Hier entsteht die neue GORCH FOCK

Ehemalige Rolandwerft verfügt über eine mehr als 100jährige Geschichte – seit 10 Jahren gehört die Werft zur Lürssen Gruppe

Im Volksmund ist es noch immer die Rolandwerft, die ganz sicher spätestens im Frühjahr des kommenden Jahres noch einmal von großem Medieninteresse sein wird. Nämlich dann, wenn aus einer der drei Schiffbau-Hallen der strahlend weiße weitgehend neue Rumpf des Großseglers GORCH FOCK herausgezogen wird.  Diese Werft gehört seit 2010 zur Lürssen-Gruppe und wurde während der vergangenen Jahre vor allem für die Refit-Programme, also die Wartung und Reparatur von Lürssen-Yachten genutzt. Jetzt findet dort der letzte Teil der seit Dezember 2015 stattfindenden Grundinstandsetzung der GORCH FOCK statt. Es gibt in der bundesdeutschen Politik wohl keinen Werftauftrag, der für so viele Schlagzeilen sorgte.

Die Werft

Offiziell ist der Lürssen-Betriebsteil Bremen / Berne einer der insgesamt neun Werftplätze von Lürssen. Die Werft ist vor allem für den Spezialschiffbau noch immer optimal. Mit einer Fläche von 206.000 qm, einer Pier über 470 Meter Länge, einem 150 Meter langen Schwimmdock sowie drei Schiffbauhallen – zweimal 75 und einmal 110 Meter Länge. Mit 25 Metern sind zwei dieser Hallen ebenso breit wie der Hebelift, über den sich Schiffe mit bis zu einer Länge von 140 Metern und einem Gewicht von bis zu 3.800 Tonnen aus dem Wasser heben lassen. Ganspe, so der Name des Berner Ortsteils, wurde in den Sechzigern Standort der Rolandwerft, deren Namen vom Stammsitz des Unternehmens aus Bremen-Hemelingen stammt. Dort, kurz oberhalb des seinerzeit gerade fertiggestellten Weserwehrs, wurde die Werft 1913 gegründet.

Für die (ehemalige) Rolandwerft ist der GORCH FOCK-Auftrag nicht der erste Einsatz für die Marine. Schon am Beginn der Werftgeschichte, standen während des Erstem Weltkrieges Schnellboote, U-Bootjäger und die traditionell aus Holz gebauten Minensuchboote in den Auftragsbüchern. Insgesamt, so zeigt die, von Klaus auf dem Garten aufgeschriebene Chronik, wurden von der Rolandwerft bis zum 50. Werftjubiläum 262 Schiffbauaufträge abgeliefert. 1972 folgte ein Konkurs, nach dem die Hegemann-Gruppe die Rolandwerft fortführte. Infolge der deutschen Einheit wurde die Rolandwerft mit der Wolgaster Peenewerft zusammengeführt und die Rolandwerft eine 100-prozentige Tochter der Peenewerft in Wolgast. Beide Werften im Paket kaufte zum 1. Juni 2010 die Lürssen-Gruppe, übernahm sämtliche Mitarbeiter und begann ein neues Kapitel des Schiffbaus in Ganspe.

„Lürssen setzt langfristig auf Berne“, versprach der Lürssen-Geschäftsführer Klaus Borgschulte seinerzeit den Kommunalpolitikern im Berner Gemeinderat. Mehr als drei Millionen Euro Investitionen in den Standort sowie die Übernahme der vorhandenen Mitarbeiter versprach Borgschulte – insgesamt sollten rund 150 Personen auf dem Werftgelände tätig sein.

Die Lürssenpläne für das Gelände der Rolandwerft sahen dort ein Kompetenzzentrum für Yacht-Komfortsysteme vor, den Sektionsbau für andere Bauplätze sowie die Endmontage und Ausrüstung von Lürssen-Yachten. „Fertigung, Montage und Reparatur – alles an einem Standort, freute sich Borgschulte damals. Das sei einzigartig an der Weser.

So schnieke soll das Segelschulschiff GORCH FOCK der deutschen Marine im Frühjahr 2021 wieder aussehen, wenn es die Halle der Lürssenwerft verlässt.

Der sechs Jahre dauernde Umbauauftrag

Mit der Fertigstellung der GORCH FOCK bei Lürssen schließt sich auch ein ganz großer Kreis, der 1958 bei einer heute zur Lürssen-Gruppe gehörenden Werft begann: Bei Blohm & Voss in Hamburg, die schon 1933 die erste GORCH FOCK an die Marine abgeliefert haben. Dieser Segler liegt seit 2003 im Hafen von Stralsund. Beide Schiffe sind nahezu baugleich, die GORCH FOCK II entstand nach den Plänen der um 7 Meter verlängerten Nachbauten der GORCH FOCK I. Und Blohm & Voss lieferte auch die aktuelle GORCH FOCK unter der Baunummer 804 am 24. Februar 1958 als Ausbildungsschiff an die Bundesmarine ab.

Seit Dezember 2015 zieht sich die Grundinstandsetzung des Seglers nun schon hin – der Laie würde den Umfang der Arbeiten wahrscheinlich als Neubau bezeichnen. Das dafür notwendige Finanzvolumen vervielfachte sich von rund 10 auf nunmehr rund 150 Mio. Euro. Dafür soll das Ausbildungsschiff – nach Angaben der Marine – aber auch bis über 2030 hinaus im Einsatz bleiben. Na denn …

 

Diese Quellen haben uns bei der Recherche geholfen:

Die Familie Vertens: http://www.vertens-werft.de/

Vertens-Bootsbau: www.vertens.de

Die neue Werft: https://www.vertens.com/aboutus.html

Boots und Schiffbauer-Verband Vertens

https://www.dbsv.de/sites/default/files/bootswirtschaft/pdf/vertens.pdf

Klaus auf dem Garten (Autor toller Bücher):

Boote, Yachten, Klein Schifffahrt aus Bremen Hausschild 2012

Archiv der Nordwest Zeitung

Die Firmenbiografien der Lürssenwerft

Mehrere Quellen bei Wikipedia