Sie tuckert wieder: die 82 Jahre alte Maschine der VEGEBÜDEL

Das Happy End auf der Lesum: Von der Bootswerft Winkler in Lesumsbrok kommend tuckert die Barkasse VEGEBÜDEL des MTV Nautilus wieder zurück an ihren Liegeplatz im Museumshaven Vegesack. Seit mehr als zwei Jahren sorgten sich die Aktiven im Verein und seiner Betreibergesellschaft um das historische Schmuckstück. Jetzt bietet die Barkasse wieder diese ganz besonderen maritimen Erlebnisse während der Rundfahrten auf Weser und Lesum. Mit dem Programmstart wird spätestens zur kommenden Saison gerechnet.


Die „Erlösung“ ist Eckhard Bögershausen geradezu ins Gesicht geschrieben: „Freitag geht‘s wieder zurück in den Museumshaven“ – er strahlte bei der Ankündigung übers ganze Gesicht. Für ihn als Projektleiter der VEGEBÜDEL im MTV Nautilus war es vor allem die „Lissy“ genannte Maschine mit ihren 42 Liter Hubraum, die allen Beteiligten starke Nerven abverlangte. Vor allem Stephan Keller – dem ehrenamtlichen ersten Maschinisten innerhalb der VEGEBÜDEL-Crew – der sich während der vergangenen Monate über alle Maßen hinaus, wie er selbst zugeben muss, „den Hintern aufgerissen hat“. Einige Tage nach der ersten Fahrt in den Vegesacker Museumshaven startete nun eine „Premieren“-Rundfahrt auf der Lesum. Mit einem langanhaltenden „Tuuuuuuut“ beim Passieren der Winkler-Werft in Lesumbrok, deren Mitarbeiter mit aller Geduld und großem Engagement die Rekonstruktion der Barkasse begleitet haben.

Stephan Keller, ehrenamtlicher 1. Maschinist in der Crew der VEGEBÜDEL, hat über viele Wochen jede Minute seiner Freizeit der „Lissy“, dem 82 Jahre alten Antrieb der Barkasse, gewidmet.

Jetzt aber bestimmt das „Kar-tüffel – Kar-tüffel – Kar-tüffel“ des 3-Zylinder-Diesel wieder die Geräuschkulisse an Bord der VEGEBÜDEL. Und seit Stephan Keller mit einer Kaffee-Mugg in der Hand seinen 3-Tonnen schweren Liebling allein lässt, entspannt sich auch bei den übrigen Crewmitgliedern der Gesichtsausdruck. Noch sind einige kleinere Arbeiten zu erledigen doch im Großen und Ganzen läuft „Lissy“ problemlos. Kleine Leistungsschwankungen werden derzeit noch auf den dreijährigen Stillstand zurückgeführt. Einen Ersatz der Ölpumpe sucht Uwe Petersen, der in seinem Maschinenbaubetrieb in Oyten den Motor komplett zerlegt und mit neuen Lagerschalen versehen hatte, noch auf seinem Dachboden. Es ist eben ein 82 Jahre alter Antrieb, für den es selbstverständlich keine Ersatzteile mehr gibt.

Mit neuer Persenning, auf gemülichen Bänken und am traditionellen Holztisch wird für die Gäste der zukünftig kostenlosen Rundfahrten „angerichtet“. Entlang der Maritimen Meile in Vegesack – von Knoops-Park bis zu den Werften an der Weser reicht das maritime Erlebnis, das dabei geboten wird.

Damit soll spätestens zum Beginn der kommenden Saison der Barkasse ein neues „Rundfahrt-Leben“ ermöglicht werden. Organisiert wird das zukünftig im Rahmen der Maritimen Meile Vegesack. Ursprünglich hatte der MTV die Barkasse in die Obhut seiner BV2-Betreibergesellschaft gegeben. Doch beinahe zeitgleich mit dem Lagerschaden an dem alten Diesel gab es auf dem Vegesacker Flaggschiff, der BV2-VEGESACK, einen Mastbruch am Besan. Die komplette Masterneuerung schlug tief in die Kasse des ehrenamtlich geführten Loggers. Kurz danach offenbarten die Vorbereitungen zur Klasse (dem „Schiffs-TÜV“) die dringende Notwendigkeit für einen längeren Werftaufenthalt. Mehr als 100 Jahre alte Stahlplatten des Unterwasserschiffes wurden auf der Elsflether Werft ausgetauscht, ebenso das Kollisionsschott und weitere technische Einrichtungen.

Für die umfassende Reparatur der VEGEBÜDEL – quasi “ nebenbei“ – war schlicht kein Geld mehr im gemeinnützigen Haushaltstopf.

 

Die VEGEBÜDEL wechselte deshalb vor nicht langer Zeit den „Eigner“, ging in die Regie des Vereins über, der nun aus eigenen und anderen Mitteln sich müht, einige Zehntausend Euro für die Motorenreparatur aufzubringen. Spender und Sponsoren sind deshalb für dieses Projekt und die zukünftig kostenfreien Rundfahrten dringend gesucht.

Die technischen Daten des Antriebes sind ungewöhnlich. Bei 345 Umdrehungen pro Minute bringen die etwa 100 PS und die Barkasse auf neun Knoten, also rund 16 Stundenkilometer. Gebaut wurde die Maschine 1936 – die Maschinen, muss es eigentlich heißen, denn nach dem Heben von im Krieg versenkten Kuttern wurde aus zwei Dieseln einer gemacht – und das ist nun die „Lissy“, wie die „Vegebüdel“-Crew diesen Antrieb liebevoll nennt.

Ihre Fans drücken selbstverständlich die Daumen, dass die Barkasse des MTV Nautilus e.V. spätestens zur kommenden Saison im Rahmen der maritimen Meile kostenlose Rundfahrten auf der Weser und der Lesum durchführen kann.

 

Hier der Link zur Berichterstattung DIE NORDDEUTSCHE von Christian Weth