Vereinsmeierei

Eijentlich wollte ick mit meenem besten Freund Martin nen jemütlichen Abend verbringen, aber der musste zur Versammlung von seinem maritimen Verein. „Willste mitkommen?“ hat er jefragt und ohne lange zu überlejen hab ick zujesagt. Schließlich gucke ick immer von meenem Balkon inne Grohner Düne uff den Hafen und die Schiffe und von schmucken ollen Seglern bin ick sowieso een Fan.

Wer zuerst kommt, malt zuerst, sagt man und so war’s bei der Platzauswahl und ooch bei den Brötchen. Mettbrötchen – nennt man in Berlin übrigens Hackepeterschrippe – waren leider schon alle, da stand nur noch das leere Tablett und das Schild Mettbrötchen verlassen rum und ick hab nach nem guten Platz Ausschau jehalten.

Ziemliche Männerdomäne, aber ooch etliche taffe Ladies, stellte ick fest und dann ging der offizielle Teil mit Begrüßung und Rederei ooch schon los.

Wie bei all solchen Vereinsveranstaltungen wird erstma gelobhudelt, denn kommen die Aktivisten zu Wort und och der Kassenwart, der – wie immer und in jedem Verein – beklagt, dass hier und da Knete fehlt.

Im Speziellen ham die een paar schöne alte Segler, die nich nur mit Luft und Liebe übers Wasser flutschen. An denen muss ooch dett eene oder andere jemacht werden und das kostet. Is wie im richtijen Leben und wie mit der Pflejeversicherung! Bloß Schiffe ham nun mal keene Pflejeversicherung und deswejen brauchen sie finanzielle Hilfe von Pfeffersäcken oder zumindest von Menschen, die den eenen oder anderen Euro gerne abjeben.

Det eene Schiff heißt so ähnlich wie Windbeutel oder so und dett andere wurde anno Tobak hier jebaut und in den Sommermonaten immer uff jroße Fahrt mit Chartergästen. Beede müssen kräftich uffjekrückt werden, sacht der Finanzboss und Knete muss her.

Warum machen die nich mal Crowdfunding frage ick mich. Diese moderne Art von Jeldbeschaffung is doch heutzutage üblich – hört man jedenfalls immer wieder! Da jibt eben jeder so viel, wie er entbehren kann und gerne ooch ohne lukrative Rendite. Gleichzeitig plant er aber ooch ein, dass er dett Geld in den Sand gesetzt hat. Ick für meenen Teil hab ooch nicht viel uff de hohe Kante – aber een paar Mücken würde ick denen sogar überweisen. Schließlich will ick och demnächst vom Balkon uff een paar sehenswerte olle Segler kieken.

Na ja, aber dett sind hier allet so kluge Leute inne Versammlungs-Location, dett wissen die bestimmt alleene, dass es solche Möglichkeiten jibt. Denen muss man so was bestimmt nich erst verklickern! Aber ick sage mal: wenn dett meen Verein und meene Schiffe wär’n, denn würde ick uff die Art und Weise den Klingelbeutel kreisen lassen!

Paar nette Leute hab ick übrijens ooch an dem Abend jetroffen, die ham sich jewundert, warum ick da war – schließlich bin ick keen Mitlied in dem Verein! Die wussten scheinbar gar nich, dass ooch Gäste erwünscht waren.

Mit Martin habe ick hinterher noch een Bierchen jetrunken und er hat mich jefracht, ob ick Lust habe, mich für die schönen ollen Schiffe zu engagieren.

Okay, kann ick mir ja mal überlejen! Obwohl, Vereinsmeierei is nu ja nich mein Ding… aber vielleicht jeht’s ja ooch janz ohne – eben nur als Dauergast! Ick kann mich ja mal schlau machen – so janz unverbindlich!

dak