Maritime Meile: Ist die Flasche halb voll oder doch nur halb leer?

MARITIME MEILE ganz privat. Diese wunderbare Parkfläche wird zugleich zum Picknicken genutzt, zum Knutschen und Bier trinken und als Aushängeschild für Vegesack. Und dahinter stehen sowohl die knappen öffentlichen Mittel als auch das hervorragende private Engagement des Fördervereins Stadtgarten Vegesack.


DIE NORDDEUTSCHE lud zur öffentlichen Diskussion ein.

Die Eröffnung des Haven Höövt-Nachfolgers war mal für Mai/Juni-, dann September und nun wohl November 2019 angekündigt. Die Wieder-Eröffnung des Restaurants GLÄSERNE WERFT in Premium-Lage „nicht absehbar“, der Pflegeetat für die Pflanzen im Stadtgarten seit Ende Juli aufgebraucht, die Baggerarbeiten für den zunehmend verschlickten Hafen nicht beauftragt. Die Hafenbrücke legt zum 27. August für Reparaturarbeiten eine mindestens dreiwöchige Pause ein, das Spielschiff auf dem gegenüberliegenden Hafenufer bleibt vorerst hinter einem blöden Bauzaun und seit vielen Monaten „entscheiden“ Bremer Behörden über ein kleines Fundament für einen Hafenkran. Die Verkaufsverhandlungen für das Pagageienhaus sind nach Monaten nicht abgeschlossen, wenn auch Immobilien Bremen endlich ein offizielles Kaufangebot vorgelegt hat.

An Deck von SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND: Zum Besichtigen, Feiern, unter Deck übernachten und zum Erholen. Das letzte deutsche Vollschiff ist das Aush#ngeschild der MARITIMEN MEILE Vegesack.

Oder lieber so: SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND zieht Tausende Besucher zu Besichtigung und Übernachtung an, das Geschichtenhaus ist eine einzige Erfolgsstory, Festival Maritim unterhält Zehntausende von Seaman-Music-Fans, die kostenlosen VEGEBÜDEL-Rundfahrten am Wochenende sind fast immer ausgebucht und der Haven-Höövt-Nachfolger soll 2023 komplett eröffnet werden. Die Maritime Meile ist danach eine einzige Erfolgsveranstaltung.

„Einfache Leser“ waren so gut wie keine ins Oberdeck des Thiele-Speichers gekommen. Die mehr als 50 am Thema „Maritime Meile“-Interessierten waren vorwiegend Vereinsvertreter, Kommunalpolitiker und andere – zumeist ehrenamtliche – Funktionsträger. Es ging um den aktuellen Stand und die Aussichten der Maritimen Meile, der 1.852 Meter-Attraktion vom SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND bis zum Schlepper REGINA und hoffentlich bald auch wieder bis zum Restaurant GLÄSERNE WERFT. Um Verbesserungsmöglichkeiten, Fortentwicklungen, Lob und Tadel und darum, wie denn die zehnteilige Artikelserie von Christian Weth in DIE NORDDEUTSCHE zur Maritimen Meile angekommen ist. Sehr gut! Lässt sich schon mal zusammenfassen.

Ob nun die Folgen der Pleite oder der Verkaufsverhandlungen zwischen Lürssen und der Stadtgemeine: Seit rund einem Jahr ist das Restaurant GLÄSERNE WERFT geschlossen. Dadurch fehlt eines der Aushängeschilder der Maritimen Meile.

Doch die Antworten, die Silvia Claus, Betriebsleiterin des Geschichtenhauses, Norbert Lange-Kroning, Projektbeauftragter aus dem MTV Nautilus für die Maritime Meile, Rolf Noll, Vorsitzender des Kutter- und Museumshaven Vegesack, Andreas Heyer von der Wirtschaftsförderung Bremen sowie Heiko Dornstedt, Vegesacks Ortsamtleiter, blieben vage bis negativ.

Die wichtigste Voraussetzung für Schiffe im Museumshaven – nämlich schwimmende Oldtimer – ist wegen der seit langem ausstehenden Baggerarbeiten immer schwerer zu erfüllen. Nachdem der politische Wille des bisherigen Umweltsenators („das Hafenwasser ist so sehr verschmutzt, dass man es dem inzwischen so sauberen Weserwasser nicht zumuten kann …“) zumindest in Person nicht mehr festzumachen ist, schiebt Andreas Heyer die Zuständigkeit für diese Arbeiten nun zu Bremen-Ports. Die waren bisher noch niemals für die Entscheidung zuständig und ob die Mittelverteilung im neuen Senat solche sechsstelligen Ausgaben schon erlaubt, scheint zumindest fraglich.

Das ist jedoch nur einer der kritischen Punkte. Dort, wo es hakt, sind jedoch kaum Lösungen in Sicht. Doch der Reihe nach:

Der Hafenkran, den Kutter- und Museumshaven-Vorsitzender Rolf Noll für eine Fläche neben dem Hafenwald favorisiert, scheitert bisher an einer Baugenehmigung für ein 6×6 Meter großes Fundament. Die Reparatur oder besser: der Neubau des Spielschiffs scheitert bisher an der Abstimmung der Behörden und der Bereitstellung der öffentlichen Finanzen. Die Wiedereröffnung des Restaurants GLÄSERNE WERFT scheitert bisher an den seit langem geführten Verkaufsverhandlungen zwischen Lürssen und dem Bremer Senat. Die Zukunft des Reisemobil-Platzes – wenig attraktiv hinter der Spundwand und neben dem stillgelegten roten und teuren Wachturm angelegt – ist aus demselben Grund in Frage. „Mehr Geld gibt es nicht!“ – ist an vielen Stellen die offizielle Begründung, wenn senatorische Behörden und ihre unzähligen Tochtergesellschaften über Zukunftsprojekte in Vegesack entscheiden müssen.

Doch dort, wo die Bürger es in die Hand nehmen (können), gibt es auch Positives: Norbert Lange-Kroning, Schatzmeister des MTV-Nautilus und Projektbeauftragter für die Maritime Meile, hat mit der „neuen“ Signalstation und der Bereitstellung der Barkasse VEGEBÜDEL schon zwei erste Erfolgsprojekte vorgelegt. Die Gründung einer privaten Stiftung mit Gleichgesinnten zur Übernahme des sogenannten Papageienhauses an der Weserpromenade könnte jedoch sein Meisterstück werden. Immobilien Bremen, bisher nicht als Prompt-Dienstleister bekannt, hat immerhin schon ein Kaufangebot vorgelegt und zeigt sich im Grunde froh, den bisher wenig beachteten Bau loszuwerden.

Original Bauhaus. Doch die große Vergangenheit hat bisher nicht dazu beigetragen das Haus mit größerer Prominenz zu versehen. Jetzt aber gibt es eine Perspektive: Eine Ausstellung über Georg Rasmussen, ein Bistro und öffentliche Toiletten.

Jetzt aber soll das anders werden. Lange-Kroning berichtete in der Veranstaltung, dass zukünftig eine Ausstellung über Henry Rasmussen im Zentrum des Hauses stehen wird. Rasmussen hatte – gemeinsam mit Georg Abeking – 1907 die Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder gegründet. „Kaum jemand weiß heute noch, was dieser Mann alles geleistet hat“, berichtete Lange-Kroning und verwies auf die inzwischen international übliche Vermessung von Yachten, die ihren Ursprung bei Rasmussen hatte. Eine öffentliche Toilette, ein Bistro und die Erinnerung an den Bauhaus-Architekten Becker geben dem Haus wichtige Funktionen.

Und zwei Punkte blieben in der Diskussion im Thiele-Speicher augenscheinlich auch in der Schublade der Visionen für die Maritime Meile: Das „Nebeneinander“ von Radfahrern und Fußgängern an der Promenade sowie eine ÖPNV-ähnliche Schiffsverbindung zwischen Vegesack und Bremen. Beides befindet sich ebenso lange in der öffentlichen Diskussion wie das eine oder andere Projekt, das schon bisher an den knappen Bremer Haushaltsmitteln gescheitert ist.