Nordsee ist Mordsee – Sturmfluten, ihre Entstehung, ihre Folgen, ihre Abwehr

Eigentlich eine ganz einfache Sache: Seeleute zieht es über den Großen Teich, offenbar nicht mehr als eine Pfütze, obwohl es sich doch – wenn von „der Pfütze“ die Rede ist – um den Atlantischen Ozean handelt. Ein ganz schön großer Teich, aber wie, wenn nicht nach dem Prinzip Augen zu und durch, soll man den überqueren. Eine gute Ausgangslage für die kommende Klönrunde des MTV Nautilus, mit Gerald Sammet als Gastgeber, am Donnerstag, 19. April, 19 Uhr, im Nautilushaus am Museumshaven.

Zum Thema: Bei der Nordsee handelt es sich um kaum mehr als ein Nebenmeer des Atlantik. Genau genommen um eine Bucht, allerdings in prekärer Lage, mit Zugängen von Westen  über den schmalen, wie ein Flaschenhals wirkenden Ärmelkanal und von Norden über windumtoste, strömungstechnisch schwer zu bewältigende Passagen wie die zwischen Schottland, den Orkneys, Shetlands und Faröer Inseln. Ganze Schiffsfriedhöfe liegen vor diesen Küsten. Die Poesie von Namen wie Bishop Rock oder Lizard Point kündet auch von den Schrecken der dort eingetretenen Havarien.

Die Nordsee, tatsächlich nur eine Pfütze am Rand des Großen Teichs, steht aber auch für namenlosen Schrecken an ihren Rändern. So auch in diesen Wochen vor 55 Jahren mit einer Katastrophe, die in den Niederlanden als Watersnood und De Ramp (Die Katastrophe) und in Großbritannien als Great North Sea Flood in Erinnerung blieb. In der Nacht zum 30. Januar 1953 hatte sich südlich von Island ein kleineres, zunächst unbeachtetes Randtief gebildet. Es zog in den folgenden Tagen auf einem schwer berechenbaren Kurs über Schottland zur Nordsee und entwickelte sich zu einem Orkan. Mit Windstärken zwischen 9 und 11, aus Nordwest kommend, sorgte dieser für ein Ausbleiben des Ebbstroms vor allem vor den niederländischen Küsten.

Bis zu 5,25 m über Normal Null von Amsterdam stiegen in den Niederlanden die Pegel, 1.835 Niederländer, 307 Menschen im südöstlichen Großbritannien und 14 in Belgien starben, 252 Personen ließen ihr Leben auf See. Noch Monate später wurden bei Aufräumungsarbeiten die Leichen von Vermissten gefunden; die Schließung des letzten Deichs bei Ouwekerk gelang erst im November 1953.

De Watersnood, die seinerzeit die deutschen Küsten weitgehend verschonte, hatte in den Niederlanden und den Anrainerstaaten ungeahnte Anstrengungen zur Folge. Seitens der niederländischen Regierung wurde der Delta-Plan ausgerufen, der den Neubau hunderter Kilometer von           Deichen, Landgewinnung in großem Umfang und die Abriegelung von Maas und Schelde durch Sperrwerke vorsah. Belgien verfolgte ähnliche Ziele; in Großbritannien entstand der Gedanke der Thames Barrier, einer Flutsperre, die heute die Themse blockiert. Das 1961 eröffnete Geestesperrwerk bewahrte 1962 Bremerhaven vor einer nahezu vollständigen Überflutung.