Restaurant ohne Gäste – Gäste ohne Restaurant

Das Seaside gibt’s schon lange nicht mehr. Seit letztem Juli wird dort unter dem Namen Kalbsmuschel der Kochlöffel geschwungen. Wozu die Speisekarte einlädt und was die Kelle so gibt? Keine Ahnung, das Netz – also das Internet – ist leer!

Okay, sagt sich der Restaurantbesucher aus Bremen Nord, was geht mich Bremerhaven an. Er bleibt gerne im Lande und nährt sich redlich, also in Vegesack mit Blick auf die Weser!

Optimal ist das in der Gläsernen Werft. Maritimes ringsherum – Wasser, Wellen, Wind und Fischiges auf dem Teller. Im Sommer draußen auf der Terrasse. Im Winter mit Kohl und Pinkel in der geheizten Gaststube. Was will der hungrige Genießer also mehr?

Wie doof ist das denn, meckert der Bremerhavener Kohl-und-Pinkel-Freund, denn er steht vor der verrammelten Tür!

So kann’s gehen, plötzlich ist Zappen duster! Licht aus, Küche kalt – da bleibt nur noch der Weg in den Wiener Wald – ach nee, gibt’s ja auch nicht mehr!

Da steht man nun wie ein begossener Pudel am einen Ende der Vegesacker Promenade.

Macht aber nix, dann geht’s eben zum anderen Ende der Flaniermeile, da gibt’s schließlich auch noch was. Und zwar was ganz Tolles: nämlich beim Essen dem stolzen Oldtimer aufs Deck gucken. Das Schulschiff Deutschland hat im Laufe der Jahre viele Gastronomen kommen und gehen sehen. Die der jüngsten Vergangenheit blieben nie lange. Vielleicht ging ihnen Geld und Puste aus, die Gäste wohl auch. Dem Adost folgte vor kurzem das Rodeo. Also erst traf Mittelmeer auf Orient und nun Fleischiges von der Rodeo-Ranch auf Grillfeuer am plätschernden Ufer von Weser und Lesum.

Wie jetzt, Sie wollen Matjes, Stinte oder anderes mit Schuppen und Flossen aus Fluss oder Meer? Womöglich noch Braunkohl mit grobkörniger Grützwurst, mit knusprigen Bratkartoffeln, Labskaus oder typisch Regionales? Dazu noch Schönes fürs Auge?

Na denn müssen Sie woanders einkehren. Gibt genug Restaurants, denn andere Küchen haben auch noch Köche – dann aber ohne besondere Aussicht.

Okay, ab und zu schimmert mal die Weser durchs Fenster, aber den Anblick des Schulschiffs können Sie sich aus dem Kopf schlagen. Schauen Sie einfach auf die Fähre, die im Minutentakt von einem Weserufer zum anderen tuckert. Genießen Sie das wuselige Gewimmel am Utkiek ganzjährig – bei schönem Wetter und im Sommer sowieso und verzichten Sie auf das stete Plätschern der Wellen ans Ufer und an die Schiffswand der schönen alten Dame.

Rundum Urlaubsfeeling mit maritim-regionalem Essen und Wasserblick – gibt’s nicht! Wie heißt es immer so schön: Man kann eben nicht alles haben! Und genau das gilt auch für die Lokalitäten an der Vegesacker Promenade.

Drum ist es ratsam, manchmal das Restaurant zu wechseln, das schärft den Gaumen und fürs Auge ist auch was dabei. Schließlich isst das Auge doch immer mit – oder?