Echt abgefahren: Hinten dicht und vorne geschlossen!

An der Promenade ist nix mehr los! Am Ende der Spaziermeile ist schon lange der Hund begraben. Seit anderthalb Jahren ist dort alles dicht und die Terrasse leer – egal, was Petrus rein wettertechnisch auf dem Kasten hat.

Nun hat’s auch den Anfang der Promenade erwischt – da sieht‘s auch nicht besser aus!

Frühlingswetter vom Feinsten. Genau richtig, um Eis, einen Café Latte, Erdbeerkuchen oder ein kleines Helles auf der Sonnenterrasse des Restaurants mit Blick aufs Wasser zu genießen. Die Kleinen buddeln in der Kiste, bewerfen sich mit Sand und Förmchen, Fiffi pinkelt vor Freude ins frische Grün und Alt und Jung ist gut drauf!

Das war vor einem Jahr. In diesem Jahr ist es aber anders – ganz anders!

In den vergangenen Jahren waren Sonnenterrasse und Gartenlokal immer gut besucht, aber nicht voll, schon gar nicht überfüllt. Bei gutem Wetter waren leere Tische und freie Stühle unter hohen schattenspendenden Bäumen oder unterm Sonnenschirm zu erhaschen, kein Problem. Rappelvoll war nur noch selten.

Frühjahrsgeschäft mit Gästen und den ersten warmen Sonnenstrahlen zu Ostern ist in diesem Jahr gleich null. Aktuell ist Corona dran schuld – sagen viele Restaurantbetreiber. Aber kann man dem Virus alles in die Schuhe schieben? Liegt nicht so manch eine Pleite auch am Gastwirt und ist sie womöglich selbstgemacht?

Lang, lang ist’s her, doch man erinnert sich noch sehr gut! Schon von weitem stieg einem der Duft vom köstlichen Butterkuchen in die Nase. Selbst ein Nicht-Kuchenliebhaber freute sich auf ein Techtelmechtel mit dieser einmalig leckeren Konditorware. Die Torten waren ebenfalls von Meisterhänden gestaltet. Obst, Creme, Käse, Sahne, Marzipan, Schoki und andere Zutaten waren wundervolle Verstecke für Tausende von Kalorien, die man zunächst mit allen Sinnen bei Dauergenuss als Hüftgold wahrnahm.

Schon lange wabert kein betörender Butterkuchenduft mehr durch die Luft zwischen Fähre, Kiosk und Promenade und möglicherweise bleibt das in Zukunft auch so. Sind die Automatik-Glastüren wirklich nur wegen Corona geschlossen, oder ist der Zug fürs größte Haus am Platz mit Essen, Trinken, Übernachten und vielem Schnickschnack endgültig abgefahren?

Kennen Sie noch Christian Anders? Mit dem Song „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ sang er sich in den Siebzigern durch sämtliche Hitparaden und erzählte die Geschichte von sich und seiner Maria, denn bei denen war der Zug abgefahren.

So oder so ähnlich könnte man das momentane Dilemma in der Gastronomie und anderen Sparten wohl auch bezeichnen.

Corona wird vielen das Genick brechen, zumindest arge Nackenschmerzen oder womöglich einen vernichtenden Dolchstoß verpassen, heißt es. Aber ist es nicht für so manch einen auch eine gute Gelegenheit, auf den Zug der staatlichen Hilfsangebote aufzuspringen?

Ist ein Domino-Effekt vorprogrammiert oder ausgeschlossen?

Vermutlich wird allerdings der, der bereits weit vor Corona keinen duftenden Butterkuchen mehr gebacken hat, ihn auch nach Corona nicht mehr hinbekommen. Und wo Restaurantgäste schon vor viralen Zeiten mit den Füßen abgestimmt haben, werden sie sich auch nicht mit Siebenmeilenstiefeln nach Abzug des Virus wieder auf den Weg machen.

Vielleicht ist das gerade die abgefahrene Erkenntnis der aktuellen Krise, dass sich die Spreu vom Weizen trennt; die Zeit nach Corona wird’s zeigen!