Lifestyle – alte Gräten im neuen Gewand?

Nehmen wir mal den Fisch oder andere Wasserbewohner. Da gibt’s altmodische Exemplare und Vertreter, die total in sind, oftmals sogar Lifestyle – also neu entdeckt oder wiederbelebt.

Kaum eine Kochsendung im Fernsehen findet ohne Jakobsmuscheln statt. Gebraten, aufgespießt, in Soße oder auf Salat – die runden Dinger sind der Burner überhaupt. Ein Teelöffelchen allerfeinster Butter in der Pfanne schmelzen, das kleine Rosmarin-Sträußen, frisch gepflückt und aus eigenem Garten natürlich, hinzugeben und noch eine Spur vom frischen Knoblauchgrün aus dem Bioladen. Danach die Jakobsmuscheln aus der Fisch-Gourmet-Tempel Ihres Vertrauens, von jeder Seite sanft anbraten. Etwas Meersalz und frisch gemahlenen Pfeffer noch dazu, dann auf einem Bett von Graupen-Safran-Risotto anrichten und mit Forellenkaviar und Petersilie dekorieren.

Ein ebenfalls beliebter Küchengast ist der Thunfisch, aber nur der Alleredelste und bitte nur in Sushi-Qualität. Kommen Sie bloß nicht mit Ihren Thunfisch aus Glas oder Dose! Womöglich noch ne Dose mit einem Ratzfatz-Schnellöffnungsring – das geht ja nun überhaupt nicht! Thunfisch-Ceviche – Rezepte gibt’s von Mälzer, Lafer und vielen anderen Kochtopf-Virtuosen im Netz und es lohnt sich, das eine oder andere mal auszuprobieren.

Lachs können Sie auch auf tausend und eine Art märchenhaft zubereiten. Orientalisch und asiatisch ist voll angesagt und in der Tat locken viele exotische Zubereitungsarten. Lachs in Curry-Soße, Lachs mit Safran-Reis und Limettensalat, gebratenes Lachssteak auf Rucola an Couscous sind nur ein paar Appetithäppchen. Trauen Sie sich einfach mal was und lassen Sie die altbekannte Gräte in neuem Glanz erscheinen!

Total lecker und ein erstklassiger Gaumenschmaus soll der Steinbutt in Honig-Sesamkruste auf Graupen-Kokos-Risotto sein, schwärmt der Hobbykoch, der im TV-Studio probekocht.

Wer hat heute noch Lust auf Schlichtes und Klassiker wie Brathering, Rote-Bete-Heringssalat, Labskaus, panierten Rotbarsch, Kochfisch oder Fischauflauf in Dillsoße? Zumindest sollte ein Fischklassiker einen klangvollen Namen haben oder am besten mit neumodischem Schnickschnack aufwarten – zuhause und auswärts.

Aus manch einer urigen und aus der Zeit gefallenen Fisch-Brat-Küche wird was Zeitgemäßes, wenn die „alten“ Chefs und Chefinnen das Zeitliche segnen und an die Joungster den Kochlöffel übergeben. Kleinere Portionen, höhere Preise bestimmen oft das neue Konzept. Bereits vor der Rushhour wird vorgebacken, was das Zeug hält, damit es eben rasch geht, wenn mittags der Run auf den Fischladen beginnt. Keiner muss lange am Tisch auf Bestelltes warten und auch der Verkauf übern Tresen funktioniert zügig. Der Fisch schmeckt gut – aber nicht wie früher! Vorbacken und warmhalten macht ihn innen etwas trocken. Außen bleibt er knusprig. Knusprig und saftig wär optimal – optimal wie früher – als noch die Alten Pütt, Pann und Fisch im Griff hatten.

So ist das mit dem Modernen, dem Lifestyle und allem Neuen eben. Auf vieles wollen wir nicht verzichten. Deshalb genießen wir ab und zu gerne einen Ausflug in unsere Backfisch-Vergangenheit und auch zum Backfisch aus der Frittüre.

Foto: Blauflossen-Thunfisch, gefunden bei Wikipedia: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86038

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