Unsere Frage: Wie bereitet sich die Gastronomie in Vegesack vor?

Einst das Aushängeschild der Gastronomie und Hotellerie im Bremeer Norden: Die STRANDLUST. Inzwischen Insolvent und vom vorläufigen Insolventsverwalter teileröffnet. Aber ohne Hotel und Kaffee + Kuchen, also auch ohne Butterkuchen. Ohne Terasse und Garten und mit beschränkten Öffnungszeiten. Na mal sehen …


Wir waren gespannt. Als Leitfaden wollten wir die Gastronomieliste bei Vegesack Marketing e.V. nutzen. Doch die Domain vegesack-marketing.de gibt es offenbar gar nicht! Der User wird zwangsweitergeleitet zur Subdomain „vegesack.bremen.de“. Empfindlich eingestellte Browser wären an dieser Stelle aus Gründen der Datensicherheit schon ausgestiegen …

Aber wir wollen ja weiter. Wir folgen dem Link zur „Maritimen Meile“. Auch hier tolle Fotos. Der Link geht aber nicht nach Vegesack, sondern heißt: „maritimemeile-bremen.de“. Angeboten sind die Menüpunkte „Genießen“ – Klick – „Essen & Trinken“. Und tatsächlich: Es öffnet sich eine Seite mit 7 (sieben) Gastronomen entlang der Maritimen Meile.

Wir klicken uns durch:

Die Familie Ayhan mit dem Goden Wind widmet sich schon auf der ersten Seite dem Thema Corona. Telefonische Anmeldung, Außer-Haus-Verkauf, Hygienebestimmungen – alles perfekt.

Der nächste Gastronom in der Übersicht ist die Strandlust. Erst einmal Fehlanzeige. Der ohnehin durch die Insolvenz gebeutelte Betrieb glänzt bei Vegesack Marketing erst einmal mit einer falschen Internetadresse. Unter der richtigen Adresse gibt es auch keine Strandlust mehr – wie im Weser Kurier berichtet „mit kleiner Karte, ohne Kaffee und Kuchen, ohne Garten“. Das Boardinghouse gibt es online noch, die Strandlust offenbar nicht mehr. Alle Versuche, die gestern noch vorhandene Website zu öffnen, schlagen fehl …

Es folgt DIE YACHT – das HarBourClubHouse – ist auf der Homepage besonders aktuell: „Liebe Gäste, wir machen Urlaub bis zum 16.03.2020 und sind wieder ab Dienstag den 18.03.2020 für Sie da“.

Anders das Rodeo im Schulschiffhaus. Für Hochzeiten, Geburtstage und Gruppenfeiern wird dort online geworben. Mit Buffet und Weser-Flair. Das passt eigentlich aktuell so gar nicht.

Frisches Bier, schnelle Schiffe und schöne Stunden verspricht der Hafenwirt im Vegesacker Junge. Sonst nichts.

Bei der Traditionskneipe Fährhaus stört kein Corona-Hinweis das tolle Design der Website. Aber immerhin bei Facebook werden die potentiellen Gäste korrekt auf den Neustart hingewiesen.

Unter der Überschrift „Hotel & Restaurant Havenhaus“ wird neben dem Hotel auf die Strandbude hingewiesen. Aktuelles mit Hinweisen auf die aktuelle Situation gibt es dort nicht. Einschränkungen zum Hotel auch nicht und den Hotelgästen wird schon mal das tägliche Frühstücksbüffet in der Strandlust in Aussicht gestellt.

Der Graue Esel kommt zwar nicht in der Liste vom Vegesack Marketing vor, doch dürfen wir das Restaurant hier anfügen, da es vom selben Betreiber wie das Hotel Havenhaus und die Strandbude sowie die Strandlust betrieben wird. Der Graue Esel, so muss man feststellen, geht leider auf der Website auch nicht auf die neuen Regeln in der Corona-Zeit ein.

Mehr Betriebe stehen beim Vegesack Marketing unter der Gliederung Maritime Meile nicht. Alle Geschäfte, sowie die dort vorhandenen Gastronomiebetriebe (und Eisdielen), finden sich unter dem Menüpunkt „Shoppingmeile“ auf der Website von Vegesack Marketing.

Die schönste Vegesacker Gastroinformation haben wir bei Facebook auf der Seite des Kulturbahnhofs Vegesack gefunden:

WIR MACHEN UNSER LAGER LEER!
Wir möchten euch die Möglichkeit geben, die Kisten zu kaufen, bevor wir sie noch in die Weser schütten müssen. In dieser schwierigen Zeit würdet ihr uns damit ein wenig helfen.

Einfach mit dem Auto vorfahren und den Kofferraum vollmachen.

Eine Kiste Bier für 10 Euro inklusive Pfand – aber leider nur am 20. Mai von 15 bis 18 Uhr!

Zwei von „Außerhalb“:

Das Bootshaus in Blumenthal gehört auch für viele Vegesacker zu den guten Restaurant-Adressen am Wasser. Wenke Tydeks und ihr Team haben sich entschieden, erst einmal das Bootshaus dichtzulassen: „Liebe Gäste, aufgrund der aktuellen Entwicklungen öffnen wir am 30.05.20 wieder für Sie. Spontan zu kommen wird leider nicht möglich sein, deshalb reservieren Sie bitte vorher einen Tisch …“ Das ist doch auch eine Möglichkeit.

Und dann hat uns ja am 19. Mai noch ein Newsletter erreicht: „Wir bitten um ein wenig Geduld und freuen uns, sie bald wieder bei uns im Hause begrüßen zu dürfen. Derzeit arbeiten wir täglich an einem zukunftsfähigen Konzept“ Auch ein besonders Besonnener? Nein. Der Gastronom des Restaurant und Kunstcafé Kränholm umschreibt mit seinem Newsletter vornehm, das er schon in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden musste. Wieder ein Betrieb, der die aktuelle Pandemie als Grund für das Aus angibt.

 Unsere Meinung:

Nach rund zwei Monaten Auszeit ist der Kontakt zwischen den Kneipen oder Restaurants und ihren Stammgästen unterbrochen – so würden Kommunikations-Fachleute wahrscheinlich urteilen. Wo also bleibt dann aktuell die gemeinsame Gastro-Aktion für den Neustart in Vegesack? Die schön gestaltete Doppelseite in DIE NORDDEUTSCHE beispielweise, in der auf die Wiederöffnung, die Wirte und ihre besonderen Aktionen hingewiesen wird? Oder ist der Vegesack Marketing-Geschäftsführer als Ideengeber und Koordinator inzwischen als „Lame Duck“ einzustufen, weil er in wenigen Wochen das Unternehmen verlassen wird? Um mit Gesichtsmaske Biertrinken zu gehen, bedarf es jedenfalls für uns noch große Überwindung. Da müsste uns schon was Besonderes locken und nicht nur die Klage über die Corona-Maßnahmen.