Von Vegesack ins Schwarze Meer – MTV Klönrunde im November

Im Zentrum der Werra-Schifffahrt und inzwischen mit guten Beziehungen nach Vegesack versehen: Das hessische Wanfried an der Grenz ezu Thüringen


Wasserwege über Land: erdacht, geplant, verworfen. Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 16. November 2017 im Nautilushaus am Museumshaven in Vegesack
Kaum einer dürfte noch wissen, worum es sich bei Färberwaid handelte. Ein Kreuzblütengewächs, aus Westasien eingeführt und als Deutsche Indigo in Thüringen heimisch geworden, als Basis für die sich dort entwickelnde Farbenherstellung. Der freilich fehlten leistungsfähige Transportwege. Die Werra, ins Flusssystem der Weser eingebunden, taugte nicht für die Schifffahrt. Der Main, über den Rhein mit der Nordsee verbunden, lag zu weit entfernt.
Nicht allein deswegen lag es nahe, an einen Ausbau beider Flüsse zu denken und sie über einen Kanal miteinander zu verbinden. Ausgangspunkt auf der einen, nördlichen Seite war das mit Stapelrechten versehene, zur Weser offene Hannoversch-Münden. In südlicher Richtung, zum Main hin, wurde seit dem 17. Jahrhundert über eine brauchbare Trasse spekuliert. Besonders reizvoll schien dabei der seit den Zeiten Karls des Großen gehegte Gedanke an einen Wasserweg zwischen Donau und Main.
Zur Werra-Schifffahrt, weiß man heute, ist es tatsächlich gekommen. Aktivisten des MTV Nautilus haben einiges dazu beigetragen, dieses Kapitel der Bremer und speziell der Vegesacker Seefahrtsgeschichte wieder ins Gedächtnis zu rufen. Eine regelrechte Freundschaft ist darüber entstanden. Beim Festival Maritim im August 2017 präsentierte eine Delegation aus dem hessischen Wanfried, dem Endhafen der Schifffahrtsroute, ihre Verbundenheit mit der gemeinsamen maritimen Geschichte.
Darüber, dass es sehr viel weiter reichende Vorhaben gab, mit dem Ziel, Werra oder Fulda über einen Kanal mit dem Main zu verbinden, ist dagegen bislang kaum etwas bekannt. Angedacht wurde ein solches Projekt erstmals im Jahr 1658, und verfolgt wurden die Planungen bis ins Jahr 1961. 1846 war der erste Main-Donau-Kanal fertiggestellt wurden, ein Bauwerk, das weitere Anreize lieferte für ein Wasserstraßennetz, das in der Tat eine landseitige Schiffsverbindung von der Weser ins Schwarze Meer möglich gemacht hätte. Formell ausgesetzt wurde das Anliegen nach einer Auskunft der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte in Hannover bis heute nicht.
An den Ingenieuren hat es am wenigsten gelegen, dass die weit verzweigten Projekte für einen solchen Wasserweg nie zur Baureife gelangten. Wie sie aussahen, welche Trassenführungen angedacht waren, welchen Beweggründen man folgte und warum für Seereisen ab Vegesack in Schwarze Meer am Ende doch die Straße von Gibraltar, der Bosporus und die Dardanellen und nicht Kulmbach, Lichtenfels oder Bamberg in Oberfranken die Wegmarken setzen.

Präsentation und Moderation der Veranstaltung, die bereits am 16.11. stattgefunden hat: Gerald Sammet.