Die wichtigste Frage: Vegesacker Matjes schlucken oder beißen oder beides?

Rund um den Wasserturm in Merken wohnen rund 3.000 Einwohner. Unter ihnen sind aber etliche tolle Sänger, die mit ihrem Shantychor zum Start der Matjessaison nach Vegesack gekommen sind. Merken liegt am nördlichen Stadtrand von Düren und das Ganze von Norddeutschland aus betrachtet westlich von Köln. Und den Sängern und ihrem Anhang ist sicher Vieles, was ihnen im Bremer Norden begegnete, relativ merkwürdig vorgekommen …


„Entweder da ist nichts drin oder das ist Popeye der Seemann“ urteilte der Beobachter am Vegesack-Anleger unterhalb der Signalstation scharf! Es war so. Mirko Vopalensky, der Vegesacker Junge, händelte das Matjes-Fässchen – die Miniaturversion eines Kantjes – so leicht, dass die Aussicht auf „Matjes satt“ reichlich überhöht schien.

Angeliefert von der MTV-Barkasse VEGEBÜDEL spielte der Minikantjes aber die Hauptrolle während der offiziellen Eröffnung der 2019er-Matjessaison. Seit an Seit mit Jonny Glut und seinem Akkordeon sowie Christine Renken vom Theater Interaktiwo in der Rolle einer historischen Hafenmeisterin, formierte sich an der Signalstation ein Umzug in Richtung Alte Hafenstraße, wo das Matjes-Geleit von Shanty-Sängern aus Merken in NRW musikalisch perfekt empfangen wurden. Das Ehepaar Scharringhausen führte fachgerecht ein Matjes-Diplom durch – in Assistenz von Ernst-Ludwig Neuenkirchen, dem Vegesacker Spezialisten für das Aufleben alter Traditionen. Ihm ist der Verein Vegesacker Junge eingefallen, er ist der Motor des alljährlich stattfindenden Auflebens dieser Tradition.

Musik, Matjes und Zugucken bei Scharringhausen waren alsbald beendet und die Formation wandte sich dem Weg in Richtung Gerhard-Rohlfs-Straße zu. Am kleinen Markt konnten Christine Renken und Jonny Glut die Vegesacker nochmals zum Mitsingen animieren bevor endlich das Festzelt auf der Ellipse erreicht war.

Dort war zur Eröffnung der 2019er Matjes-Saison dann auch Frank Damerow, der Hausherr. Er war vor einem Jahr auf die Idee gekommen, den Vegesacker Matjes wieder aufleben zu lassen. „Ich hatte gelesen, dass es hier mal die größte europäische Loggerflotte gab“, berichtete er am Rande seines Festzeltes mit Verkaufstresen und Matjesbewirtung. Dann endlich „versenkte“ auch Heiko Dornstedt, der schon das Mini-Kantjes auf der VEGEBÜDEL begleitet hatte, seinen ersten Matjes. Mit abbeißen – empörten sich einige Zuschauer, während der Pressefotograf sich im Hals des Ortsamtsleiters heimisch fühlte.

Dann endlich gab es auch den Matjes fürs Volk, und dafür ist Frank Damerow zu danken. Mit ihm sollte Vergesack vielleicht häufiger mal an so wohlschmeckende Traditionen erinnern. Damerow ist Eigentümer des EDEKA-Marktes an der Meinert-Löffler-Straße und seit genau fünf Jahren im Bremer Norden ansässig. Bei EDEKA ist er seit 13 Jahren in verschiedenen Funktionen tätig. Als Handelsfachwirt sogar seit mehr als 25 Jahren im Lebensmitteleinzelhandel in Führungsfunktionen.

Hier noch ein paar Schnappschüsse:

Jonny Glut und Christine Renken als historische Hafenmeisterin – beide ein Garant für maritime Stimmung. Sie begleiteten den Matjes-Umzug vom Anleger vor der Signalstation bis zum Matjes-Zelt auf der Ellipse in der Gerhard-Rolfs-Straße.

 

Ernst-Ludwig Neuenkirchen (rechts) mit kritischem Blick auf den Matjesschluck, der dieses Mal aus Stade angeliefert war. „Elu“, wie ihn die Freunde Vegesacks nennen, ist der Vater der Traditionsentwicklung des Vegesacker Jungen und an der Planung der Veranstaltung beteiligt. Der Blick über die Schulter von Jürgen Scharringhausen dennoch kein Kontrollblick:
Matjes und Schluck – das Ehepaar Scharringhausen in der Alte Hafenstraße hielt beides für einige Besucher der Matjessaison-Eröffnung vor.

 

Darum ging‘s: den Matjes fachgerecht zu versenken. Wobei die wichtigste Frage zu sein schien: Mit abbeißen oder ohne?