Ihre Profession: Spezialsschiffbau

Den schönsten Blick auf Vegesack hat man manchmal, wenn man ihm den Rücken zukehrt und auf das gegenüberliegende niedersächsische Lemwerder schaut. An den Piers der Werften dort präsentieren sich nicht selten die maritimen Erlkönige. Mega-Yachten, deren Wert wie man munkelt, manchmal dreistellige Millionenbeträge ausmacht, oder Korvetten für die deutsche Marine oder, einige hundert Meter weiter, Seenotkreuzer für die Seenotretter oder Spezialfahrzeuge für allerlei Bundesbehörden.

Kein Kanuwandersport sondern die noch immer längste Privatyacht der Welt mit beinahe 200 Metern hat sich ein Scheich in Vegesack bauen lassen.

Ein Blick auf diesen ganz besonderen Markt zeigt, dass sich kaum irgendwo auf der Welt eine derartige Konzentration von Unternehmen zum Bau dieser hochentwickelten Spezialschiffe findet. MEGA-Yachten, paramilitärische Fahrzeuge, wie Küstenwachboote und die Dienstflotten von allerlei Ministerien, Behörden und wissenschaftlichen Institutionen können die Werften in der Region ganz offenbar besonders gut. Regelmäßiger Auftraggeber seit den 1950er Jahren ist auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Bei der Werft der Familie Lürßen wurde 1950 der Versuchskreuzer BREMEN (liegt im Vegesacker Museumshaven) als erstes Rettungsboot nach dem Krieg entwickelt. Bei der Schweers-Werft entstand ab 1956 die 23-Meter-Klasse der modernsten Seenotkreuzer mit dem Typschiff THEODOR HEUSS. Der Seenotkeuzer ADOLPH BERMPOHL wiederum entstand bei der Werft Abeking & Fassmussen der Familie Schädla als Typschiff der 26-Meter-Klasse. Eine besondere Innovation, weil hier erstmals Schiffbaustahl für den Rumpf und Aluminium für den Aufbau eingesetzt wurden.  Als jüngstes Schiff  der DGzRS-Flotte lieferte die Werft der Familie Faßmer den Seenotkreuzer BERLIN für die Seenotrettungsstation Laboe ab. Auch hier fanden wiederum jede Menge technische und elektronische Innovation statt.

Vegesack, Lemwerder, Motzen „und umzu“ werden dazu nicht nur von den Werften als Spezialschiffbauzentrum repräsentiert sondern auch von etlichen Zulieferbetrieben, die durch ihre Arbeit ganz wesentlich die Schiffbau-Kompetenz dieser Region bestimmen. Und nicht nur dieser Region, wie das Designunternehmen Beiderbeck-Design zeigt, dessen Entwürfe vor allem exportiert und auf internationalen Werften zum Einsatz kommen.