„Schunkeln is nicht“ *

…… war die unüberhörbare Ansage des stämmigen großen Mannes im blauen Hemd. „Mitträllern auch nicht; wir singen nämlich englisch“, ergänzt er noch und schon geht’s los mit den Shantys, und zwar nonstop bis zum Kaffeetrinken und Kuchenessen!

Pastor Jan Lammert wippt beschwingt in den Hüften und lässt zufriedene Blicke über seine Siebzig-Plus-Schäfchen schweifen, die aufmerksam dem Gesang der sechs Logger’s Men lauschen. Mit beiden Händen hält er seinen Kaffeepott, an dem er mal nippt oder auch mal nen kräftigen Schluck nimmt. Nachdenklich sieht er aus – einen Groschen für seine Gedanken!

Tatsächlich, mitsingen ist nicht! Unbekannte Melodien, unbekannte Texte. Trotzdem macht sich eine ganz besondere Stimmung im Veranstaltungssaal der Aumunder Kirchengemeinde breit. Jeder scheint seinen Gedanken zur Musik nachzuhinken, denkt an Schiffe, Matrosen, das Schuften an Bord wie‘s früher mal war und an die christliche Seefahrt überhaupt. Und auch an das, was der Großvater, der Vater, der Onkel damals erzählten, als sie selbst zu den Fahrensleuten gehörten und man als Kind mit weit offenen Augen und Ohren den spannenden Geschichten lauschte.

„Alle die mit uns auf Kaperfahrt gehen, müssen Männer mit Bärten sein…“ endlich mal eine bekannte Melodie mit deutschem Text! So ziemlich alle Anwesenden stimmen kräftig mit den Hobby-Musikern ein. „Jan und Hein und Klaas und Pit, die haben Bärte, die fahren mit…“ – ein Kanon, den alle kennen und während es auf der Musikbühne vorne im Raum langsam ruhiger wird, klappert es im hinteren Teil des Saales leise aber stetig. Viele fleißige Hände kümmern sich um Kaffee und Kuchen, schleppen volle Kannen herbei, präsentieren köstliche Kalorienbomben am reichhaltigen Büffet.

Endlich, der Hausherr meldet sich zu Wort, lädt zu Kaffee und Kuchen ein – und nun geht’s wie im Café-Haus, das Udo Jürgens besingt, zu: „Sie treffen sich täglich um viertel nach drei, am Stammtisch im Eck in der Konditorei…und blasen zum Sturm auf das Kuchenbüffet auf Schwarzwälder Kirsch und auf Sahne-Baiser….!“ Nur die Uhr zeigt eine andere Zeit an. Nichts fehlt – von A wie Apfelkuchen bis Z wie zuckersüße Sahne ist so ziemlich alles dabei.

Dann sind die Logger’s Men wieder am Start und das Shanty-Potpourri geht in die Verlängerung. Diesmal sind auch ein paar Instrumente mit von der Partie, was die Liebe zu traditionellen Shantys bei vielen Anwesenden noch unterstreicht.

Ganz zum Schluss ist es sogar ein klein bisschen wie bei André Rieu oder Helene Fischer. Lediglich fehlen hier und heute nur die flackernden Feuerzeuge in den von rechts nach links schwingenden Hände des begeisterten Publikums, die sich garantiert schon jetzt aufs nächste Mal freuen.

übernommen aus der Website dagmar-kiesel.de