In der MTV Klönrunde: Vom Untergang der PAMIER

Aus der Traum – Vor 60 Jahren endete mit dem Untergang des Schulschiffs Pamir die Windjammerzeit. Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 21. September 2017 im Nautilushaus am Museumshaven in Bremen-Vegesack

Die Luken: Nicht im erforderlichen Umfang geschlossen. Die Segel: Zu spät geborgen, soweit sich das überhaupt noch einrichten ließ. Die Ladung: Unzulänglich gestaut und daher in Bewegung geraten. Der Sturm: Hurrikan Carrie hatte bereits drei Mal unvorhersehbar seine Richtung geändert und erfasste, von Westen kommend, mitten im Nordatlantik das Schiff. Dessen Ziel: Hamburg. Das Ende: Position 35,57 N, 040,20 W. Der Notruf, von dort ausgesandt, sollte nichts mehr bewirken.

Der Untergang des Segelschulschiffs Pamir am 21. September 1957, auf den Tag genau vor 60 Jahren, zählt zu den Havarien, die unvergessen bleiben, weil sie, von den Umständen des Verlusts einmal abgesehen, einen Epochenwechsel markieren. Einer von drei noch Fracht fahrenden Windjammern weltweit, dazu der letzte seiner Art, der, im Jahr 1949, als Segelschiff ohne Maschine das gefürchtete Kap Hoorn passiert hatte. Ein Flying-P-Liner außerdem, von daher vornehmster Art.

80 von 86 Besatzungsmitgliedern verloren an diesem 21. September 1957 ihr Leben. Viele davon jugendliche Kadetten; 45 von ihnen hatten ihr achtzehntes Lebensjahr noch nicht erreicht. Der Kapitän, Johannes Diebitsch, galt als erfahren im Umgang mit Großseglern. Er war 1914 schon einmal, als Jungmann, auf der Pamir gefahren und hatte, von 1928 bis 1931, als zunächst zweiter und danach erster Offizier auf der seinerzeit in Oldenburg beheimateten Schulschiff Deutschland gedient.

Mit dem Untergang der Pamir endete die Zeit der kommerziell betriebenen Segelschifffahrt. Gegen die aufkommenden Dampfschiffe hatten sich die Windjammer noch über Jahrzehnte behaupten können, weil sie wendiger waren, keine Bunkerstationen ansteuern mussten und daher, obwohl ihnen der Weg durch den Suezkanal versperrt blieb, in der Nord-Süd-Fahrt alle ihre Vorteile ausspielen konnten. Die Pamir im Jahr 1957 allerdings fuhr Fracht nur noch im Rang eines Ausbildungsschiffs.

Der Untergang der Pamir steht für eine Zäsur. Er leitete nicht nur das Ende der Windjammerzeit ein. Er erschütterte auch den Optimismus und das gerade wieder gewonnene Selbstvertrauen der Deutschen in ihren Wirtschaftswunderjahren. Seefahrt, das war eben doch mehr als das Gassenhauer-Kostüm, in dem Hans Albers oder Freddy Quinn steckten, wenn sie aufs Meer hinausschauten. Seefahrt war vor allem ein Handwerk, das gewisser Vorkehrungen bedurfte. Andernfalls war man verloren.

Wie es zum Untergang der Pamir kam, welche Wege das Schiff bis zu seinem Untergang zurückgelegt hatte, welche Klasse es hatte, wofür die Menschen standen, die es bewegten und auch, welche Rolle, in der Seeamtsverhandlung, ausgerechnet eine Flaschenpost spielte, darum geht es bei der Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 21. September 2017. Beginn um 19 h im Nautilushaus, Zum alten Speicher 7 in 28759 Bremen. Präsentation und Moderation: Gerald Sammet.

Wir danken Gerald Sammet für diesen Beitrag.