Vegesack: Der älteste Hafen

Von den Häusern der Fünfziger und Sechsziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist nur noch der Thielespeicher (im Foto links oben) vorhanden – heute Heimat für den Kutter- und Museumshaven-Verein sowie einen Fecht-Club.


Das Überraschende: Bremen war „knapp bei Kasse“! Allerdings schon damals, so um 1619, als die Weser zwischen Vegesack und der erfolgreichen Hansestadt immer weiter versandete und ein Hafen an der Auemündung in der Vorstadt entstehen sollte. Der Senat hatte schon seinen Silberschatz geplündert, es reichte jedoch nicht. Das Haus Seefahrt, das älteste Sozialwerk der Welt, dass noch heute alljährlich das Schaffermahl veranstaltet, übernahm einen Teil der Finanzierung. Als Gegenleistung engagierten sie sich für Jahrzehnte auch gleich bei der Verwaltung des Hafens und kassierten damit nicht nur Zinsen … Es muss doch einen Grund geben, warum in Bremen die „Pfeffersäcke“, so nannte man die oft im Gewürzhandel vermögend gewordenen Reeder und Kaufleute, wirtschaftlich deutlich besser dastanden (und stehen) als der Bremer Senat …

So richtig verdient am Vegesacker Hafen haben damals wohl die holländischen Wasserbauer, die – zum ersten Mal in Deutschland – quasi einen Hafen neu anlegen sollten. Deshalb wird der Vegesacker Hafen auch als der älteste künstliche Seehafen Deutschlands bezeichnet. Zuvor hatte man wohl stets nur Anlegestellen an Flüssen und an der Küste zum Be- und Entladen von Schiffen befestigt. Und man benötigte den Hafen in Vegesack nicht nur für den Umschlag sondern auch für Instandsetzungsarbeiten und die Überwinterung der Schiffe.

Der Vegesacker Hafen mit dem Havenhaus – 1670. Ausschnitt aus einem Gemälde, gefunden bei Wikipedia (Vegesacker Hafen)

Aber im Frühjahr 1619 sollte es endlich soweit sein. Und dies, obwohl seit mehreren Monaten in Deutschland Krieg geführt wurde. In die Geschichtsbücher ging er als der Dreißigjährige ein. Doch Wirtschaft und Außenhandel prosperierten.  Und schon drei Jahre später wurde der Hafen, allerdings ohne größeres Aufsehen, eröffnet. 150 Meter lang und 75 Meter breit war das erste Becken, das man später noch deutlich landeinwärts verlängerte.

Der erste Hafenmeister hieß Hinrich Lürßen und sein Chef war der Droste von Blumenthal. Und es dauerte nicht lange, bis Cord Cöper als „Schiffbauer in Vegesack“ genannt wurde. Sein Betrieb lag wohl dort, wo heute das Lürssen-Bürogebäude steht, also zwischen dem Vegesacker Hafen und der Aue-Mündung. Hafen und Wirtschaft entwickelten sich und auch die Schiffe wurden den schwierigen Wasser- und damit Tiefgangsverhältnissen auf der Weser angepasst.

Es waren auch Holländer, die bereits im frühen 17. Jahrhundert seegehende Segelschiffe entwickelten, die nach heutiger Rechnung rund 200 Tonnen tragen konnten. Sie nannten sie „Vliete“ oder „Fleute“ die beispielsweise allerlei Kolonialwaren aus Amsterdam nach Bremen brachten und später dann wegen des fehlenden Wasserstandes auf der Weser geleichtert oder in Vegesack ausgeladen werden mussten. Nach dem Hafenbau ließen sich die „Fleuten“ vergrößern, wurden 3-Mast-Segler und durch eine grundlegende Veränderung des Längen-Breiten-Verhältnisses  konnten sie ein Mehrfaches als Ladung übernehmen.

Wahrscheinlich waren es die deutlich gestiegenen Unterhaltskosten des Hafens, die den Senat gegen Ende des Jahrhunderts veranlassten, den Hafen nicht mehr in eigener Regie zu verwalten sondern ihn zu verpachten. Heinrich Pundt war 1671 der erste Pächter des Hafens. Weil er von den Liegegeldern offenbar nicht leben und seine Familie ernähren konnte, räumte ihm der Senat zugleich mit der Hafenpacht eine Schankgenehmigung ein. Außerdem durfte Pundt im Hafen fischen sowie das Gras mähen. Doch auch dieses Modell funktionierte nicht. Haus Seefahrt – die noch immer auf ihr Geld hofften – und der Bremer Senat bemühten sich immer wieder, durch neue Vertragsformen, durch Subventionen oder Pächterwechsel, durch öffentliche Ausschreibungen und anderes, den Vegesacker Hafen kostendeckend instand zu halten. So richtig funktioniert hat dies allerdings niemals.

Ein stetiges Auf- und Ab begleitete die Entwicklung des Vegesacker Hafens, der Mitte des 18. Jahrhunderts noch einmal deutlich vergrößert wurde.

Fortsetzung folgt.

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