Das große Kuddel-Muddel um den Museumshaven – Erbsensuppenfahrt mit 10 Schiffen abgesagt. WFB in der Kritik

Dicht umringt hätte der große Topf mit Erbsensuppe in diesem Jahr nicht sein dürfen. Aber nun fällt die komplette Fahrt in den Hafen von Brake aus. 10 Schiffe aus dem Vegesacker Museumshaven wollten daran teilnehmen.


Traditionelle Erbsensuppenfahrt abgesagt. Schiffe bleiben im Hafen „eingesperrt“.

„Ich finde das alles unerhört!“ Rolf Noll hat sich seit dem Vorabend hörbar beruhigt. Über das, was er am Abend zuvor mit einem externen Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung Bremen erlebte, und zwar gemeinsam mit zwei Dutzend Skippern aus dem Museumshavenverein. Der WFB-Mitarbeiter ist der technische Beauftragte für den Vegesacker Hafen und derzeit vor allem für den Betrieb der Hafenbrücke zuständig.

Begonnen hatte alles am Mittwochabend. Pünktlicher konnte der Anruf nicht kommen: Punkt 19 Uhr wollte Rolf Noll die Schifferratssitzung im Vegesacker Thielespeicher starten. Da klingelte sein Telefon und der technische Beauftragte der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) teilte ihm mit, dass die WFB nicht beabsichtigt, auch nur noch einen einzigen Cent in den Vegesacker Hafen zu investieren. Außerdem sei die Brücke über dem Museumshaven vorerst geschlossen!  Den traditionellen Saisonabschluss des Vereins mit der Ausfahrt etlicher Schiffe, die noch hinter der Brücke auf die Öffnung warten, solle man getrost vergessen.

Trotz der Einsfuffzig-Abstand-Regelung (wegen Corona) konnten die Skipper die Kernsätze des 10-Minuten-Gespräches hören! Was dann folgte, war ungläubiges Schweigen, Staunen und – nachdem der Vorsitzende die Kernsätze des Gespräches in der großen Runde wiederholt hatte – echte Empörung.

Am Donnerstagmorgen glühten Telefondrähte: Ortsamtsleiter, WFB-Geschäftsführung, Senatsbeauftragter für Bremen-Nord und natürlich die Skipper, die ihre Familien und Freunde zum Ausflug nach Brake – mit Klönschnack und Erbsensuppe – eingeladen hatten, wollten sich über den Stand der Dinge informieren. Bis mittags hatte sich die Empörung längst nicht gelegt – ganz im Gegenteil! Der versprochene Anruf des WFB-Geschäftsführers* blieb aus, während ein ganz anderer Absagegrund sich breitmachte: Corona!

Nach der Risikobewertung für Bremen am Mittwochabend und den Beschlüssen der niedersächsischen Landesregierung am Donnerstag, stand die Frage nach den Risiken eines Gemeinschaftsausfluges plötzlich im Mittelpunkt. Trotz „draußen“ und „an Deck“ und natürlich den gebotenen Abständen war nachmittags klar: Wir sagen ab! Rolf Noll informierte alle und wartet noch immer auf den Anruf des Geschäftsführers der Wirtschaftsförderung. „Wir sind schließlich Immobilienfachleute und keine Hafenkapitäne“ stellte ein WFB-Angestellter inzwischen die Qualität der Antwort in Aussicht. Natürlich – man kann es sich denken – nur hinter vorgehaltener Hand ….

…Wie es weiter geht? Vegesack-maritim.de liegt ein langer Antworten-Katalog zum Zustand der Brücke und den Aussichten für die „eingesperrten“ Schiffe vor. Klar ist wohl allein, dass eine TÜV-Prüfung etliche Mängel ergeben hat. Unter anderem seien zwei Schweißnähte nicht korrekt, weshalb umfangreich nachgearbeitet werden muss. Wann die Schiffe wieder raus und auch die Winterlieger auf die – terminlich festvereinbarten – Werften dürfen, scheint noch nicht klar zu sein.

Übrigens: Ebenfalls aus der WFB, allerdings von den Touristikern, kam schon mal das Angebot, den neuen Vegesack-Wegweisern auch Hinweisschilder auf die Schiffe am Hafenrand folgen zu lassen.

Geht doch! Vielleicht sollte man mal innerhalb der WFB miteinander reden …

 

Korrektur:

In einer ersten Version hieß es, dass Rolf Noll auf den versprochenen Anruf eines WFB-Abteilungsleiters vergeblich wartete. Richtig ist, dass der in Aussicht gestellt Anruf vom WFB-Geschäftsführer kommen sollte. Ich entschuldige mich für den Übermittlungsfehler.

Wolfgang Kiesel