Stets am Rande der Existenzbedrohung

Der 52 Meter lange Dampfeisbrecher STETTIN kollidierte 2017 auf der Warnow mit einem Frachtschiff. Dabei wurden 10 Personen verletzt. Nun überprüft die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung die Sitzplatz-Kapazitäten an Bord von Traditionsschiffen. Foto: Wusel007, Stettin im NOK2, CC BY-SA 3.0


Traditionsschiffer kritisieren laufend das Bundesverkehrsministerium

Für Matthias Wesermann, dem Vorsitzenden der Traditionsschiffer in Deutschland, trübt sich die Stimmung im Verhältnis zum Bundesverkehrsministerium inzwischen wieder ein. Nur Monate nach der lang erkämpften Einigung auf neue Sicherheitsvorschriften, spüren die Skipper – meistens Vereine – schon wieder Stolpersteine beim Betrieb ihrer Schiffe. Aktuelles Thema: Wie viele Personen dürfen die Skipper während der maritimen Großveranstaltungen in Kiel, Rostock, Bremerhaven und anderswo zu Tagesfahrten an Bord lassen?

Hintergrund der neuen – von manchem als Mäkelei empfundenen – Überprüfungen ist eine Kollision 2017. Auf der Warnow vor Rostock waren der Dampfeisbrecher STETTIN aus Hamburg mit einem Frachtschiff kollidiert. An Bord der STETTIN wurden 10 Fahrgäste verletzt. Von den Behörden wird dies nun zum Anlass genommen, die Sitzplatz-Kapazitäten während der Tagesfahrten kritisch zu kontrollieren.

Wie läuft das ab? Wir haben den ehrenamtlichen Geschäftsführer der BV2-Betreibergesellschaft Tham Körner gefragt: Ist der Segellogger VEGESACK auch davon betroffen?

„Als wir vor vielen Jahren das erste Sicherheitszeugnis beantragt haben, ist der Gutachter unter Deck durchs Schiff gegangen und hat die Sitzmöglichkeiten gezählt. Dabei haben die Unterkojen natürlich mitgezählt, irgendwie sind wir auf 40 gekommen und mehr wollten wir seinerzeit auch gar nicht. Allerdings haben wir vor einigen Jahren diese Zahl dann im Rahmen einer neu angeschafften Rettungsinsel in Absprache mit der Berufsgenossenschaft Verkehr auf 45 erhöht. Die beobachtete Neuregelung gilt nur für Schiffe, deren Sicherheitszeugnis abgelaufen ist.“

Die VEGESACK ist inzwischen ein schwimmendes Denkmal und trotz ihrer bald 130 Jahre technisch auf der Höhe der geltenden Vorschriften. Trotzdem nagt die Zeit an der Substanz eines jeden Traditionsschiffes. Die ehrenamtliche Crew hat deshalb in jedem Jahr mit großem Aufwand dafür zu sorgen, dass die Kontrolleure die Fahrten des schwimmenden Denkmals erlauben.

Auch über die Sitzplätze an Bord hinaus befinden sich viele Traditionsschiffer und die Behörden in einem Stimmungstief. Am Ende der langen Diskussionen um die Sicherheitsvorschriften hatte das Ministerium einen Betrag von 20 Mio. Euro zugesagt. Damit sollen beispielsweise sicherheitstechnische Umbauten finanziert werden.

Inzwischen ist es so, dass die neuen Vorschriften gelten, von den 20 Mio. Euro nach dem Worten von Matthias Westermann aber noch nicht ein Cent ausgezahlt wurde. Während die Traditionsschiff-Szene den Eindruck gewinnt, dass im Ministerium noch Unklarheit über die Anwendung der Vorschriften bestehe. Gleichzeitig aber würden immer neue Auflagen und Bedingungen aufgestellt, die nicht abgesprochen und zudem nicht verständlich sind.