Größer, schöner, älter … Vegesack taugt für manchen Superlativ

… aber eben auch nicht für alle. Der Vegesacker Hafen ist nicht der älteste Seehafen Deutschlands – oder doch der wunderschön gelegene Hafen im schleswig-holsteinischen Tönning?

Ein Besuch im maritimen Vegesack lohnt immer! Auch deshalb, weil die Maritime Meile so voller Superlative ist. Vegesack ist eben nicht nur irgendein kleiner Hafen mit einer schönen Promenade und einem Stadtgarten dahinter. „Größer, schöner, älter“ gilt für ganz Vieles zwischen dem Liegeplatz von SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND und dem an Land gestellten Schlepper REGINA.

Als im Sommer 1618 der Bremer Senat und der Unterstützungsverein für die Bremer Schiffer HAUS SEEFAHRT endlich dem Drängen der Schiffer nachgaben und ihnen in der Vegesacker Auemündung Winterliegeplätze für ihre Schiffe – den Vegesacker Hafen – anlegte, geschah dies vor allem durch holländische Wasserbauer, die bereits damals schon die Geschicktesten ihrer Zunft in Europa waren.

Etliche Landsleute von ihnen hatten zur selben Zeit schon im heutigen Schleswig-Holstein gesiedelt. Ihr wichtigstes Mitbringsel: Das Wissen über die Käseproduktion! Und ihr wichtigstes Verkehrsmittel war das Schiff. „Im Rekordjahr 1610 gingen drei Millionen Pfund Käse durch den Tönninger Hafen. Im Schnitt der Jahre 1607 bis 1624 waren es 2,7 Millionen Pfund jährlich“, heißt es bei Wikipedia. Der Tönninger Hafen wurde bereits 1613 in seiner heutigen Form gegraben. Er bot einen Anlegeplatz für die Schiffe, die Eiderstedts landwirtschaftliche Produkte – neben dem Käse auch Weizen aus der Region – nach ganz Westeuropa brachten.

Also ist der Vegesacker Hafen, der zwischen 1619 und 1622 fertiggestellt wurde, der älteste künstlich angelegte Seehafen – an der Weser? Egal. Er ist jedenfalls enorm alt und damit ein Vegesacker Superlativ. Und den 400. Geburtstag seiner Fertigstellung kann man irgendwann während der kommenden zwei bis drei Jahre feiern …

Ebenso wie das Flaggschiff der Maritimen Meile, SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND. Es ist das letzte erhaltene deutsche Vollschiff. Und dieses Grundstück, an dem der Großsegler festgemacht hat, ist sehr geschichtsträchtig. Hier wurde 1805 die Werft von Johann Lange gegründet, zum Teil in Bremen und teilweise jenseits des Grenzbaches Aue im hannoverschen Grohn. Hier wurde auch die Bremer Vulkan AG gegründet, die Bremen-Vegesacker Fischerei AG und ihre ersten stählernen Segellogger auf Kiel gelegt. Mit dabei: Der Segellogger BV2 VEGESACK, im Original erhalten und damit der Grundstock der Vegesacker Loggerflotte, die einstmals größte in Europa.

Das Vegesack der Superlative

Nicht allein das Alter des Hafens, die Größe der Loggerflotte oder die Schönheit des Großseglers SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND zählen zu den herausragenden maritimen Stichworten.  Vegesack ist auch voller technischer Innovation.

Das erste in Deutschland gebaute Flussdampfschiff, die WESER, entstand 1817 auf der Langeschen Werft. Die erste eiserne Drehbrücke überspannte ab 1835 die Einfahrt zum Vegesacker Hafen und die heutige geschwungene Klappbrücke – vom Designlabor Bremerhaven entwickelt – überspannt ganz besonders elegant die 42 Meter breite Hafeneinfahrt und sorgt regelmäßig für europaweites Aufsehen in der Fachwelt.

Vegesacker Superlative finden sich nicht allein in der Historie. Auf den Werften zwischen Warfleth, Lemwerder und Vegesack entstehen geradezu regelmäßig Schiffe, die auf dem weltweiten Markt des Spezialschiffbaus zu den absolut Herausragenden zählen. Vor allem die Länge der Privat-Yachten sowie ihre geschätzten Baukosten sorgen dabei für erlebtes Staunen.

Von der kommenden Saison an können Besucher Vegesacks während kostenloser Rundfahrten mit der Barkasse VEGEBÜDEL vom Wasser aus Vegesack und die Werften „umzu“ betrachten. Und schon die Barkasse selbst ist für sich ein Superlativ: Ihr 3-Zylinder-Motor mit 42 Litern Hubraum wurde vor mehr als 80 Jahren aus zwei Antrieben von zuvor gesunkenen Kuttern zusammengebaut.