Eene janze Meile maritimet Gedöns

Tachchen, ick bin Rita aus Berlin….

Wann ham Sie Ihren letzten Spazierjang an der Weser jemacht? Also ick meine an der Promenade entlang. So vom Schulschiff Deutschland bis zur Gläsernen Werft. Ick liebe diese maritime Meile, wie die Einheimischen den Weg da nennen. Icke bejinne meenen Rundjang meistens an der Gläsernen Werft, also am hinteren Ende von Vegesack, wie ick zu sagen pflege, denn bei mir zuhause – an der Grohner Düne – is vorne.

An der Gläsernen Werft is man meistens alleene, da tummeln sich bloß een paar Angler, die die Stinte aus der Weser stippen. Und wissen Se, watt mir da noch so richtig toll jefällt? Dett is der rote Aussichtsturm! Wenn ick den sehe, denn kriege ick immer so richtig heimatliche Berlin-Jefühle. Berlin war zu DDR-Zeiten umzingelt von solch hässlichen Türmen, allerdings waren die in freundlichem Grau jehalten und nich rot anjepinselt. Da saßen die Vopos druff und beobachteten allet, watt sich bewegte. Warum hier an der Gläsernen Werft so een Teil rumsteht, is mir völlig schleierhaft! Wenn Sie meene Meinung wissen wollen: Een zweeter Dampfer wie die Regina wär besser jewesen!

Aber dafür is die Weitsicht klasse! Wenn ick am Wasser stehe, in Richtung Lemwerder mit den Werften uff der anderen Weserseite kieke und die Masten vom Schulschiff vor der Neese habe, dann fühl ick mich pudelwohl. Mit Kurs uff die Signalstation latsche ick immer gradeaus. Manchmal mach ick ooch nen Umweg durch den Stadtjarten, der echt toll angepflanzt is. Je nach Saison blüht und grünt es dort überall. Aber am liebsten loofe ick am Wasser entlang und kieke uff die Weser.

Noch vor een paar Jahren konnte man hier den eenen oder anderen großen Pott vorbeischippern sehen. Is in den letzten Jahren wenijer jeworden. Soll an Wilhelmshaven und dem neuen Tiefwasserhaven liejen – sagen Insider. Schade, ick hab die Ozeanriesen jerne anjekiekt! Und wie schön laut die immer jetutet haben, wenn sie vorne an der Strandlust in die Kurve jefahren sind! Na ja, ooch in Vegesack is nüscht mehr so wie früher…

Wenn ick so gen Signalstation schlendere, frage ick mich immer, warum da eijentlich nüscht is, um mal een Päuschen einzulejen. Na klar, uff ne Banke kannste dich setzen, aber dett is ooch schon allet. Im Sommer nen Eis schlecken, ne Appelschorle trinken, im Winter nen Glühwein oder eenen Tee und wer will, kriegt noch nen Matjesbrötchen, ne Currywurscht oder nen Müsliriegel für den kleenen Hunger zu koofen. Wär doch juut – oder? Warum jibt’s  da keene Bude, die sowat anbietet? Die Frage stell ick mir schon seit Jahren. Und sein Se doch mal ehrlich: So watt looft immer – wär garantiert sojar ne Joldgrube!

Im Sommer kannste im Jarten von der Strandlust janz nett sitzen, oder uff der Terrasse und watt schnabulieren. Übrijens war der Kuchen da früher mal ne Ecke leckerer, heute ist dett da nich mehr so dolle. Aber watt is schon noch so, wie vor een paar Jahren, frage ick Sie? Da kann man hinkieken, wo man will!

An der Fähre könnte ick stundenlang stehen und kieken, wer da so ankommt und rüber fährt, mit und ohne Auto oder einfach bloß per pedes. Dett is übrijens ooch een schöner Ort, um die grauen Zellen im Oberstübchen anzurejen. Meistens übe ick Kopprechnen und zähl im Geiste dett Fahrjeld zusammen, watt die uff der Fähre so kassieren.

Und unser kleener Hafen! Is der nich total schön mit seinen kleenen und jroßen Schiffen, der Zugbrücke und dem janzen Ringsherum? Bloß dett hässliche Haven Höövt stört mächtig zwischen all dem Schönen. Bin mal jespannt, watt daraus wird – denn Dunkeltuten is schon längst anjesacht!

Traurig is ja ooch, dass dett Spicarium dicht jemacht hat. Da konnte man sich maritime Tradition und die Geschichte unserer Region mal richtich erklären lassen. War een Schatzkästchen besonderer Jüte, een Kleinod, watt aber viel zu wenich besucht wurde.

Und denn statte ick meinem jroßen Liebling imma nen Besuch ab: Schulschiff Deutschland!

Also in den Dreimaster habe ick mich damals gleich valiebt und wenn ick mal schlechte Laune habe und ick mit meinem Schöpfer maulich bin, dann jehe ick uff meenen Balkon und kieke zu der stolzen alten Dame rüber und ratzfatz is allet wieder jut – na sagen wir mal: fast allet. Wie jerne hätte ick meinen Fuffzigsten da druff jefeiert. Ick hätte mir nette Leute einjeladen, een paar von hier und een paar von Berlin und die Luzie wär aber so watt von abjejangen, dett kann ick Ihnen flüstern! Aber vielleicht mach ick dett beim nächsten runden Jeburtstach – bis dahin sind’s ja noch een paar Jährchen!

Und bis dahin bleibt‘s eben beim Spazierjang an der Weser – nämlich von eenem Ende der maritimen Meile zum anderen.

Mehr von Rita

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.