Drei „Spargel“ sorgen schon für Zuversicht

Die Spitzen der drei neuen Masten der GORCH FOCK ragen bereits aus der Plane heraus. Auf dem Gelände der ehemaligen Rolandwerft – heute der Betrieb Warfleth der Lürssen Werft – wurde das Segelschulschiff der Deutschen Marine „eingehoust“. Die Ablieferung ist für den Mai des kommenden Jahres vorgesehen.


Lürssen ist sicher, die GORCH FOCK bis zum 31. Mai 2021 abliefern zu können

Als am Montag, den 24. Februar 1958, das Marine-Musikkorps zu spielen begann, waren vor allem die Seeleute glücklich, die sich für die gerade gegründete Bundesmarine gemeldet hatten. „Die Jungs brauchen praktische Seemannschaft“, schwärmten sie und auf der Werft von Blohm & Voss, gegenüber den Hamburger Landungsbrücken, fand die Kiellegung des Segelschulschiffes GORCH FOCK statt. 8,5 Millionen Mark hatte der Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß aufgewandt, um der Bundesmarine ein Segelschulschiff zu „spendieren“.

8,5 Millionen Mark, das wären heute weniger als 5 Millionen Euro. Damit deutlich weniger als die 135 Millionen Euro, die Ursula von der Leyen, Bundesverteidigungsministerin von 2013 bis 2019, für die „Grundinstandsetzung“ des Großseglers freigegeben hat. Wie hoch die Investition abschließend tatsächlich war, wird die deutsche Öffentlichkeit sicher erst vom Bundesrechnungshof erfahren, der ganz sicher den Werftauftrag GORCH FOCH zum Inhalt eines seiner nächsten Berichte machen wird.

Nach heute vorliegenden Informationen wurde ganz erheblich durch Nachträge und Betrügereien die ursprünglich vorgesehenen 10 Millionen Euro vervielfacht. Und als Lürssen den Scherbenhaufen zur Fertigstellung übernahm, stand erst einmal ein Neuanfang auf dem Programm. Inzwischen hat sich, wie zu hören ist, der Segler wieder seinem ursprünglichen Äußeren angenähert.  Die politischen Streitereien haben sich weitgehend gelegt und die Lürssen-Mitarbeiter und etliche auch von der Rest-Crew der Elsflether Werft, haben den Zeitplan im Griff.

Den 31. Mai 2021 hat Lürssen in einem Vertrag mit dem Verteidigungsministerium zugesagt. Bis dahin soll alles fertig und ablieferungsbereit sein. Und vielleicht spielt dann auch wieder das Marine-Musikkorps. Was dann unverändert geblieben ist, ist sicher die Länge des Seglers von knapp 90 Metern sowie die 2037 Quadratmeter Segelfläche auf den insgesamt 23 Segeln. Sie gaben der Bark bisher eine Spitzengeschwindigkeit von 18 Knoten, etwa 33 Stundenkilometer.

Unverändert bleiben wohl auch die die rund 90 Mitglieder der Stammcrew sowie die 136 Lehrgangplätze für Offiziersanwärter, sowie die Unteroffiziere der „11er“, der „richtigen Seeleute“ im Bordeinsatz.

Auf jeden Fall wird die Gorch Fock nach dem Stapelhub auf der ehemaligen Rolandwerft von der gegenüberliegenden Weserseite aus sehr gut zu sehen sein. Und danach für alle maritimen Fans spätestens als Flaggschiff der Auslaufparade der Kieler Woche 2021.