Tage ein Boot an die Marine ab.

Das Projekt JUPITER, der erste Spezialschiffbauauftrag seit sehr langer Zeit, der komplett in Vegesack entstand und ohne Zulieferung von Schiffbausektionen aus Osteuropa auskam.

In den Fünfzigern sind die Spezialitäten bald wieder gefragt – schnelle Motoryachten, Seenot- und Zollkreuzer, Polizei- und Grenzschutzboote und – natürlich – Schnellboote für die Marine. Ein neuer Markt entwickelt sich für die um Schutz verlegenen Nahost-Staaten. Eine perfekte Mischung aus Hightech und traditionellem Bootsbau. Auch mit der Hoffnung auf weitere Exportchancen entstand in Kooperation mit anderen eine neue Minenflotte für die deutsche Marine.

Azzam: Die längste Yacht der Welt

Projekt Azzam der Lürssenwerft Bremen-Vegesack, aufgenommen am 5. April 2013. Die Yacht wurde in Vegesack ausgedockt. Im Hintergrund das ehemaligen Werftgelände des Bremer Vulkan, heute teilweise von Lürssen genutzt.

Seit 2013 gehört das Projekt „Azzam“ zu den herausragenden Produkten der Fr. Lürssen Werft aus der Bremer Vorstadt Vegesack. Gerade diese Yacht unterstreicht den hohen Standard der Werft. 180 Meter lang ist diese derzeit längste Megayacht der Welt, gebaut bei der Lürssen Werft in der Superzeit von rund einem Jahr – hier beim Ausdocken in Vegesack. „Ein tolles Schiff – endlich mal wieder eine richtige Yacht, die diese Bezeichnung verdient“, loben Lürssen-Mitarbeiter das Design von Nauta Yachts, dem weltweit tätigen Yacht-Designer aus Mailand.
„Das nimmt ja gar kein Ende“, bestaunten Beobachter das nicht enden wollende Vorschiff der Yacht mit dem Projektnamen „Azzam“. Unter der Projektberatung von Mubarak Saad al Ahbabi wurde die Yacht gebaut, die Inneneinrichtung stammt von dem  französischen Designer Christophe Leoni, der das Schiff mit einem anspruchsvollen und luxuriösen Interieur aus der Zeit um die Jahrhundertwende im Empire-Stil ausstattete. Der Hauptsalon verfügt über eine Länge von 29 Metern und eine Breite von 18 Metern.
Beachtenswert ist nicht nur die rekordbestimmende Länge der Megayacht. Auch die Technik wird den offiziell unbekannten Eigner begeistern. Die beim Ausdocken knapp zu entdeckenden Antriebe gehören zu zwei Gasturbinen. Zusätzlich stehen zur Revierfahrt zwei Dieselantriebe zur Verfügung – insgesamt 94.000 PS. Dies alles wird für eine Geschwindigkeit von mehr als 30 Knoten (54 km/h) sorgen.
Auch Werfteigner Peter Lürßen lobt das Projekt: „Azzam ist ein weiterer Meilenstein nicht nur in der Geschichte unserer Werft, sondern auch in der Geschichte der Megayachten.“

Gemeinsam mit den Nachbarn stark

Mit seinen Nachbarn Abeking & Rassmussen sowie Fassmer bildet Lürssen wahrscheinlich das wichtigste und größte Spezialschiffbauzentrum der Welt. Ergänzt wurden die Lürssen-Produktionsanlagen 1997 durch die Übernahme eines 170-Meter-Hallendocks auf dem Gelände des früheren Bremer Vulkan, in dem zurzeit ein weiteres Vorschiff der zukünftigen Fregatten der deutschen Marine entsteht.

Geführt wird das unabhängige Familienunternehmen mit in- und ausländischen Beteiligungen von Friedrich Lürssen und seinem Vetter Peter, die dem deutschen Spezialschiffbau eine besondere Prägung gegeben haben.

 

Die Historie: Eine Familie mit Innovation im Blut

Das Foto in der Lürssen-Chronik zeigt einen erfolgreichen Unternehmer – graue, fast weiße Haare, mit gezwirbeltem Schnauzbart. Das Foto wurde aber einige Jahrzehnte nach der Gründung seines Unternehmens aufgenommen. Als Friedrich Lürssen sich am 27. Juni 1875 als 25jähriger Bootsbauer in Aumund am Rande Vegesacks niederließ, war er ein zupackender junger Mann, der von seinem Schwiegervater Egbert Hagen tatkräftig unterstützt wurde. Seine erste  Werkstatt richtete er im Anbau eines Wohnhauses ein.  Das erste Boot war ein 5 Meter langes Dielenschiff.

Exakt 125 Jahre später bildet die Fr. Lürssen-Werft das Rückgrad des Spezialschifffbau-Zentrums, das sich in Lemwerder, Vegesack, Bardenfleth, Motzen und „drumrum“ gebildet hat.  Die Fr. Lürssen Werft hat sich eine breite Pro­dukt­palette erhalten und damit etliche Klippen im Boots- und Schiffbau geschickt  „umschifft“.  Technologisch ganz vorn dabei sein, war sicher stets einer der Grundsätze des Familienunternehmens.  Dies galt schon 1890, als Lürssen das erste „betriebssichere deutsche Passagier-Motorboot“ in Bremen präsentierte – mit einem 1,5 PS-Antrieb von Daimler..

Bereits 1896 wird das 1000ste Boot seit Gründung des Unternehmens abgeliefert, die Belegschaft besteht inzwischen aus 80 Mitarbeitern.  85 Stundenkilometer schnell ist das Lürssen-Motorboot „Donnerwetter“ bereits 1906 und kaum zwei Jahre später liefert die Werft erstmals Küstenwachboote an die Marinen in Deutschland, Belgien und der Türkei.  Zur gleichen Zeit begründet Lürssen eine erste Dependance am Vegesacker Hafen.  1912 liefert die Werft die ersten Elektro-Boote „Lürssen-Siemens“ an den Königssee und andere Gebirgsseen, zur gleichen Zeit wird auch die DGzRS Kunde in Vegesack und bestellt ein Seenotmotorrettungsboot.

1916 stirbt Friedrich Lürssen 65jährig, die Führung des Unternehmens hatte er bereits an Otto Lürssen abgegeben. Das Unternehmen beschäftigt 350 Mitarbeiter.  Nach einem Brand in Aumund folgt der Umzug an den Vegesac­ker Hafen. Schnellboote  und andere hochspezialisierte Marinefahrzeuge bestimmten in Kriegszeiten die Auftragsbücher. Aber auch immer zivile Highlights, schnelle Motor- und Segel­yachten sowie Rennboote, von denen 1924 eines mit 106,3 Stundenkilometer ein absoluter Rekordträger war.

Beim Blick auf die Familie darf Frieda Lürssen nicht unerwähnt bleiben, die von 1932 bis 1943 das Unternehmen führte, bevor Gert und später Fritz Otto Lürssen die Verantwortung übernahmen, die heute bei Friedrich und seinem Vetter Peter Lürssen liegt.

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