Lichterketten im Hafen trotz Zoff

Jetzt gibt es noch keine Lichterketten im Hafen. Aber bis zum 1. Advent sollen die Dekorationen der Schiffe im Hafen stehen. Die Skipper und der Kutter- und Museumshaven Vegesack erhalten für die Stromkosten einen Zuschuss  aus dem Haven Höövt.


8,2 Mio. D-Mark hat der Umbau und die Modernisierung des Vegesacker Hafens den Staat mal gekostet. Von der Hochwasserschutzwand mit Tribünencharakter über die Umgestaltung der Lürssen-Seite des Hafens bis zu den 2,4 Mio. Mark für die schwimmende Anlage. Eine „lebendige Oldtimer-Szene“ prophezeiten die Politikvorlagen seinerzeit. Man könne quasi vom Hafenrand aus beobachten, wie „liebevoll die historischen Kutter gepflegt“ werden. Und was ist daraus geworden? Es gibt Zoff in der Szene, im Hafen, in der Politik und letztlich auch bei den Freunden Vegesack, von denen Monat für Monat Tausende wegen ihrer Begeisterung für die maritime Szene rund um den Museumshaven und SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND dieses Internet-Magazin vegesack-maritim.de anklicken. Doch versuchen wir es mal der Reihe nach:

Und was ist mit der Aue?

Was nützt eine tolle Brücke, wenn der Wasserstand darunter nicht mehr für die Oldtimer im Hafen ausreichend ist? Dann ist die Brücke eine schöne Deko!

„Das Wasser von Weser und Lesum ist wieder sehr sauber!“ Schön – möchte man sagen. Wenn da nicht die zweite Satzhälfte der Aussage vom Hausherr des Hafens, der Wirtschaftsförderung Bremen, lautete. „Deshalb müssen wir die Regeln im Vegesacker Hafen verschärfen!“ In der Folge werden beispielsweise Außenarbeiten an den Oldtimern untersagt. Auch ein Freispülen der Barre an der Hafeneinfahrt – seit Jahrzehnten das Mittel der Wahl ohne das auch die Schiffsbesuche zu den Vegesacker Hafenfesten erheblich behindert wären – ist aus Umweltschutzgründen verboten.

Das waren noch Zeiten, als größere Schiffe, wie hier der ehemalige Tonnenleger BRUNO ILLING während des Hafenfestes in der Vegesacker Hafeneinfahrt festmachten. Damals stürmten Tausende Besucher das Festgelände am Hafen.

Und: Die Brücke hätte nur noch einen Deko-Wert! Denn Schiffe mit einem Tiefgang wie die ATLANTIC (3,10 m) und die BV2 VEGESACK (2,50 m) kämen nur noch bei Hochwasser – und vielleicht auch bald dann nicht mehr – in den Hafen hinein. Doch was sollten sie dort auch? Denn diese Oldtimer leben davon, dass Menschen ihre Freizeit opfern, um diese Traditionsschiffe zu erhalten. Dazu gehören auch Außenarbeiten wie das lapidare Farbe-waschen, für die man nicht immer nach Niedersachsen fahren kann und will! Da würde es schon mehr Sinn machen, den etlichen Einladungen von anderen Orten zu folgen, die gerne mit den Vegesackern ihre Häfen schmücken würden.

Vegesack-maritim.de hat Rolf Noll, den Vorsitzenden des Kutter- und Museumshaven Vegesack gefragt, nachdem dieser sich vom ersten Schock und der Empörung über diese Vorschriften erholt hatte: „Die Hafenaufsicht der Wirtschaftsförderung ist in vielerlei Hinsicht nicht mehr nachvollziehbar. Die Einträge, die mit der Aue in den Hafen gelangen, sorgen für mögliche Verschmutzungen und nicht die Schiffe im Hafen“ – ist für Rolf Noll klar.

Doch die von vielen Hafennutzern als absurd bezeichneten Regeln stehen nicht allein. Auch die Regie im Hafen, eigentlich eine Service- und keine Ordnungseinrichtung, steht im Mittelpunkt der Kritik. Willkürliche Liegeplatzwechsel, Verbot von Besuchern an Bord, die über die schwimmende Anlage die Kutter erreichen und Anderes sorgen für Zoff. Einige Skipper schwanken derzeit zwischen Hafenwechsel und juristischen Maßnahmen gegen die Hafenmeisterin und ihre Chefs bei der Wirtschaftsförderung!

Das war die WIETZE beim Eintrieffen in Vegesack. Inzwischen gibt es von ihr nur noch einen pteilweise restaurierten Rump

Das Projekt WIETZE ist tot

Die WIETZE als trauriger Rest der BBV-Pleite. Seit 2012 rottet der Oldtimer (Baujahr 1901 in Vegesack) vor sich hin. Jetzt wird er wohl vom Meistbietenden verschrottet.

„Millionen-Schrott“ in Vegesack“ titelte DIE NORDDEUTSCHE und beschrieb sehr zutreffend das Schicksal des historischen Vegesacker Heringsloggers WIETZE. Der 23 Meter lange Logger war 1901 als erstes der Schiffe des Bremer Vulkan, auf dem neuen Werftgelände in Aumund-Fähr, vom Stapel gelaufen. Am vorläufigen Ende seines sehr wechselvollen Lebens fand Tham Körner – ehrenamtlicher Geschäftsführer der BV2-Betreibergesellschaft und ehemaliger Lotse – das Schiff, halb gesunken, in einem schwedischen Hafen. Die Aktion, bis ein Bremer Frachter die WIETZE als Deckslast an die Unterweser brachte und mit eigenem Krangeschirr auf dem Gelände der Bremer Bootsbau Vegesack (BBV) absetzte, könnte ein Buch füllen. Die „Gläserne Werft“ sollte und wollte das Schiff quasi aus der alten Hülle neu entstehen lassen. Langsam aber erfolgreich gingen die Arbeiten voran. Bis 2012 – da war die BBV pleite und die WIETZE ein Teil der Konkursmasse.

„Wir könnten doch den Logger quasi auf dem früheren Fischereigelände aufstellen, bis zur Wasserlinie „eingraben“ und dort das Thema Matjes für Vegesack neu entdecken“, lautet seitdem eine vieldiskutierte Forderung von Claus Jäger, dem Vorsitzenden des Schulschiff-Vereins und Teilen des MTV Nautilus.

Jetzt ist das Projekt WIETZE Geschichte. Der Logger soll „für den Hochofen“ versteigert werden. Die Vorstände der beiden Vereine haben hochoffiziell ihr Interesse an dem historischen Schiff beendet.

Ohne Förderer keine Rundfahrten! Nur wenn es gelingt, eine ausreichende Zahl von Spendern und Förderern zu finden, kann die VEGEBÜDEL im kommenden Jahr kostenlose Rundfahrten von Vegesack aus anbieten. Derzeit wartet der Oldtimer auf eine Maschinenreparatur (3-Zylinder und 42 Liter Hubraum aus den 1930er-Jahren).

 

Und über allem schwebt für die schwimmenden Oldtimer die politische Begrenzung der Gäste an Bord durch überzogene Sicherheitsvorschriften. Trotz der derzeitigen Wirrnisse in der Bundesregierung hat der Agrarminister und geschäftsführende Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur Christian Schmidt (CSU) Zeit gefunden, sich auch um die Traditionsschifffahrt zu kümmern und die von vielen Skippern als absurd bezeichneten Vorschriften noch einmal und für wenige Wochen auf den Prüfstand zu stellen. Dazu veröffentlichen wir einen aktuellen Bericht im Magazin.

Na dann eben Prost Mahlzeit statt fröhliche Weihnachtszeit – oder: die typische Winterruhe mit anheimelnden Lichterketten im Rigg im Vegesacker Hafen wird während der kommenden Wochen kaum aufkommen.

Anmerkung:

In der ersten Vereion dieses Artikels befand sicha uch ein Abschnitt über die Arbeit von Vegesack Marketing und der WfB-Projektmanagerin Elvira Krol. Die Inhalte entsprechen offenbar nicht mehr dem aktuellen Stand. Dshalb werden wir den Abschnitt überarbeiten und erneut berichten.

Die Redaktion