Vegesack: Der älteste Hafen

Von den Häusern der Fünfziger und Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist nur noch der Thielespeicher (im Foto links oben) vorhanden – heute Heimat für den Kutter- und Museumshaven-Verein sowie einem Fecht-Club.


Das Überraschende: Bremen war „knapp bei Kasse“! Allerdings schon damals, so um 1618, als die Weser zwischen Vegesack und der erfolgreichen Hansestadt immer weiter versandete und ein Hafen an der Auemündung in der Vorstadt entstehen sollte. Der Senat hatte schon seinen Silberschatz geplündert, es reichte jedoch nicht. Das Haus Seefahrt, das älteste Sozialwerk der Welt, dass noch heute alljährlich das Schaffermahl veranstaltet, übernahm einen Teil der Finanzierung. Als Gegenleistung engagierten sie sich für Jahrzehnte auch gleich bei der Verwaltung des Hafens und kassierten damit nicht nur Zinsen … Es muss doch einen Grund geben, warum in Bremen die „Pfeffersäcke“, so nannte man die oft im Gewürzhandel vermögend gewordenen Reeder und Kaufleute, wirtschaftlich deutlich besser dastanden (und stehen) als der Bremer Senat …

So richtig verdient am Vegesacker Hafen haben damals wohl die holländischen Wasserbauer, die – zum ersten Mal in Deutschland – quasi einen Hafen neu anlegen sollten. Deshalb wird der Vegesacker Hafen auch als der älteste künstliche Seehafen Deutschlands bezeichnet. Zuvor hatte man wohl stets nur Anlegestellen an Flüssen und an der Küste zum Be- und Entladen von Schiffen befestigt. Und man benötigte den Hafen in Vegesack nicht nur für den Umschlag sondern auch für Instandsetzungsarbeiten und die Überwinterung der Schiffe.

Der Vegesacker Hafen mit dem Havenhaus – 1670. Ausschnitt aus einem Gemälde, gefunden bei Wikipedia (Vegesacker Hafen)

Am 14. Juli 1618 erfolgte der offizielle Startschuss zu den Bauarbeiten für den Vegesacker Hafen. An diesem Tag beauftragte der Bremer Senat in Abstimmung mit dem Haus Seefahrt, das die Finanzierung der Kosten in Höhe von 11.600 Speziestalern übernommen hatte, die beiden holländischen Wasserbau-Sachverständigen Wilken Unkes van Vermessen sowie Dirik Jansen van Leerdamm sowie dem Bremer Wallmeister Jacob Claußen mit dem Bau des Hafens an der Auemündung. Dem Vernehmen nach gibt es Aktive rund um den Museumshaven, die dieses Datum (400 Jahre Vegesacker Hafen am Sonnabend, 14. Juli 2018) zum Anlass für eine zünftige Museumshavenparty machen wollen.

Aber im Frühjahr 1619 sollte es endlich soweit sein und dies, obwohl seit mehreren Monaten in Deutschland Krieg geführt wurde. In die Geschichtsbücher ging er als der Dreißigjährige ein. Doch Wirtschaft und Außenhandel prosperierten. Es ist schon beinahe ein Treppenwitz der Geschichte, dass die erfahrenen Wasserbauer aus Holland sehr schnell feststellten, dass der Ausbau des Hafens in der Auemündung sich als unmöglich erwies. Die Aue führte viel zu viel Sand mit und sorgte damit für eine schnelle Versandung des Hafens, die nur schwer und kostenintensiv zu beseitigen sei. Deshalb begann 1618 eigentlich nicht der Bau des Hafens sondern vielmehr die Verlegung der Aue, die danach am Hafen vorbei direkt in die Lesum mündete (Das Problem belastet den Vegesacker Museumshaven derzeit enorm, leider aber fehlen die klugen holländischen Wasserbauer …)

Dennoch wurde etwa drei Jahre später der Hafen, allerdings ohne größeres Aufsehen, eröffnet. Erste Liegeplätze wurden wohl 1620 schon genutzt, weitere kamen 1622/23 hinzu. 150 Meter lang und 75 Meter breit war das erste Becken, das man später noch deutlich landeinwärts verlängerte.

Der erste Hafenmeister hieß Hinrich Lürßen und sein Chef war der Droste von Blumenthal. Und es dauerte nicht lange, bis Cord Cöper als „Schiffbauer in Vegesack“ genannt wurde. Sein Betrieb lag wohl dort, wo heute das Lürssen-Bürogebäude steht, also zwischen dem Vegesacker Hafen und der Aue-Mündung. Hafen und Wirtschaft entwickelten sich und auch die Schiffe wurden den schwierigen Wasser- und damit Tiefgangsverhältnissen auf der Weser angepasst.

Es waren auch Holländer, die bereits im frühen 17. Jahrhundert seegehende Segelschiffe entwickelten, die nach heutiger Rechnung rund 200 Tonnen tragen konnten. Sie nannten sie „Vliete“ oder „Fleute“ die beispielsweise allerlei Kolonialwaren aus Amsterdam nach Bremen brachten und später dann wegen des fehlenden Wasserstandes auf der Weser geleichtert oder in Vegesack ausgeladen werden mussten. Nach dem Hafenbau ließen sich die „Fleuten“ vergrößern, wurden 3-Mast-Segler und durch eine grundlegende Veränderung des Längen-Breiten-Verhältnisses  konnten sie ein Mehrfaches als Ladung übernehmen.

Wahrscheinlich waren es die deutlich gestiegenen Unterhaltskosten des Hafens, die den Senat gegen Ende des Jahrhunderts veranlassten, den Hafen nicht mehr in eigener Regie zu verwalten sondern ihn zu verpachten. Heinrich Pundt war 1671 der erste Pächter des Hafens. Weil er von den Liegegeldern offenbar nicht leben und seine Familie ernähren konnte, räumte ihm der Senat zugleich mit der Hafenpacht eine Schankgenehmigung ein. Außerdem durfte Pundt im Hafen fischen sowie das Gras mähen. Doch auch dieses Modell funktionierte nicht. Haus Seefahrt – die noch immer auf ihr Geld hofften – und der Bremer Senat bemühten sich immer wieder, durch neue Vertragsformen, durch Subventionen oder Pächterwechsel, durch öffentliche Ausschreibungen und anderes, den Vegesacker Hafen kostendeckend instandzuhalten. So richtig funktioniert hat dies allerdings niemals.

Ein stetiges Auf und Ab begleitete die Entwicklung des Vegesacker Hafens, der Mitte des 18. Jahrhunderts noch einmal deutlich vergrößert wurde.

Fortsetzung folgt.

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