Radio Bremen oder doch nur Bremen-Radio?

Dah-di-dit Di-dah Dah-dit – delta-alpha-november DAN  – das war die internationale Kennung von Norddeich Radio. Die bekannteste deutsche Küstenfunkstelle hielt von 1907 bis 1998 die Verbindung zu den Schiffen rund um den Globus. Per Tastfunk also der Morsetelegrafie oder per Sprechfunk und das auf unterschiedlichen Frequenzbereichen in der Kurz-, Grenz- oder Ultrakurzwelle (UKW). Im Rumpf des Schleppers REGINA sorgt eine kleine Ausstellung für einen Blick in die Technik des Seefunks. Und daneben bietet eine Amateurfunkstation auch einen tiefen Einblick in die aktuelle Kommunikation – rund um den Globus.


Ein kleiner Blick in den Seefunk im Rumpf des Schleppers REGINA

Was ist denn eigentlich der Unterschied? Immer, wenn das „Radio“ vorn steht, ist es eine Rundfunkstation. Bei Radio Bremen sogar eine öffentlich-rechtliche Rundfunk-Station – sie liefert also Radio und Fernsehen im Rahmen der ARD gegen Gebühr. Wenn aber im Zusammenhang mit „Radio“ dieser Begriff hinten steht, dann handelt es sich um eine Küstenfunkstelle. In der deutschen Geschichte ist Norddeich Radio sicher die bekannteste, Elbe-Weser-Radio die älteste und Bremen-Radio eine der kleinsten.

Auch eine komplette Funktion, für die Amateurfunker, ist von den DARC-Aktiven in Vegesack im Steuerstand des Schleppers REGINA eingerichtet.

So richtig mit Seefunk beschäftigen sich die meisten „Freizeit“-Seeleute nicht mehr. Heute reicht für die allermeisten Fahrtgebiete ein Handy an Bord. Vielleicht noch ein Solar-Ladegerät für den Urlaubs-Törn und natürlich die 0800 – 6 888 000 im Smartphone gespeichert für die Küstenwache oder die DGzRS mit der 0421 – 53687 – 0, falls es auf See wirklich mal eng werden sollte.

Bremen-Radio, die Küstenfunkstelle für die Weser, kam aber nicht wirklich aus Bremen. Sie fand technisch bei Elbe-Weser-Radio, zwischen Salenburg und Altenwalde, südlich von Cuxhaven statt. Und alles höchst amtlich. Denn Küstenfunkstellen waren eine hoheitliche Aufgabe in Deutschland. Wer ein Seefunkzeugnis erwerben wollte, musste auch eine Poststelle auf See betreiben, Telegramme berechnen und auf das Beamtengesetz verpflichtet sein.

Einen kleinen technischen Einblick in dieses weitgehend unbekannte Feld der Kommunikation auf See, bieten die Amateurfunker der DARC-Ortsgruppe Vegesack, die gemeinsam mit dem MTV Nautilus den an Land ausgestellten Schlepper REGINA betreuen. Im früheren Maschinenraum des Schiffes, das bequem über eine Klappenöffnung im Rumpf betreten werden kann, sind Exponate, Tafeln mit Grafiken und Erläuterungen und sogar eine komplette Funkstation aufgebaut. Und zu besichtigen ist dies vor allem sonntags, wenn die Station besetzt und die Klappe an Steuerbord achtern heruntergeklappt ist.

Übrigens: Bremen-Radio gibt es heute nicht mehr wirklich. Die Station in Salenburg mit den Antennenmasten auf der Holter Höhe sind Geschichte und die erste Deutsche Küstenfunkstelle ist seit 1996 verstummt. Eigentlich nicht ganz. Denn Delta-Pappa 07-Seefunk, ein privater Betreiber, hat seine Station an der Grimmerhörn-Bucht in der Seefahrtsschule Cuxhaven eingerichtet. Und auf Kanal 25 ist nach wie Bremen-Radio „on the air“.