Mit Anna Lange auf Tuchfühlung

Das Vegesacker Geschichtenhaus ist fürs Publikum geöffnet

„Ja, mein Johann das war schon ein Guter! – Der hat sogar eine Betriebskrankenkasse eingerichtet, damit es seinen Mitarbeitern gut geht.“ Anna Lange, 1844 nach Meinung der Bremer Pfeffersäcke in Verhandlungen der „einzige Mann in Vegesack“, hat ihre Unternehmen auch 12 Monate nach dem Tod ihres Johann „im Griff“. Wie, das lässt sich jetzt hautnah erleben. Denn Anna Lange steht im Mittelpunkt der Theaterszenen im alten Packhaus, dem früheren Spicarium.

Nicht nur Schiffbau fand in Vegesack statt. Auch der Trankessel wurde gleich neben dem Hafen angefeuert.

Der Rundgang mit den Darstellern der Szenen eröffnet das Vegesack im 19. Jahrhundert. Im Büro des Amtmanns, auf der Werft von Lange mit Seilerei und Trankocherei sowie beim Hafenmeister, der für die Ordnung und Sicherheit im Hafen verantwortlich zeichnet. Er berichtet von den vielen Schiffen, die Woche für Woche in Vegesack einlaufen und Waren aller Art bringen: Pelze aus Russland oder Wein aus Frankreich. Rund um die Spielorte „am Hafen und auf der Werft“ sorgen weitere Vegesacker für ein authentisches Bild: Rosi, die mit der Hafenkneipe, die auch den Zuschauern einen Kaffee ausschenkt oder die junge Frau, die schon länger als anderthalb Jahre auf ihren Mann wartet, der als Harpunier auf dem Vegesacker Walfänger FLORA  längst zurückkommen sollte. Oder die Besatzung im Proviantlager, die einen tiefen Einblick in die Ernährung an Bord der Vegesacker Schiffe zur Mitte des 19. Jahrhunderts erlaubt.

Die Darsteller sind sogenannte Injobber und erhalten zusätzlich zu ihrer Unterstützung als Arbeitslose eine kleine Prämie. Veranstalter ist die Initiative bras, die auch das Geschichtenhaus im Bremer Schnoor betreibt.

Wie die bras mitteilt, sind derzeit mehr als ein Dutzend Mitarbeiter aus unterschiedlich geförderten Arbeitsverhältnissen im Alten Packhaus beschäftigt. Als Schauspieler, beim Verkauf der Eintrittskarten und in der Buchführung, aber auch im Veranstaltungsservice und der Gastronomie. Die orignalgetreuen Kostüme sind in einer eigenen Nähwerkstatt entstanden. Verstärkt wird die Truppe von einigen Ehrenamtlichen und den Mitarbeitern der bras.

Geöffnet ist das Vegesacker Geschichtenhaus freitags und samstags von 11 bis 17 Uhr und für angemeldete Gruppen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag (info@vegesacker-geschichtenhaus.de). Eintritt für jeden über 16 Jahre: 4,80 Euro.

Fotoausstellung im Vegesacker Geschichtenhaus.

Die Galerie im ersten Stockwerk des Alten Packhauses zeigt wechselnde Ausstellungen. Ab dem 25. März Fotoinstallationen von Boris Eldagsen, der in seinen Arbeiten die Mechanismen des Unterbewussten erforscht.

Unser Kommentar zum Geschichtenhaus mit seiner erlebbaren Heimatkunde: Eine wirkliche Bereicherung für Vegesack, eine tolle Leistung der Laienschauspieler und ein wunderbarer Blick in die maritime Geschichte Vegesacks und der Vegesacker!
wok

Das Vegesacker Geschichtenhaus im Netz