Im Klönschnack: Versuchskreuzer und Mueumsschiff BREMEN

Gut für knapp eine Handbreit Wasser unter dem Kiel – Das Museumsschiff BREMEN (Liegeplatz Museumshaven Vegesack) als Prototyp aller modernen Seenotrettungsfahrzeuge  – ist Thema während der Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 28.  März 2019, im Nautilushaus am Museumshaven in Vegesack

Das DGzRS-Motorrettungsboot KONSUL KLEYENSTÜBER, 1932 in Dienst gestellt, hier nach einem Umbau 1935. Historische Fotos: Archiv John Schumacher

Es darf als ausgemacht gelten, dass sich selbst in dem maritimen Geschehen und eng verbundenen Kreisen kaum noch jemand an den im 19. Jahrhundert in Königsberg in Ostpreußen ansässig gewesenen Kaufmann und Reeder Robert Kleyenstüber erinnert. Sein Name wäre wohl vergessen, hätte nicht ein Schiff ihn zeitweilig geführt, das als außergewöhnliche Konstruktion in die Geschichte der weltweiten Seenotrettung einging. Entstanden ist dieses Fahrzeug, die KONSUL KLEYENSTÜBER, 1931 auf der Lürssen-Werft im damals noch eigenständigen Vegesack als Motorrettungsboot mit einem Tiefgang von 1,25 m und einer Länge über alles von 16,17 m. Ausgelegt war es für eine vierköpfige Besatzung, die mit dem Schiff bis 1941 vom ostpreußischen Pillau, danach bis 1944 von Borkum und zuletzt von Amrum aus operierte. Mit der vorläufigen Außerdienststellung 1949 endete dieser Teil seiner Geschichte.

Der zweite Teil dieser Angelegenheit wird wiederum in Vegesack bei den Schiffbauern von Lürssen verhandelt. 1953 gelangt die KONSUL KLEYENSTÜBER erneut in die Obhut der Werft. Das Schiff wird, nach Vorgaben der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, mehr als ertüchtigt. Aus ihm geht, als Prototyp, der erste moderne Seenotrettungskreuzer hervor: geringer Tiefgang bei gleichzeitig niedrigem Gewichtsschwerpunkt, Selbstaufrichtung als Konstruktionsmerkmal, Einbau einer Heckwanne, die ein frei verfügbares Tochterboot trägt und ausreichende Motorisierung. Lediglich die Geschwindigkeit von maximal 10 Knoten sollte sich als unzulänglich erweisen. Noch im Jahr des Umbaus wurde das Schiff als BREMEN neu getauft. Von November 1953 bis 1961 war sie in Bremerhaven stationiert, danach in Hörnum auf Sylt. Die letzten Seenotretter der DGzRS gingen im April 1965 im Hafen von Amrum von Bord. Danach fristete die BREMEN als Hafenschlepper OELTJEN auf Weser und Hunte und ab 1972 als Privatyacht WAL auf der Elbe ein eher bescheidenes Dasein.

Das fehlt noch: Das Tochterboot. Das Original gilt seit Jahrzehnten als verschollen.

 

Der Versuchskreuzer ist wieder komplett: Die Heckwanne zur Aufnahme des Tochterbootes – seit Jahrzehnten durch einen Umbau verschwunden – wartet wieder auf die Aufnahme des Tochterbootes.

Ein Zufallsfund führte 2007 dazu, dass die einstige BREMEN wieder zurück an die Orte ihrer Entstehung gelangte. Liebevoll betreut und gepflegt von ehrenamtlichen Helfern und unterstützt von sich für seinen Erhalt einsetzenden Sponsoren bildet der Versuchskreuzer, der die Geschichte des Seenotrettungswesens entscheiden prägte, heute im Museumshaven in Bremen-Vegesack einen markanten Anziehungspunkt. Sogar als technisches Denkmal hat man ihn registriert. Wie mit dem Bau der BREMEN die Konstruktion von Rettungsfahrzeugen für den Hochseeeinsatz revolutioniert wurde, welche technischen Entwicklungen die Experimente mit ihr nach sich zogen, wie sich dieser Abschnitt der Schiffbaugeschichte auf die lokalen Gegebenheiten im Hafen von Vegesack auswirkte und welche Ziele noch vor den Schiffsbetreibern liegen, darum geht bei der Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 28. März 2019. Beginn um 19 h im Nautilushaus, Zum alten Speicher 7. Präsentation und Moderation: Gerald Sammet.