„Traditionsschifffahrt muss in Deutschland möglich sein!“

Ist es nur ein Hinauszögern oder gar ein Erfolg auf der ganzen Linie? Der politische Wirrwarr in der Bundesregierung reicht derzeit bis an die Küste. Die umstrittenen Sicherheitsvorschriften für Traditionsschiffe, die Gäste an Bord transportieren wollen, treten nun doch nicht am Jahresbeginn in Kraft. Sie sollen zumindest bis zum 1. April „ergebnisoffen“ überarbeitet werden. Das ist das Ergebnis eines Gespräches zwischen dem amtierenden und geschäftsführenden Bundesverkehrsminister, dem Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und den Vertretern der GSHW, dem Dachverband der deutschen Traditionsschiffe.

„Der Minister und auch wir streben eine Verordnung an, mit der es den Betreibern auch in Zukunft möglich sein soll, Traditionsschifffahrt unter deutscher Flagge zu betreiben“, so Jan-Matthias Westermann von der GSHW. Man sei sich mit dem Minister Christian Schmidt einig, dass es auch zukünftig Traditionsschifffahrt in Deutschland geben muss. Schon am 28. November und am 15. Dezember sollen weitere Gespräche des Ministers mit der GSHW folgen. Das Inkrafttreten der umstrittenen Verordnung zum 1. Januar ist damit erst einmal offiziell vom Tisch. Als neuer Termin ist vorerst der 1. April angepeilt.

Dem Eindruck aus den politischen Äußerungen, es gebe ohne die Vorschriften weniger Sicherheit an Bord der Oldtimer, treten nicht nur die offiziellen Vertreter der GSHW entgegen. Auch die Vorstände der Vereine und Vereinigungen entlang der Küste treibt vor allem Empörung über die teilweise absurden Bemühungen um, Maßstäbe aus der professionellen Personenschifffahrt auf die Traditionsschiffe anzuwenden. Auch die Tatsache, dass die allermeisten ehrenamtlich tätigen Besatzungen nicht zu gering qualifiziert, sondern eher überqualifiziert sind, werde von den Autoren der neuen Regeln übersehen. Denn pensionierte Kapitäne und Schiffsoffiziere, Ingenieure, Bootsbauer und andere Handwerker haben eben keine Lust, die Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften auf sich und ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten anwenden zu lassen – und das oft am Ende ihres Berufslebens. „Nö, dann hör ich damit auf!“ – ist derzeit ein oft gehörter Satz in den Häfen.

Als erster politisch Verantwortlicher hat sich zu der neuen Entwicklung der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) geäußert. „Ich freue mich sehr, dass der Druck der Verbände und der Landesregierung in Berlin Gesprächs- und Änderungsbereitschaft ausgelöst hat.“

Zum Foto:

Ein aktueller Ausschnitt auf einen kleinen Teil der Liegeplätze im Hamburger Museumshafen Oevelgönne. Er gilt als Vorreiter der Traditionsschifffahrts-Szene im Norden.