Die Vulkan-Werft: Was ist geblieben?

Vegesacks früherer Kulturbeauftragter Egbert Heiß ist derzeit nicht der einzige, der sich des Themas „Bremer Vulkan“ in Kopf und Herz der Nordbremer annimmt und ein Museum im ehemaligen Hauptbüro der Werft an der unteren Weserstraße anregt.

„Das Geräusch meiner Kindheit? Na klar, der Nietenhammer!“ – erinnert sich auch der Autor dieses Manuskriptes. Außerdem an das mit Besuchern gefüllte Werftgelände, wenn Schiffe von einem der Helgen ins Wasser rauschten. Das war seinerzeit Ausflugsziel für Tausende und gehört zu den bleibenden Erinnerungen für alle, die in Blumenthal, Vegesack, Lesum oder „an gunt Siet“ lebten.

All das kann ich aber meinen Kindern kaum noch erklären, obwohl sie aus einer Familie mit mehreren Generationen von Werftarbeitern stammen.

„Die Pleite des Bremer Vulkan? Da war doch dieser Apotheker …?“ Die öffentliche Erinnerung an den Bremer Vulkan reduziert sich heute weitgehend auf das, was nach dem Willen der Bremer Staatsanwaltschaft einmal das größte Wirtschaftsstrafverfahren in der Nachkriegsgeschichte werden sollte. Die Verfahren sind inzwischen alle abgeschlossen, die Urteile höchstrichterlich bestätigt, so richtig verurteilt wurde keiner. Die Millionen, die für die drei Untersuchungsausschüsse in Schwerin, Bonn und Bremen ausgegeben wurden, hätte mancher Bürger sicher gern.

Die Bremer Vulkan Aktiengesellschaft gehörte 100 Jahre lang zu den erfolgreichsten deutschen Werften. „Wenn der Vulkan einen Schnupfen bekommt, hat der Bremer Norden eine massive Grippe“, hieß es stets. Und dann war‘s am Ende doch so etwas wie eine tödlich verlaufene Lungenentzündung …

Staatliche Subventionen, großzügig kalkulierte öffentliche Aufträge, gut funktionierende Netzwerke und mancherlei erstaunliche Vergünstigungen kennzeichnen den Weg des Bremer Vulkan – von der Gründung 1895 bis zur Pleite 1997 – 102 Jahre lang. Ohne diese „Unterstützungen“ hätte die Nordbremer Großwerft, auf der in guten Zeiten rund 10.000 Mitarbeiter für die Werft und ihre „Fremdfirmen“ tätig waren, viel eher passen müssen. Doch nach der Schließung der AG „Weser“ 1983 wollte Bremen keinen zweiten politischen Tiefschlag.

Schiffbau ist heute Großanlagenbau – wie die Großindustrie an Land. Es gibt eigentlich nur einen feinen Unterschied: Wenn 100 Millionen Euro oder mehr verbaut wurden, macht jemand die Leinen los und die Großindustrie schwimmt dorthin, wo sie benötigt wird. Soll heißen: Schiffe lassen sich immer dort bauen, wo es gerade am preiswertesten ist und das ist seit vielen Jahrzehnten längst nicht mehr an der deutschen Küste – leider!

Was bleibt am Weserufer zwischen der Maritimen Meile und dem BWK-Entwicklungsgebiet? Ein großes Stück Spezialschiffbau, das weltweit für einen ausgezeichneten Ruf sorgt. Sowohl bei den Kennern der MEGA-Yachten als auch den Auftraggebern „grauer“ Schiffe.

Ob ein Schiffbau-Museum für einen der größten und erfolgreichsten deutschen Schiffbau-Standorte die Erinnerung erhalten und würdigen kann, bleibt offen. Dutzende von weltweit anerkannten Innovationen, die im Vegesacker Schiffbau ihre Wiege fanden, bleiben bestenfalls in den Köpfen von Fachleuten erhalten und werden auf den Parkbänken gewürdigt, auf denen früher direkt Beteiligte heute in Erinnerungen schwelgen.

Die Fortsetzung:

Die Vulkan-Werft: Was ist geblieben?
Mehr als 2 Jahrzehnte nach dem Ende der Geschichte
Schon der Start scheint ziemlich „schräg“
Heringe, Auswanderer, Dampfmaschinen und „graue“ Schiffe
Krieg, Bomben, U-Boote und Zivilcourage
Der Start in eine neue (Handels-)Schiffbau-Philosophie
Der Beginn vom Ende …
Nachtrag und ein Finanzwunder

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