„Mr. Museumshaven“ Rolf Noll ist gestorben

Skipper, Crews und viele Freunde des Vegesacker Museumshaven sind sehr traurig und vermissen ihn schon jetzt

Seit seinem 80. Geburtstag hatte er schon häufiger angekündigt, nicht wieder als Vorsitzender des Kutter- und Museumshaven Vegesack e.V. zu kandidieren. Doch zuletzt war es Corona, das eine Jahreshauptversammlung mit Präsenz verhinderte.

Anfang des Jahres hatte er sein kleines holländisches Plattbodenschiff bereits verkauft – seine Gehwerkzeuge machten ihm zunehmend Probleme. Aber alles andere war topfit. Er war ein Schlitzohr – er hat mir erlaubt, diese Einschätzung auch weiterzugeben. Und obwohl er eigentlich am anderen Ende von Bremen wohnte, hatte er Vegesack für sich entdeckt.

Rolf Noll nach der Jahreshauptversammlung des Museumshaven am 13. Oktober. Frisch gekürt als Projektbeauftragter für den bevorstehenden 400. Hafengeburtstag. Er starb am 3. November.

Den Vegesacker Museumshaven, die Maritime Meile als Ergebnis der Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und vor allem die Menschen. Mit denen konnte er. Rolf war direkt und offen – da war nichts Hanseatisches sondern eher etwas rustikal Bürgerliches. Eigentlich ein typischer Bremer Sozialdemokrat, doch hatte ihn die Partei irgendwann vergrault und zuletzt unterstützte er sogar die Grünen im Beirat in Obervieland, wurde Sprecher seiner Fraktion und des Verkehrsausschusses.

Dass Immobilienfachleute einen Hafen verwalten und ihn voranbringen sollen, hat sich für Rolf Noll niemals erschlossen – und für viele andere auch nicht. Denn die Spannungen zwischen der Abteilung „Sondervermögen“ bei der Wirtschaftsförderung Bremen und dem Museumshaven und seinen Skippern füllen Bände. Doch Rolf gab nicht auf. Er kämpfte. Auch wenn die Anlässe manchmal klein klingen, wie im Streit mit Immobilien Bremen um die Heizung im Thiele-Speicher, dem Domizil des Vereins.

„Dieses Wasser aus dem Vegesacker Hafen kann man der Weser nicht zumuten“, befand vor Jahren ein Bremer Umweltsenator und verhinderte ein weiteres Mal das Ausbaggern des Museumshaven. Wir haben damals über den Spruch herzlich gelacht und uns dennoch enorm geärgert. Beinahe seine gesamte Amtszeit als Vorsitzender hat Rolf Noll für das Ausbaggern des Museumshaven gekämpft. 2021 war es endlich soweit, nachdem rund 3 Mio. Euro politisch beschlossen und Bremen Ports die Aufgabe übernommen hatte. Das also konnte Rolf nach abhaken.

Und dann der Havengeburtstag im kommenden Jahr. Zumindest als Projektbeauftragter wollte er das große Fest auf der Wasserseite noch vorbereiten. Noch drei Tage vor seinem überraschenden Tod am 3. November berichtete er in einem langen Telefonat über seine Erfolge beim Einladen von Traditionsschiffen zu den Geburtstagsfeiern. „Du wirst stolz auf mich sein“, führte er schon in das einige Tage später geplante persönliche Gespräch ein. Dazu kam es nicht mehr. Wir alle, rund um den Hafen, trauern mit seiner Ute und den anderen Angehörigen. Die Liste seiner Erfolge als „Mr. Museumshaven“ ist zu lang, als dass er in Vergessenheit geraten könnte.

Wolfgang Kiesel