Rolf Noll: „Im Museumshaven muss sich Grundlegendes ändern“

Viel Platz im Museumshaven – aber nur, weil für den Bagger das Becken geräumt wurde – leider ein paar Jahre her … Jetzt wird der Bagger noch dringender erwartet. Sonst sieht es schlecht aus mit dem 400. Hafengeburtstag 2022.


Ausbaggern, andere Hafenordnung, neue (alte) Schiffe, mehr Aktivitäten für Besucher …

„Die technische Verantwortung für den Museumshaven Vegesack, inklusive des Ausbaggerns, wird nun Bremen Ports übertragen“, hieß es noch vor Monaten. Für die Hafennutzer geradezu eine Erlösung. An etlichen Stellen im Museumshaven können die Skipper ihr Schiff schon zu Fuß erreichen, so sehr ist die Versandung des Hafenbeckens vorangeschritten. Inzwischen scheint aber klar, dass Bremen Ports diese Aufgabe erst übernehmen möchte, wenn auch andere Aspekte der Hafenverwaltung erledigt sind.

„Jetzt ist plötzlich wieder Gunnar Neimke zuständig“, ist dem Vorsitzenden des Museumshaven Vegesack e.V., Rolf Noll, nun mitgeteilt worden. Neimke, von 1996 bis 2000 Prokurist der Stadtentwicklungsgesellschaft Vegesack und Mitarbeiter von Wendelin Seebacher, ist laut seinem eigenen im Internet veröffentlichten Profil jedoch als Architekt und Geschäftsführer festangestellt in zwei Unternehmen aus dem Portfolio von Olaf Mosel. Ob es dadurch zu weiteren zeitlichen Verzögerungen kommt, weiß Noll nicht.

Bei all den Planungen und Vorhaben, die derzeit auf Nolls Schreibtisch auf Erledigung warten, bleibt das Ausbaggern des Museumshavens ein Schlüsselauftrag. Vom 3. bis 6. Juni 2022 wollen die Vegesacker Oldtimer-Skipper Gleichgesinnte aus ganz Norddeutschland zur Feier des 400sten Geburtstages des Vegesacker Hafens einladen. „Diese Schiffe und ihre Skippper sind durch die Bank lange im Voraus ausgebucht“, prognostiziert Rolf Noll. Deshalb hält er seine Planung für 2022 auch nur noch bis zum Frühsommer 2021 aufrecht. „Wenn bis dahin nichts passiert ist, findet das „Danach“ ohne mich statt“, bleibt er konsequent.

Ohnehin sieht er das maritime Vegesack derzeit auf eher schwachen Füßen. „Die Maritime Meile ist doch eigentlich tot“, findet er und hat keine Probleme, dafür genügend Symptome zu finden. Den kommunalpolitisch geäußerten Plan, SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND doch ins Hafenbecken zu verholen, damit man den Großsegler besser sieht, kann er sich gut vorstellen …

Überhaupt scheint SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND eine Schlüsselfunktion für die Neuaufstellung der Maritimen Meile darzustellen, obwohl es im Kreis der beteiligten Vereine auch schon Nachfolgeplanungen für den Liegeplatz an der Lesum zu geben scheint.

Gemeinsam mit den Bremerhavenern?

Überhaupt haben etliche „maritime Vegesacker“ so richtig die Nase von öffentlicher Projektplanung und –Koordination voll. Die Liste reicht vom Hochwasserschutz über die Bahnhofsvorplatzplanung, das Projekt Havenkontor, die Pleiten in der Gastronomie – vor allem bei der Gläsernen Werft – die Behandlung der Strandlust-Pleite bis zum Spielschiff am Hafen. „Hier wird überhaupt nur noch im Konjunktiv argumentiert“, schimpft Rolf Noll. Und das immer wieder erneuerte Hinauszögern des Ausbaggerns des Museumshaven ist danach nur ein Beispiel von etlichen. „Hier gibt es offenbar keine politischen Vorhaben mehr, sondern nur noch behördliche Aktivitäten. Die kann man schaffen, oder auch nicht …!

Ein Zukunftsinstrument scheint der Zusammenschluss der maritimen Oldtimer-Freunde zwischen dem Bremer Norden und Bremerhaven. Liegeplatz-Organisation, Hafenordnung, Hafenmeister, Tiefgangprobleme und anderes mehr – überall mühen sich Ehrenamtliche um die Lösung dieser Fragen und werden nicht selten von beamteten Dienstleistern abgeblockt, klagen die Skipper an beiden Enden der Unterweser.

Eine erste Gelegenheit, Einblick in die Pläne am Museumshaven für 2022 zu erhalten, wird sich am 9. November ergeben. Dann tagt um 17 Uhr in öffentlicher Sitzung der Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus, Kultur und Wirtschaft des Vegesacker Beirates. Auf der Tagesordnung stehen neben anderem der „Verbleib von SCHULSCHIFF DEUTSCHLAND in Vegesack, die Pläne zum Erhalt des Papageienhauses und auch Rolf Noll mit seinem Vorhaben: „Hafenjubiläum 2022“.

Aus den Kommentaren zu diesem Beitrag haben wir einen ausgewählt. Er kommt von Detlef Schimanski:

„Wir sind nach 5 Jahren mal wieder auf der Durchreise im Vegesacker Hafen zu Gast. Der Anblick des Hafens hat sich leider sehr verändert. Was hier an Schiffen im Hafen liegt, hat nichts mehr mit einem Museumshafen zu tun. Die meisten Schiffe machen einen sehr ungepflegten, ja heruntergekommenen Eindruck. Man hat das Gefühl, das es hier darum geht unter dem Deckmäntelchen der Erhaltung alter Schiffe einen preiswerten Liegeplatz für diese Schiffe in schöner Lage zu bekommen. Hier sollte der Betreiber des Hafens vielleicht mal darüber nachdenken, welche Bedingungen ein Schiff erfüllen muß, um als eine Museumsschiff zu gelten, welches diesen Hafen nutzen darf.“