Na wenn das so ist, dann Prost!

Ein Meinungsbeitrag zur Maritimen Meile:

Was war’s doch damals schön: Egal zu welcher Jahreszeit, erst spazieren gehen, dann die Wampe vollschlagen! Ein Bierchen, ein Glas Wein, ein bisschen Fisch oder Fleisch und irgendwas hinterher – Kaffee, Dessert, ein Lütter zur Verdauung. Entweder drinnen oder draußen, aber immer mit Blick auf die Weser, auf die Werften und die Promenade. All das gemeinsam mit Freunden oder allein…

Damit ist’s vorbei. Aus die Maus. Kein Essen und Trinken. Kein geselliges Beisammensein. Schluss mit lustig!

Vor einigen Tagen: Wunderbares Sonnenwetter, strahlend blauer Himmel, eine frische, kühle Brise. Kreischende Möwen flattern um die beiden Angler. Leises Wellengeplätscher. Viele freie Bänke, wenig Spaziergänger, ein paar Segler, keine großen Schiffe.

Auf der Weserpromenade gibt der Sommer sein vielleicht letztes Intermezzo für dieses Jahr und der Herbst schickt eine Kostprobe seiner würzigen Aromen.

Heißer Kakao oder Cappuccino wär jetzt optimal, denke ich.

Bis vor gut einem Jahr war’s möglich. Da war schließlich die „Gläsernen Werft“!

Ob Kaffee, Kuchen, Knipp, Bratkartoffeln, ein warmes Süppchen, Ente und Gans mit Rotkohl, Grünkohl mit Pinkel und allem Drum und Dran – jede Menge Kulinarisches für Leib, Magen und Seele – nichts war unmöglich.

Dann kam der Oktober und mit ihm schwebte der Pleitegeier ins Restaurant, knipste die Laterne aus, Ente, Gans und andere Vögel hatten nichts mehr zu vermelden und mit Pinkel war auch Schluss!

Seither schwingt der ehemalige Gläserne-Werft-Betreiber seinen Kochlöffel im Bremer Ratskeller und sorgt dafür, dass der beschwipste Kabeljau und das Stadtmusikanten-Menü an die Frau und den Mann kommen.

Nun steh ich aber hier am Ende der Vegesacker Promenade und nicht vorm Bremer Rathaus!

Kaffeetrinken ist Utopie, Pipimachen auch, alles verrammelt und verriegelt – wie der rote Aussichtsturm nebenan. An diesem ohnehin schon total unattraktiven Ende der Promenade ist nun seit einem Jahr absolut tote Hose auf der ganzen Linie. Okay, da steht noch die rot-schwarz-weiße „Regina“, aufgebockt, ein Kleinod nicht nur für Funker. Das war’s dann aber auch schon an diesem Ende der maritimen Meile. Leute, da ist der Hund begraben und Highlights nicht vorhanden!

Spaziergänger und andere Menschen sind zwar anzutreffen, haben aber entweder voll die Sehnsucht nach Ruhe, hoffen auf einen guten Fischfang, führen den Vierbeiner Gassi, bringen dem Enkel das Radfahren bei oder lernen einen Text fürs Laientheater auswendig. Sonst verirrt sich hierher vermutlich niemand und absichtlich schon gar nicht.

Kakao ist also nicht, das mindert meine Laune. Hingegen steigt meine Wut auf die politische und gesellschaftliche Vegesacker Hautevolee. Wie kann man dieses Fleckchen Erde zu einer solch hässlichen und total unattraktiven Stelle verkommen lassen?

So manch ein Entscheidungsträger mit amtlichem Stempel, privatem oder vereinspolitischem Interesse müsste doch ernsthaft darum bemüht sein, diesen phantastischen Platz – sowohl für die Eingeborenen als auch für Fremde gastronomisch und auch sonst – so aufzubereiten, dass es da mal nur so brummt. Brummende Gastronomie spült Steuergelder ins Stadt-Säckel und das kann doch Vegesack sicherlich gut gebrauchen – oder etwa nicht?

Eigentumsverhältnisse hin und Insolvenzverwalter her – keine Medaille hat nur eine Seite und Interimslösungen gibt’s immer und überall – man muss sie nur wollen!

Mir hat’s trotz bestem Wetter die Petersilie verhagelt, denn so viel Impertinenz und Ignoranz will mir nicht in den Kopf.

Kaffee in der Strandlust trinken… ach nee, lass ich lieber, war neulich zum 95. von Oma schon nicht prickelnd. Wegen Überfüllung haben die nicht gerade geschlossen; auf der Terrasse sitzt kein einziger Besucher.

An der Fähre und an der Walflosse tobt das Leben. Auto-, Zweiradfahrer, Biker und Fußgänger fahren weg, kommen an.

Da vorne am Büdchen ist Schlange stehen angesagt. Wen wundert’s, denn die ersten beiden

Restaurants an der Promenade haben geschlossen!

Seit knapp einem Jahrzehnt lebe ich nun auch schon hier in Bremen Nord zwischen Einheimischen, also unter Land und Leuten, viele mit Geld. Und da soll sich nichts anschieben lassen? Es braucht doch eigentlich nur ein paar attraktive Ideen, mehrere kluge Köpfe – dann klappt’s auch mit den Investoren. Hat ja sogar für zwei pfiffige Bremer in der „Höhle der Löwen“ mit dem Car-Sharing hingehauen…!

Dagmar Kiesel

dagmar-kiesel.de