Traditionsschifffahrt in schwierigem Fahrwasser

Enak Ferlemann, Bundestagsabgeordneter aus Cuxhaven und zugleich auch parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, gibt sich eindeutig: „Wir wollen die Traditionsschifffahrt erhalten. Da auf Traditionsschiffen häufig Fahrgäste, Schulklassen und Jugendliche befördert werden, ist es unerlässlich, mehr Sicherheit für Besatzung und Passagiere zu schaffen.“ Ferlemanns Problem: Kaum jemand glaubt ihm seine gute Absicht. Oder deutlicher: Die Akteure der Traditionsschiff-Szene halten das Ministerium für nicht kompetent genug, die Traditionsschiffe überall in den Häfen an Nord- und Ostsee wirklich zu erhalten. Wie kann das passieren?

„Da hatte jemand keine Ahnung von Traditionsschiffen und findet es völlig normal, dass man in ein 100 Jahre alten Rumpf zusätzliche Schotten einbaut“, ist in den allermeisten Häfen zu hören. Der Interessenverband der Traditionsschiffer drückt es ein wenig höflicher, aber ebenso deutlich aus: „Die aktuelle Fassung der Sicherheitsvorschriften bedeutet das Aus für viele Traditionsschiffe“,“Das Ministerium muss endlich mit den Betreibern in den Dialog treten, um die Vorschriften an die Realität anzupassen. Das Ministerium behauptet zwar, dass seit vier Jahren Verhandlungen mit uns geführt worden sind – dort wurde aber nur der Aspekt der Definition von Traditionsschiffen betrachtet. Die Verschärfung der Vorschriften für Bau, Ausstattung und Besatzung war nie Gesprächsinhalt und kommt für alle Betreiber überraschend. Seit der Bekanntgabe des neuen Verordnungsentwurfs wurden alle unsere Gesprächsangebote abgewiesen bzw. gar nicht beantwortet,“ erklärt Nikolaus Kern, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsame Kommission für Historische Wasserfahrzeuge (GSHW).

Die deutschen Traditionsschiffe dienen der maritimen Kulturpflege, erklärt der Verband, dem auch die Vegesacker Traditionsschiffer angehören.“Wir haben keine zahlenden Gäste an Bord, sondern die Mitsegler bilden die Crew und sind im Wachschema in den Bordalltag komplett eingebunden“, so Kern und weiter: „Die Bundesregierung hat das Ziel, den Wassersport zu unterstützen und senkt dort seit Jahren die Anforderungen. Es für uns unverständlich, warum sie die Traditionsschifffahrt trockenlegen will.“

Die Stiftung Hamburg Maritim und der Museumshafen Oevelgönne haben an den Verhandlungen mit dem Bundesverkehrsministerium teilgenommen. Diese beiden Institutionen sind mit dem Resultat der Anhörung Ende Mai in Berlin, an dem auch Vertreter aus Vegesack teilgenommen haben, zufrieden. So hob Joachim Kaiser, Vorstand der Stiftung Hamburg Maritim, hervor, wie wichtig es für den Fortbestand der Flotte historischer Schiffe in Deutschland ist, dass das BMVI mit der Umsetzung der neuen Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe eine Erleichterung gegenüber der europäischen Fahrgastschiffrichtlinie erreicht. Die Erfüllung der europäischen Richtlinie wäre für die Mehrzahl der Betreiber von Traditionsschiffen nicht erreichbar. Die vorliegende Sicherheitsrichtlinie erlaubt deshalb vielen Schiffen, den Ausnahmetatbestand der Fahrgastschiffrichtlinie zu erfüllen. Björn Nicolaisen, Geschäftsführer des Museumshafen Oevelgönne e.V., begrüßt das Gespräch auch deshalb, weil strittige Details des neuen Entwurfs nun endlich einer sachlichen Klärung unterzogen wurden. So wurden missverständliche Passagen, aus denen von einigen Betreibern angebliche Forderungen abgeleitet wurden, vom BMVI und den geduldig und sachlich erklärt. Einig sind sich Joachim Kaiser und Björn Nicolaisen im Lob für die gute Gesprächsführung durch das BMVI, Herrn Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann. Wiederholt wurde deutlich, wie sehr das Ministerium bemüht ist, den Fortbestand der deutschen Traditionsschifffahrt aktiv zu unterstützen. Die Stiftung Hamburg Maritim und der Museumshafen Oevelgönne e.V. sind gebeten worden, neben der GSHW an den weiteren Beratungen zu Erlassen bezüglich der Interpretation der Richtlinie an ministeriellen Arbeitsgruppen teilzunehmen.

Anfang Juli hat sich auch der Bremer Wirtschaftssenator Günthner zu diesem Thema zu Wort gemeldet:

„Die Traditionsschifffahrt muss erhalten und unterstützt werden.“ Deshalb haben sich die norddeutschen Länder gegenüber dem Bundesverkehrsministerium dafür stark gemacht, sich mit den Vertretern der Traditionsschiffbetreiber an einen Tisch zu setzen und über machbare Lösungen zu beraten. Zwar haben im Frühjahr Gespräche stattgefunden. Aber erst jetzt hat das Bundesverkehrsministerium bekanntgegeben, dass gemeinsam mit den Traditionsschiffern und Verbänden über mögliche Zusatzregelungen beraten wird, um die Zukunft der Traditionsschifffahrt bei einem hohen Maß an Sicherheit für Besatzung und Passagiere langfristig zu sichern. „Endlich hat das Bundesverkehrsministerium eingelenkt. Das ist der richtige Weg. Ich freue mich, dass das gemeinsame Engagement der Traditionsschifffahrt und der norddeutschen Bundesländer und ganz vieler weiterer Unterstützer Erfolg hat. Nun kann eine konstruktive Lösung für den Erhalt und die Zukunft der Traditionsschifffahrt erarbeitet werden“, sagt Günthner.

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Der Verband GSHW

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