Museumshaven und Maritime Meile: Bleibt nur noch der Neustart nach langer Pause?

Seit nunmehr zwei Jahren ist das Restaurant „Gläserne Werft“ dicht.  Warum? Darüber gehen die Gerüchte auseinander. Doch scheinen die Pläne des Grundstück-Eigentümers Lürssen dabei eine nicht unwichtige Rolle zu spielen. Für die Maritime Meile Vegesack ist diese Adresse mehr als ein Restaurant. Es ist einer der Startpunkte, ein toller Aussichtspunkt und ein Treffpunkt, der nach der Strandlustpleite in seiner Bedeutung nochmals gestiegen ist.


Derzeit kommt es ziemlich dicke für Vegesack und seine Maritime Meile.

Strandlust und Hochwasserschutz, Museumshaven ausbaggern, SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND nach Bremerhaven; Umbau Bahnhofsvorplatz, Gastronomie pfeift auf dem vorletzten Loch, Veranstaltungen abgesagt, Hafenbrücke unkontrolliert seit Monaten geöffnet, Baubeginn Havenkontor weiterhin unklar – in der benachbarten Grohner Düne könnte man sicher eine Reihe von Klageweibern engagieren …

Nun scheinen die letzten Hürden genommen. Norbert Lange-Kroning hat es wohl geschafft, weitere Unterstützung bei der Reaktivierung des Alten Bootshauses zu bekommen. Als Bestandteil der Maritimen Meile hat das Gebäude das Zeug zu einer richtigen Attraktion.

Die Maritime Meile in Vegesack besteht aus etlichen Besonderheiten. Einige, die unveränderlich feststehen, wie die engste Kurve einer Seeschifffahrtsstraße etwa oder den zweit-, dritt- oder viertältesten Hafen an der deutschen Küste oder den Mittelpunkt eines der wichtigsten Spezialschiffbauzentren der Welt. Doch das, was veränderbar ist, wofür Politik, Unternehmer, Vereine und engagierte Bürger, die es wirtschaftlich zu etwas brachten oder „etwas“ erbten und in Vegesack in Verantwortung fortgeführt haben, ist auf der Attraktivitätsebene mittlerweile ziemlich ins Rutschen gekommen.

Unter den Attraktivitäten, mit denen Vegesack auf sich und die Maritime Meile aufmerksam machen möchte, gibt es zu viele, bei denen es knirscht, denen es an klaren Perspektiven mangelt oder auch „nur“ am Engagement der Initiatoren fehlt.

SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND – Die Vegesacker haben das letzte deutsche Vollschifff gar nicht so richtig angenommen – fanden viele und sind nicht unglücklich über die Umzugspläne des DSV-Vorsitzenden Claus Jäger. Foto: Thomas Rutka

Ein herausragender Zankapfel ist die Neu-Bebauung des Haven-Höövt-Geländes. Dieser Streit wurde vom Vorsitzenden des Deutschen Schulschiff-Vereins, Claus Jäger, losgetreten. Das Haven-Höövt-Gelände, einer der geschichtsträchtigsten Orte überhaupt und jetzt Liegeplatz seines Großseglers SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND, den Jäger gerne nach Bremerhaven verholen oder zumindest mit mehr öffentlichem Geld ausstatten würde.

Mit aufgesetzter Höflichkeit stänkert der Freidemokrat – unterstützt von seinen Parteifreunden – und hofft damit ausreichende und regelmäßige finanzielle Unterstützung aus dem Rathaus zu erhalten. Seit er als Vorsitzender des Deutschen Schulschiff-Vereins auch den Sessel seines damals vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen und sehr erfolgreichen Geschäftsführers, des inzwischen leider verstorbenen Wulf Dominik, erklommen hat, reicht die Zahl der Feierlichkeiten, der Übernachtungsgäste in den Stockbetten und der touristischen Besichtigungen nicht mehr aus.

Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt bedauert den allseits zu erkennenden Niedergang höflich und verweist auf seine Macht- und Funktionslosigkeit. Er freut sich im Ehrenamt über seinen tollen Stadtgarten, dessen Förderverein unter dem Vorsitzenden Dornstedt gerade den 75. Ehrentag nicht so richtig feiern durfte, jedoch in einem toll gemachten Buch auf dieses Vegesacker Highlight hinweisen konnte.

Seit rund einemhalben Jahr ist die Brücke über den Museumshaven in Vegesack weitgehend gesperrt. Die Sperrrung ist nur eines von vielen Ärgernissen, bei denen vor allem bremische Behörden im Mittelpunkt stehen.

Museumshaven-Vereinsvorsitzender Rolf Noll schimpft regelmäßig wie ein Rohrspatz und ärgert sich öffentlich über das Nicht-Funktionieren von Wirtschaftsförderern, die nebenbei auch noch für die Mittel zum Ausbaggern eines Hafens ohne Wirtschaftsfunktion kämpfen sollen.

Norbert Lange-Kroning, unerschöpflicher Ideenproduzent mit Geld und Verbindungen, der seit vielen Jahren für eine maritime Stiftung wirbt, aber nicht nur in Coronazeiten zu wenige Mitstreiter mit viel Geld und vielen Verbindungen für gemeinsames Mäzenatentum findet.

Dann ist da noch die Strandlust – mit Restaurant, Hotel, Café und großem Veranstaltungsaal – an der attraktivsten maritimen Location in Bremen. Um die wurde es während der vergangenen Jahre leiser und das Flüstern „muss es was Besonderes sein, oder reicht die Strandlust?“ hinter vorgehaltener Hand immer lauter. Vom Gastronomen Philipp Thiekötter, der es über Jahre nicht geschafft hat, an die Erfolge seiner Vorgänger als Strandlust-Pächter anzuknüpfen, werden noch das Hotel und Restaurant Havenhaus – jetzt „Strandbude“ – sowie der Graue Esel betrieben. Beide einst wie die Strandlust Aushängeschilder eines gastronomischen Angebots, das ebenso wie die Strandlust bereits lange vor Corona in Schieflage schien.

Die Vegesacker Gastronomie, durch Corona im gefühlten Berufsverbot, scheint mit gefesselten Händen Zapfhähne und Herd zu bedienen und allein vor dem Vegesacker Jungen, der inzwischen als Hafenwirt („Frisches Bier – Schnelle Schiffe – Schöne Stunden“) an der Maritimen Meile agiert, füllen selbst die letzten Sommer-Sonnenstrahlen noch die Draußen-Stühle am Utkiek.

Auch „achterdiek“ gibt es Positives aus der Gastronomie. Nach der Eigenbedarfs-Kündigung von Udo Schmidt-Winkelmann war er auf der Suche nach einem neuen „HORIZONT“ und fand ihn in den bisherigen Bürgerstuben – ebenfalls in der Alte-Hafen-Straße – nur wenige Meter entfernt. Und wann sollen dort die Gäste begrüßt werden? „Der Umbau läuft, gerade wird die neue Theke eingebaut, der Sanitärbereich ist neu und das Adventsbier werden wir sicher schon „vor dem neuen HORIZONT trinken!“ Udo Schmidt-Winkelmann ist optimistisch und kämpft gegen die Pleitegerüchte an. Wahrscheinlich können sich viele Vegesacker gar nicht vorstellen, dass ein Gastronom in diesen Zeiten so umfassend expandiert.

Auch Vedat Ayhan gehört zu diesen Unternehmern. Wenn auch offenbar außerhalb seines eigenen Zeitplans steht noch ein Baugerüst vor dem GODEN WIND. Abgeschlossen sein sollte die große Renovierung bereits Anfang Juli, doch irgendwann werden die leckeren Fischgerichte und vieles mehr sicher wieder mit dem tollen Ausblick auf die Weser – auch aus den sehr schönen Pensionszimmern darüber – ausreichend alte und neue Gäste begeistern.

Manchem in Vegesack fehlt derzeit der richtige Ausblick – mit tatsächlichen Perspektiven für den Museumshaven und seine Wassertiefe, für das Spielschiff, die Liegeplätze im Hafen, die Großbaustelle gleich nebenan, den Hochwasserschutz und den Bahnhofsumbau und etliches mehr.

Ist nun andernorts Zeit für den Abgesang? Mit Sicherheit nicht! Wenn der Großsegler wegsoll, dann möglichst schnell. Mit Sicherheit werden sich Nachfolger finden!

Das Vegesack der maritimen Kleinteiligkeit steht ohnehin weniger für Superlative, jedoch für einen ganz besonderen Charme.

Auf den werden wir von vegesack-maritim.de in einer Artikelreihe eingehen. Wie gewohnt bei uns aus der Sicht des maritimen Insiders, mit Informationen von Entscheidern und Beobachtern und dort, wo es nötig erscheint, auch kritisch von einem Medium, das wirklich unabhängig berichtet.