Papageienhaus-Träume vorerst geplatzt!

Nix Neues an der Maritimen Meile – Geld fehlt noch immer, Lange-Kroning verhandelt mit Behörden und Politik

„Das könnte wirklich ein weiterer Leuchtturm für die Maritime Meile sein!“ Thomas Rutka, Vorsitzender des MTV Nautilus e.V., hofft darauf, dass das alte Bootshaus, ehemals vom Vegesacker Ruderverein genutzt, sich zukünftig zu einem neuen Hotspot an der Weser-Promenade entwickelt. Oberhalb von Anleger und Signalstation. Mitten im Stadtgarten. Das sei doch der Knaller überhaupt!

Die Rede ist vom „Papageienhaus“, wie viele Vegesacker es nennen. Eigentlich ist es das „Alte Bootshaus“. Errichtet wurde es im Jahre 1927 vom Bauhaus-Architekten Ernst Becker, dem die „Neue Sachlichkeit“ der seinerzeit revolutionären Architektur außerordentlich gefiel.

Das seit Mitte der 1990er Jahre denkmalgeschützte Gebäude hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit und könnte Interessierten viel Unterhaltsames und Spannendes erzählen. Daher könnten eine Renaissance des Hauses Altes und Neues, Kultur und Tradition unter einem Dach abwechslungsreich miteinander verbinden und es zu neuem Leben erwecken.

So jedenfalls schwebt es denen vor, die sich schon seit Jahrzehnten um die Maritime Meile Vegesack kümmern und nun den „alten Kasten“ ohne Schnörkel und Schnickschnack im Auge haben.

Jahrzehntelang war es das Domizil des Vegesacker Rudervereins, die nachgebauten Schienen an der Promenade verweisen noch auf die querenden Bootswagen auf dem Weg zum eigenen Anleger. Ein erster Versuch von Norbert Lange-Kroning, neues Leben in das Gebäude einzuhauchen, ist offenbar jüngst gescheitert. Was aber die Perspektiven angeht, scheinen die Aussichten nicht negativ. „Neue Ideen, neue Investoren und ein großer Blick auf das Gesamtbild der Maritimen Meile ist aus den Kreisen der Arbeitsgemeinschaft Maritime Meile zu hören, sei nun gefragt. Nach den bisher vorgelegten Plänen gäbe es nach aktuellen Skizzen regelmäßige Lesungen, Vortragsreihen, Klönrunden zu Weser, Wind, Wellen, maritimen Themen und ditt un datt up Platt. All dies könnten sich die Akteure der Maritimen Meile vorstellen.

Dieses Gebäude könnte zum attraktiven Anlaufpunkt für Bremer und Besucher von nah und fern werden, sagen die Befürworter – nicht allein wegen des Bauhaus-Stils.  Eine Dauerausstellung zum Leben und Wirken von Henry Rasmussen, dem weltweit bekannten Yachtkonstrukteur und Gründungsgesellschafter von Abeking & Rasmussen könnte sich zu einem Magneten entwickeln. Auch wenn das Werftunternehmen derzeit keine Basis für die Zusammenarbeit mit den aktuellen Investoren sieht.

Ein Tässchen Kaffee zwischendurch beim Gassi gehen mit Bello, am Vormittag ein bisschen Kultur, zur Mittagszeit was Interessantes für Augen und Ohren und bei Butterkuchen und Cappuccino ist noch lange nicht Schluss mit Unterhaltung. Selbst Feierabend-Entspannung käme nicht zu kurz und abends bei Sternenschein könnte Unterhaltsames im Vordergrund stehen.

Entgegen der stadtbekannten Tierfreundin, die seinerzeit exotische Vögel in diesem Haus hegte und pflegte und fürs Angucken der gefiederten Freunde Eintrittsgeld verlangte, sollte das neue Konzept auch bei freiem Eintritt funktionieren.

Doch was wäre dieses Projekt ohne Essen und Trinken? Nichts natürlich! Eine Drei-Sterne-Edel-Gastronomie mit Sternekoch und Mütze ist sicherlich nicht zu erwarten, dafür aber viel Leckeres als Fingerfood oder mit Messer und Gabel zum Genießen und Sattwerden. Momentan bei allen Überlegungen ein total wichtiger Aspekt, zumal die „Gläserne Werft“ nun schon seit langem verrammelt und verriegelt ist und zur „Strandlust“ lässt sich augenblicklich auch nur vermerken „nichts Genaues weiß man nicht“!

Aus diesen und sicherlich noch etlichen anderen Gründen könnte sich eine Wiederbelebung des ehemaligen Domizils des Vegesacker Ruder-Vereins an der Maritimen Meile im Herzen der Promenade lohnen. Das ganze Drumherum könnte sich zu einem absolut attraktiven Standort entwickeln, und zwar ganzjährig, denn blühende Bäume, Blumen und Sträucher sind ebenso einladend, wie der Stadtgarten generell zu allen Jahreszeiten.

Das hoffentlich dann stadtbekannte „Alte Bootshaus“ könnte zu einem gesellschaftlich wichtigen Mittelpunkt der Promenade werden, wo Alt und Jung, Arm und Reich generationsübergreifend zusammentreffen, um gemeinsam Maritimes zu erleben.

Die Rasmussen-Ausstellung – in einem Henry Rasmussen-Haus –  wäre dann natürlich ein absolutes Muss und wem das immer noch nicht maritim genug ist, der sollte seinen Blick vom Stadtgarten auf die andere Weserseite schweifen lassen. Dort kann er wahrhaftig die Werft Abeking & Rasmussen live und in Farbe betrachten.

Dass der Plan, der Maritimen Meile Vegesack mit dem alten Haus ein neues Gesicht zu einem weiteren Highlight am Weserufer werden zu lassen, hoffen auch die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Maritime Meile, der die Vorstände der dort vertretenen Vereine angehören.

Doch bis jetzt ist der Konjunktiv sozusagen Herr im Hause, aber erfahrungsgemäß kann man das geflügelte Wort „hätte, hätte Fahrradkette“ auch ins Positive verkehren und genau deshalb gibt’s viele Befürworter, die den Initiatoren kräftig die Daumen für gutes Gelingen und baldiges Nägel-mit-Köpfen-machen drücken.

Das Projekt hat jetzt die Chance auf einen Neuanfang. Vegesack sollte jede Chance nutzen.