Alles Werder, Weser, Kaffee, Kohl, Vegesack oder was?

Diese Hansestadt ist schon ein ganz besonderes Pflaster und das nicht erst seit gestern. In Bremen an der Weser ist irgendwie alles immer ganz anders, als anderswo. Warum das so ist? Keine Ahnung – ist nun mal so!

Bremen ist gleichzeitig Stadtstaat und Miniaturausgabe eines Bundeslandes, außerdem aber auch ein „Doppelte Lottchen“, bestehend aus Bremen und Bremerhaven. Und mittenmang jede Menge Niedersachsen. Rein regierungsmäßig betrachtet ist jedes dieser Städte ein „Selbstversorger“, denn Bremen hat seinen Senat und die Bremerhavener ihren Magistrat. Also frei nach dem Motto: Paragraph eins, jeder macht seins!

Warum sind wohl die Stadtmusikanten seinerzeit ausgerechnet in der Hansestadt gelandet? Na ja, so genau weiß man das nicht. Haben uns da die Grimmschen Brüder vielleicht ein Märchen aufgetischt, uns zum Narren gehalten? Auch das wissen wir nicht. Aber mittlerweile hat es sich rumgesprochen, dass der Esel Wünsche erfüllt. Man muss mit beiden Händen seine Hufe umfassen, sie ganz fest drücken und dann soll es auch mit der Erfüllung klappen. Wer allerdings nur mit einer Hand einen Huf zaghaft anfasst, wird von Insidern ausgelacht. Jeder Einheimische weiß dann nämlich sofort, dass lediglich ein Esel dem anderen die Hand schüttelt! Ist doch märchenhaft – oder?

„Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ Nee, weder das HB-Männchen aus der Werbung, noch der „normale“ Fluggast ist damit gemeint. Im Weserstädtchen spielt die Raumfahrt eine keineswegs unwichtige Rolle, denn hier wird experimentiert und nicht zu knapp. Weltweit kennt man Ariane, Galileo und Schwerelosigkeit sowieso. Alles zusammen sind wichtige Elemente, die das A und O für Astronauten, Sonden und Weltraumtechnik stehen. Also theoretisch absolut kein Problem, jemanden von Bremen aus auf den Mond zu schießen!

Doch so weit will ja nicht jeder, manchem reicht ein Bremer „Asphalt-Flitzer“ völlig aus und tolle Autos kann man hier auch. Die mit dem Stern allemal und ob der alte Nobelschlitten Isabella von Borgward wieder zu den Bremer Newcomern gehören wird, muss noch mit den Chinesen endgültig besprochen und geklärt werden.

Mit den Nahrungs- und Genussmitteln wie z. B. Kaffee und Bier hat sich so manch einer, mit Weserwasser Getaufter, bereits eine goldene Nase verdient. Wetten, dass jeder dabei gleich an Eduscho-Kaffee und Becks-Bier denkt?

Apropos Wette: In Bremen gibt’s auch die Eis-Wette! Entstammt der feinen Gesellschaft von achtzehnhundertknips. Da war’s den Geldsäcken in ihren feinen Herren-Clubs bei Rotwein und Zigarren ein bisschen langweilig und sie wetteten, ob am ersten Januar die Weser zugefroren oder eisfrei ist. Wetteinsatz war Grünkohl satt für alle! Diese Tradition hat sich bis heute erhalten und dabei wird nach wie vor für den guten Zweck gesammelt.

Grünkohl mit Pinkel war in der Hansestadt und umzu übrigens schon Superfood, als noch kein Mensch überhaupt Superfood kannte. Und Pinkel hat absolut nichts mit Urin zu tun, es ist lediglich die Bezeichnung für eine geräucherte, grobkörnige Grützwurst, die man in nördlichen Gefilden so nennt.

Die Geldsammelei hatten sich die Hansestädter schon sehr früh in die Annalen geschrieben und die Schaffermahlzeit gehört ebenso zu den karitativen Eigenschaften der feinen Bremer Gesellschaft. Bereits 1545 sammelten die reichen Kaufleute Geld für die bremische Schifffahrt mit allem Drum und Dran, denn ohne die christliche Seefahrt mit Schiff, Mann und Maus wären die Kaufmannsleute schließlich nicht reich geworden. Sozusagen eine Win-win-Gemeinschaft, die bis heute Bestand hat. Regelmäßig im Februar trifft „Man(n)“ sich im altehrwürdigen Bremer Rathaus zum genussvollen Essen und hat an der Garderobe nicht nur Mantel, sondern auch dezent seine großzügige Spende abgegeben.

Wer mit so viel Kulinarik zugange ist, der muss sich auch mal bewegen und da bietet sich er Rasensport geradezu an. Drum wurde kurz vor 1900 Werder Bremen gegründet. Damals gab’s zwar noch keine Bundesliga, aber geknödelt wurde schon überall – so auch in der Hansestadt. Bei Werder Bremen ist rein fußballerisch – also von Niedergang bis Aufstieg, von Abstieg bis Neuanfang – so ziemlich alles drin und ganze Generationen von Kickern werden nicht müde, dieses Auf und Ab unter Beweis zu stellen.

Und wie komme ich jetzt auf Bremen Nord und Vegesack? Das ist ein schöner, kleiner „Vorort“ im Bremer Norden, mit viel Weser, schicken Schiffchen, Gastronomie am Wasser, einen Museums-Hafen – rundum ein tolles Fleckchen zum Entdecken und Relaxen. Da gibt’s zum Beispiel einen Walkiefer zum Anfassen, einen mysteriösen Stein mitten auf der Promenade, dessen Herkunft völlig ungeklärt ist, eine hundertjährige alte Dame mit drei riesigen Masten namens Schulschiff Deutschland und noch so etliches.

Und dort soll auch mal mal der Vegesacker Junge gelebt haben. Sein Name war ursprünglich Vegegeist und er soll der Sohn vom Klabautermann gewesen sein. Die beiden – also Senior und Junior – haben viel selbst erlebt und andere Leute haben ihnen allerhand von fremden Ländern, Menschen, Kapitänen, Wind, Wetter und maritimem Spökenkram erzählt. Jedenfalls hat‘s der Vegesacker Junge so oder auch auf anderem Weg zur Symbolfigur des Weser-Städtchens Vegesack geschafft. Aber was von ihm wahr, Geschichte, Märchen oder einfach nur Seemannsgarn ist, weiß wohl keiner so genau – oder?

Aber das ist wiederum eine ganz andere Geschichte…..

15.01.2019