Kollision mit Containerschiff: Der Traditionssegler „No 5 Elbe“ vor Stade gesunken

Hier der Link zu einem Video des NDR  –  mit den tollen Fotos von der Kollision


Ein historisches Segelschiff mit 43 Menschen an Bord ist am Samstag, den 8. Juni, auf der Elbe gesunken. Bei der Kollision mit einem Containerschiff werden fünf Menschen verletzt. Der Traditionssegler „No 5 Elbe“ stammt aus dem Jahr 1883, gehört der Stiftung Hamburg Maritim und wurde erst während der vergangenen Monate in Dänemark mit einem Aufwand von 1,5 Millionen Euro restauriert.

Das erst jüngst aufwendig sanierte historische Segelschiff „No 5 Elbe“ ist in dem Fluss mit einem Containerschiff kollidiert und gesunken. Bei dem Unfall in Stade wurden fünf Menschen verletzt, davon eine Frau schwer, teilte der Lagedienst der Hamburger Polizei mit. Nach den Bildern des Handy-Videos eines Fahrgastes kann nicht ausgeschlossen werden, dass angesichts der vermeintlich drohenden Kollision mit dem Containerschiff Fahrgäste kraftvoll die mächtige Pinne des Seglers nach Backbord drückten – und damit den Lotsenschoner genau vor den Steven des Kollisionsgegners manövrierten.

Das historische Holzschiff von 1883 war erst Ende Mai nach einer aufwendigen Restaurierung für rund 1,5 Millionen Euro in den Hamburger Hafen zurückgekehrt und konnte für Ausflugsfahrten gebucht werden.

Nach Angaben der Polizei kollidierte die „No 5 Elbe“ gegen 14.30 Uhr ungefähr auf Höhe Stadersand mit dem 141 Meter langen Containerschiff „Astrosprinter“, das unter zypriotischer Flagge in Richtung Nordsee unterwegs war. Zum Hergang des Unfalls konnte die Polizei bislang noch keine Auskunft geben.

An Bord des Segelschiffes waren 43 Personen, die von der Stader Feuerwehr und weiteren Helfern in Sicherheit gebracht wurden. Wie der NDR berichtet, hatten die Passagiere Glück im Unglück: DLRG und Feuerwehr waren demnach bereits vor Ort, weil sie kurz vorher zu einem anderen Einsatz gerufen worden waren. Als sie die Kollision beobachteten, konnten sie sofort reagieren. Normalerweise hätte es 15 Minuten gedauert, bis die Wasserrettung zum Einsatzort gelangt.

Polizei ermittelt

Der historische Schoner konnte nicht mehr zum Ufer geschleppt werden. Er sank im Mündungsbereich des Flusses Schwinge. Das Containerschiff setzte seine Fahrt zunächst fort. Die Polizei führt Ermittlungen zum Unfallhergang an Bord.

Der 37 Meter lange Gaffelschoner ist Hamburgs letztes verbliebenes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus. Er lief 1883 auf der Werft von H.C. Stülcken auf Steinwerder vom Stapel. Mehrere Jahrzehnte diente er laut NDR dazu, Lotsen in der Nordsee an Bord der einlaufenden Schiffe zu bringen und wieder zurück. In den 1920er Jahren wurde er in die USA verkauft und diente dem Autor und Abenteurer Warwick Tompkins als Zuhause.

2002 erwarb die Stiftung Hamburg Maritim das Schiff in Seattle und brachte es wieder zurück nach Hamburg. Hier nahm das Traditionsschiff an Veranstaltungen wie dem Hafengeburtstag teil und wurde für Ausfahrten genutzt. Zuletzt lag es acht Monate in einer dänischen Werft und erhielt unter anderem neue Außenplanken und einen neuen Achtersteven.

Quellen: Norddeutscher Rundfunk, DER SPIEGEL, eigene Recherchen.

Foto: Nordevent GmbH, Lotsenschoner No 5 Elbe, CC BY-SA 2.0