Grau, Grün, oder Türkis -aber vor allem regenerativ, wenn es um Wasserstoff geht

In der Flotte der Alsterdampfer auf dem Hamburger Binnengewässer fällt die Barkasse kaum auf. Dabei ist das bezeichnenderweise auf den Namen ALSTERWASSER getaufte Fahrgastschiff etwas ganz Besonderes. Es ist durchaus nicht neu und verfügt über einen Wasserstoffantrieb! Das für 100 Personen zugelassene Schiff wurde bereits am 29. August 2008 indienstgestellt und beförderte auf den Hamburger Gewässern inzwischen mehr als 50.000 Fahrgäste.


Vegesack, Lemwerder, Motzen – das sind die Innovationsspitzen für den Spezialschiffbau – auch für Wasserstoff?

Mir scheint diese Barkasse aus der Weißen Flotte im Hamburger Zentrum ist das beste Vorbild für die Strecken zwischen Vegesack und Bremen, zwischen dem Museumshaven und dem Mahnmal Bunker Valentin in Rekum und für Rundfahrten entlang der innovativsten Spezialschiffbauwerften zu sein. Die ALTERWASSER wird mit Wasserstoff angetrieben, was sehr nach EU-Fördermitteln „klingt“. Und dieser Antrieb ist derzeit deshalb so hoch aktuell, weil er durch den Einsatz mit regenerativen Energien einen Antrieb erlaubt, der ohne das Freisetzen von CO² auskommt. Neueste Forschungen gehen davon aus, dass die Umwandlung von Wasser in Strom einen Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent erlaubt!


Mit einer Tonne Wasserstoff lassen sich rund 25 Tonnen CO 2  einsparen.


Wasserstoffantriebe sind auch auf dem Wasser schon sehr erfolgreich und nicht neu. Als Gemeinschaftsproduktion der Kieler HDW und der Emder Thyssen Nordseewerke wurde als Typschiff einer Klasse aus vier U-Booten U 31 mit der Nato-Kennung S 181 gemeinsam mit dem Schwesterschiff U 32 bereits am 19. Oktober 2005 in Dienst gestellt.  Der „modernste nichtnukleare U-Boot-Typ der Welt“, wird die Klasse 212 A auch genannt. Wie berechtigt diese Einordnung ist, zeigt der „Weltrekord“ den U 32, ein Schwesterschiff, bereits im April 2006 aufstellte: Zwei Wochen außenluftunabhängig Unterwasserfahrt!

Die Liaste der Superlative, die von den modernsten nichtnuklearen U-Booten weltweit aufgestellt wurden, ist lang. Und auch heute noch, mehr als 15 Jahre nach der Indienststellung gehören diese Boote zu den großen Innovationen auf und unter Wasser. Stationiert sind die vier deutschen U-Boote dieser Klasse in Eckernförde.

Wasserstoffantriebe finden nicht allein bei U-Booten statt. In Heilshorn, nah an der Grenze zum Bremer Norden, baut das Unternehmen Faun neben anderem Müllfahrzeuge, von denen das Jüngste derzeit vor dem Start zur Serienproduktion steht. Erprobt wird der 26-Tonner bei der Bremer Müllabfuhr im täglichen Einsatz.

Im Förderprogramm der Bundesregierung für ihre Wasserstoffstrategie befinden sich neun Milliarden Euro. Davon hätte Bremen gerne einen ordentlichen Teil ab. Neben den Müllfahrzeugen, der Anschaffung von Stadtbussen soll auch eine Elektrolyse in Industrie-Dimension in Bremerhaven erprobt werden. Dabei geht es dann auch um die Nutzung von Wasserstoff als Schiffsantrieb. Die Elektrolyse soll auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes in der Seestadt entstehen. Dort, wo schon einmal die industrielle Fertigung von Windkraftanlagen mit rosigen Zukunftsaussichten geplant wurde. „Hamburg plant die weltgrößte Anlage für Wasserstoff-Elektrolyse“ titelt der Spiegel bereits im September 2019.

MADE IN BREMEN – gilt auch für diesen schicken Mercedes GLC. Und in der Nähe von Stuttgart wird nach dem Bau der Karosse dann der Wasserstoffantrieb eingebaut. Foto: Alexander Migl, Mercedes GLC F-Cell IMG 0063, CC BY-SA 4.0

Irgendwie scheint während der vergangenen Monate ein Hype um Wasserstoff ausgebrochen zu sein. Die Bundesregierung kündigt eine umfassende Initiative an, alle Bundesländer prahlen geradezu mit dem Einsatz von Wasserstoff – und dabei ist das Gas noch nicht einmal neu. Neu ist jetzt eigentlich nur, dass dieser Wasserstoff um den es manche Rallye zu geben scheint, nicht mehr der „graue“ sondern ein „grüner“ Wasserstoff sein soll. Was heißt das?  Dieser Wasserstoff birgt Energie, die wir in allerlei Anwendungen zum Einsatz bringen können – jedoch ohne, dass das schädliche CO² freigesetzt wird. Und deshalb erscheint derzeit manchem Politiker der „grüne“ Wasserstoff ein wenig wie ein Perpetuum mobile – die Stromerzeugung aus „Wasser und Luft“ – mal ganz politisch (laienhaft) ausgedrückt.

Polizeiwagen in der Region, Taxen, Wasserstoffantriebe im in Bremen gebauten Mercedes GLC F.Cell – bei der Polizei in Hamburg bereits im Einsatz und dort, in der Elbmetropole, soll Wasserstoff aus regenerativem Strom hergestellt werden. Und zwar im Großformat. 100 Megawatt soll die Anlage leisten, und dabei etwa zwei Tonnen Wasserstoff pro Stunde produzieren. Mit denen könnte ein PKW 200.000 Kilometer weit kommen.

FRANZIUS – in Vegesack gebaut und ein Nachbau des vielleicht wichtigsten Transportmittels über sehr lange Zeit. Der Weserkahn ist heute ein tolles Seminarschiff und regelmäßig in den Watten unterwegs. Vielleicht gibt es ja die Chance, für diese Reisen im Interesse des Umwelschutzes einen Wasserstoffantrieb zu nutzen.

Was bringt das nun alles für uns? Die Barkassenidee sollte meines Erachtens weiterverfolgt werden. Wer an der Maritimen Meile in Vegesack spazieren geht, sieht „gunt siet“ drei extrem innovative Unternehmen, für die Wasserstoff ein seit Jahren präsentes Entwicklungsthema ist. LNG, ein Gas aus der gleichen Familie, kommt schon jetzt in der Schifffahrt zum Einsatz (bei Fassmer in einem Fahrgastschiff und bei Abeking & Rasmussen derzeit beim Bau von drei Mehrzweckschiffen für den Bund) und für alle Unternehmen im Spezialschiffbau stehen beim Thema Wasserstoff vor allem die gesetzgeberischen Voraussetzung im Vordergrund. Treibstoffe mit einem Entflammpunkt von rund 60 Grad dürfen derzeit in der Seeschifffahrt schlicht nicht vorkommen. Wenn die Schiffe aber klein genug sind, sollte es funktionieren. Beim Thema der FRANZIUS aus dem Vegesacker Museumshaven, deren Hauptthema die naturkundlichen Exkursionen im Wattenmeer sind, recherchieren gerade einige Studenten, unter welchen Bedingungen ein Wasserstoff- oder ein anderer Gasantrieb möglich ist.

Und was außerdem würde der Einsatz von regenerativ hergestelltem Wasserstoff für Bremen bringen? Die Umweltsenatorin, schließlich in Vegesack zu Hause, müsste bei der Veröffentlichung der bremischen CO²-Bilanz nicht mehr ein wenig verschämt „ohne Stahlindustrie“ erklären. Denn leider stoßen die Stahlwerke rund jede zweite Tonne CO² aus, die in unserer Stadt freigesetzt wird. Die Elektrolyse, dies zu ändern, kostet in etwa zu viel, wie die Modernisierung der GORCH FOCK. Doch der Herr Mittal, Inhaber dieser und vieler anderer Stahlwerke, möchte sein Geld dafür leider nicht ausgeben …

Vegesack sollte nicht nur für Museales die richtige Adresse sein, sondern auch für hochmodernes und innovatives – und neue Attraktion für den Museumshaven und endlich ein schwimmendes Vorzeigeobjekt!

Fortsetzung folgt. Und was ist Ihre Meinung?