Endspiel im Nadelör – Die Havarie des Vollschiffs PREUSSEN – MTV Klönrunde

Donnerstag, den 15.  November im Nautilushaus am Museumshaven in Bremen-Vegesack

Dem Frachtsegler PREUSSEN, am 7. Mai 1902 auf der Werft von Joh. C. Tecklenborg in Geestemünde vom Stapel gelaufen, kam keiner so leicht bei. Fünf Masten, 47 Segel, eine Segelfläche von 6 806 qm, Länge über alles 147 m, Breite 16,34 m, maximaler Tiefgang 8,2 m. Ein Wellenbrecher, noch zu wenden bis zu einer Windstärke von 9. Selbst der Schiffsname, PREUSSEN stand in Versalien am Bug und in den Büchern der Eigner, der Hamburger Reederei F. Laeisz. Die hatte sich mit Schiffen dieser Bauweise, allesamt elegant ausgeformte Rahsegler, deren Namen konsequent mit >P< begannen, den Flying-P-Liners, einen Namen gemacht und vor allem die britische Konkurrenz das Fürchten gelehrt.

57 Tage, eine Rekordzeit, benötigt das Schiff auf seiner ersten Reise, nach Iquiquqe in Chile. Ein ideales Schiff für den Salpeterhandel, der, trotz der Ballastfahrten für die Rückreise nach Chile, noch Gewinne abwarf. Nicht zuletzt die enorme Ladekapazität von 8 000 t trug dazu bei. Wettbewerber wie der berühmte britische Tea-Clipper mit einer Zuladung von 1 700 t waren damit so gut wie aus dem Spiel.

Die Bauwerft, Tecklenborg in Geestemünde im Königreich Hannover, machte zu der Zeit mit einem scheinbar unwiderlegbaren Motto von sich reden: „Kaptein, si ohne Sorg, din Schip is baut bi Tecklenborg.“ Kein Gedanke, dass Windjammer wie die an der Geeste entstandenen PREUSSEN, POTOSI oder PANGANI endlich sein könnten. Erhalten geblieben sind bis heute die bei Tecklenborg entstandene Ex-PADUA, derzeit als KRUZENSENSHTERN unter russischer Flagge, und als in Deutschland verbliebenes Vollschiff die SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND in Vegesack.

Am 6. November 1910 kollidierte die PREUSSEN bei einer Passage Ärmelkanal mit dem vorschriftswidrig vor ihrem Bug kreuzenden britischen Dampfer BRIGHTON. Ursache der Havarie ist vor allem, das die PREUSSEN aus technischen Gründen nicht ausweichen konnte. „Volle Kraft zurück“ ist auf Segelschiffen ohne Hilfsantrieb eine Illusion. Außerdem wurden auf der PREUSSEN allein für die Bedienung des Ruders je nach Windstärke zwei bis vier Seeleute benötigt. Zwar gelang es drei Schleppern, den Segler aufzunehmen, aber die Trossen brachen, bevor sie den Hafen von Dover erreichten. Die Reederei F. Laeisz hat in späteren Jahren im Kanal auch die Schiffe PAGANI und PITLOCHRY verloren.

Aus heutiger Sicht steht das Scheitern der PREUSSEN für eine Zeitenwende im Frachtschiffverkehr. Nicht miteinander vergleichbare technische Systeme und Unzulänglichkeiten bei der Schiffsbeleuchtung erforderten eine Entscheidung. Mit dem Aufkommen ölbefeuerter Dampfer neigte sich die Waage endgültig zu deren Gunsten. Um diesen Epochenwechsel und um seine Auswirkungen auf die Frachtfahrt bis heute geht es bei der Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 15. Novembert 2018. Beginn um 19 h im Nautilushaus, Zum alten Speicher 7 in 28759 Bremen. Präsentation und Moderation: Gerald Sammet.